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Forschungsblatt · Orte & Olchon

Baikalsee und Russland: Oblast Irkutsk, Burjatien und wem der See gehört

Zwei Regionen, ein Schutzgesetz und der Staat als Eigentümer

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Orte & Olchon
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Karte der Verwaltungsgrenzen um den Baikalsee: Oblast Irkutsk, Republik Burjatien, Region Transbaikalien und die Mongolei
Abb. 1Der See liegt zwischen der Oblast Irkutsk und der Republik Burjatien. Datenkarte nach Natural Earth
Kurz gesagt

Der Baikalsee liegt vollständig in Russland und steht im Eigentum des Bundes, denn nach dem russischen Wasserkodex gehören Gewässer grundsätzlich der Föderation. Das Westufer gehört zur Oblast Irkutsk, das Ost- und Nordufer mit rund 60 Prozent der Uferlinie zur Republik Burjatien. Seit 1999 regelt ein eigenes Bundesgesetz den Schutz des Sees und seiner Umgebung.

Welche Regionen teilen sich den Baikalsee?

Der See wird von zwei Föderationssubjekten Russlands eingefasst: der Oblast Irkutsk im Westen und der Republik Burjatien im Osten. Die Verwaltungsgrenze zwischen beiden verläuft über die Wasserfläche des Sees. Zur Oblast Irkutsk gehören das Südwestufer mit Listwjanka, Kultuk und Sljudjanka, das Stadtgebiet von Baikalsk am Südufer, das mittlere Westufer und die Insel Olchon. Burjatien umfasst das Süd- und Ostufer mit dem Delta der Selenga, der Bargusin-Bucht, der Halbinsel Swjatoi Nos und den Uschkani-Inseln sowie den gesamten Norden des Sees mit Sewerobaikalsk. Rund 60 Prozent der Uferlinie liegen in Burjatien.

MerkmalOblast IrkutskRepublik Burjatien
Lage am SeeWest- und Südwestufer, OlchonSüd-, Ost- und Nordufer
Flächerund 774.800 km²rund 351.300 km²
Einwohner (Zensus 2021)rund 2,37 Millionenrund 979.000
HauptstadtIrkutsk, gegründet 1661Ulan-Ude, gegründet 1666
Anteil der Burjaten (Zensus 2021)rund 3,6 Prozentrund 32,5 Prozent
FöderationskreisSibirienFerner Osten (seit 2018)

Die Unterschiede zwischen den Regionen reichen über die Verwaltung hinaus. Burjatien ist die Republik der Burjaten, eines mongolischsprachigen Volkes, das knapp ein Drittel der Bevölkerung stellt; Buddhismus und Schamanismus prägen die Kultur. In der Oblast Irkutsk stellen Russen die große Mehrheit, mit einem eigenen burjatischen Bezirk Ust-Orda. Auch die Zugehörigkeit zu den Föderationskreisen, den großen Aufsichtsbezirken des Präsidenten, ist seit 2018 verschieden: Ein Erlass vom 3. November 2018 hat Burjatien und die Region Transbaikalien aus dem Föderationskreis Sibirien in den Föderationskreis Ferner Osten verlegt. Beide Hauptstädte liegen nicht direkt am Ufer. Die Seite Irkutsk an der Angara beschreibt die Hauptstadt der Oblast, die Seite Ulan-Ude, Hauptstadt Burjatiens die der Republik; den Großraum ringsum zeigt die Seite Der Baikalsee in Sibirien.

Welche Bezirke liegen am Ufer?

Am Ufer des Baikalsees liegen sieben Landbezirke, russisch Rajone, und eine eigenständige Stadt. Drei Bezirke gehören zur Oblast Irkutsk, vier zu Burjatien, dazu die burjatische Stadt Sewerobaikalsk am Nordende. Die Bezirke reichen weit ins Hinterland, ihre Einwohner leben aber zu einem großen Teil in einem schmalen Streifen am See und in den Flusstälern.

RegionBezirkUferabschnittOrte am Ufer (Auswahl)
Oblast IrkutskSljudjanskiSüdwestspitze und Südufer bis zum Fluss SneschnajaKultuk, Sljudjanka, Baikalsk
Oblast IrkutskIrkutskiSüdwestufer am Ausfluss der AngaraListwjanka, Bolschije Koty, Bolschoje Goloustnoje
Oblast IrkutskOlchonskimittleres Westufer, Kleines Meer, Insel OlchonBuguldeika, Sachjurte, Chuschir
BurjatienKabanskiSüdostufer von der Sneschnaja über das Selenga-Delta, rund 260 kmWydrino, Babuschkin, Possolskoje
BurjatienPribaikalskimittleres OstuferTurka, Gorjatschinsk
BurjatienBargusinskiBargusin-Bucht, Swjatoi Nos, Tschiwyrkui-BuchtUst-Bargusin, Maximicha
BurjatienSewero-Baikalski und Stadt SewerobaikalskNordteil des Sees, Nordwest- und NordostuferNischneangarsk, Sewerobaikalsk

Wie viele Menschen unmittelbar am See leben, wird unterschiedlich angegeben, weil es auf die Breite des Uferstreifens ankommt. In der russischen Literatur ist von rund 100.000 Menschen in etwa 85 Ufersiedlungen die Rede. Die größten Orte direkt am Wasser sind Kleinstädte wie Sewerobaikalsk, Sljudjanka und Baikalsk; die übrigen Ufersiedlungen sind Dörfer und Siedlungen städtischen Typs mit wenigen hundert bis einigen tausend Einwohnern. Die Bevölkerungsschwerpunkte der beiden Regionen, Irkutsk mit Angarsk und Ulan-Ude, liegen dagegen 60 bis 80 Kilometer vom Ufer entfernt.

Wem gehört der Baikalsee?

Der Baikalsee gehört dem russischen Staat. Der Wasserkodex der Russischen Föderation legt in Artikel 8 fest, dass Gewässer im Eigentum der Föderation stehen. Ausnahmen gelten nur für Teiche und geflutete Gruben auf einem Grundstück, die dem Eigentümer des Grundstücks gehören können. Ein See dieser Größe kann also weder einer Region noch einer Gemeinde oder einer Privatperson gehören. Die Oblast Irkutsk und Burjatien verwalten ihre Uferabschnitte, entscheiden aber nicht über das Eigentum am Wasser.

Auch die Aufnahme in das UNESCO-Welterbe im Jahr 1996 ändert daran nichts. Mit der Eintragung verpflichtet sich ein Staat, das Gebiet zu schützen und regelmäßig über seinen Zustand zu berichten; das Eigentum bleibt beim Staat. Welche Kriterien die Eintragung begründen und welche Berichte und Konflikte seither folgten, beschreibt die Seite UNESCO-Welterbe Baikalsee.

Was regelt das Gesetz zum Schutz des Baikalsees?

Das Bundesgesetz „Über den Schutz des Baikalsees“ vom 1. Mai 1999 schafft für den See und sein Umland einen eigenen Rechtsrahmen. Es umfasst vier Abschnitte mit 26 Artikeln und richtet die Baikal-Naturterritorium genannte Schutzregion ein, in der für Wirtschaft und Bauen besondere Regeln gelten. Grundsätze sind der Vorrang des Ökosystems, verbindliche Umweltprüfungen für Vorhaben, Grenzwerte für Einleitungen und Emissionen sowie ein staatliches Umweltmonitoring.

Das Gebiet ist in drei ökologische Zonen gegliedert. Die zentrale ökologische Zone umfasst den See mit seinen Inseln und einen breiten Landstreifen ringsum, zu dem die Nationalparks und Reservate am Ufer gehören; ihre Grenze entspricht der des Welterbes. Um sie legt sich eine Pufferzone, und am weitesten reicht die Zone der atmosphärischen Einwirkung, die Industrieanlagen erfassen soll, deren Abgase den See erreichen können. Welche Tätigkeiten in der zentralen Zone verboten sind, legt die Regierung in einer eigenen Liste fest. Einen Überblick über die einzelnen Schutzgebiete am Baikalsee gibt eine eigene Seite.

Im Dezember 2025 hat Russland das Gesetz geändert. Nach Berichten über die Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees erlauben die Änderungen nun unter anderem Kahlschläge zur Waldsanierung, die zuvor verboten waren, sowie den Bau von Straßen, Brücken und Schutzbauten gegen Murgänge. Das Komitee hatte Russland zuvor mehrfach gewarnt. Bei seiner Sitzung im Juli 2026 lag ein Vorschlag vor, den See auf die Liste des gefährdeten Welterbes zu setzen; die Entscheidung wurde auf 2027 vertagt. Im August 2026 fand die angekündigte Beobachtungsmission von UNESCO und IUCN statt; nach Angaben des staatlichen Sanierungsbetriebs besichtigten deren Fachleute unter anderem das Gelände des früheren Zellstoffwerks in Baikalsk. Auf ihren Bericht, der bis Oktober 2026 nicht veröffentlicht war, soll sich die Entscheidung stützen. Eine weitere Änderung brachte das Gesetz Nr. 304-FZ vom 4. August 2026: In der zentralen ökologischen Zone sind Hiebe in abgestorbenen Wäldern zur Waldverjüngung zulässig, wenn andere Maßnahmen nicht genügen; welche Flächen das sind, legt die Regierung mit Zustimmung der Baikal-Kommission fest. Ab März 2028 dürfen außerdem Waldflächen gerodet und umgewidmet werden, wenn das für den Ausbau von Transsib und Baikal-Amur-Magistrale nötig ist.

Welche Rolle spielt die Mongolei für den See?

Am See selbst ist die Mongolei nicht beteiligt, für seinen Wasserhaushalt ist sie aber wichtig. Die Selenga, die rund die Hälfte des Zuflusses liefert, entsteht in der Mongolei, und der größere Teil ihres Einzugsgebiets liegt auf mongolischem Gebiet. Erst auf ihren unteren rund 400 Kilometern fließt sie durch Burjatien, passiert Ulan-Ude und mündet mit einem breiten Delta in den See. Auch der Chöwsgöl-See im Norden der Mongolei gehört über seinen einzigen Abfluss, den Egiin Gol, zum Stromgebiet des Baikal. Was die Selenga und die übrigen Zuflüsse dem See zuführen, beschreibt die Seite Selenga und Zuflüsse des Baikalsees.

Rechtlich regelt ein Abkommen zwischen den Regierungen Russlands und der Mongolei, unterzeichnet am 11. Februar 1995 in Ulan-Bator, den Umgang mit den grenzüberschreitenden Gewässern. Es ersetzte eine Vereinbarung über die Selenga von 1974 und sieht gemeinsame Messprogramme, den Austausch hydrologischer Daten, Hochwasserwarnungen, gemeinsame Forschung und die Sicherung der natürlichen Wanderung von Fischen vor. Als Belastungen aus dem mongolischen Teil des Einzugsgebiets nennen russische Quellen vor allem die Abwässer von Ulan-Bator und Darchan sowie den Goldbergbau an Nebenflüssen der Selenga.

Seit 2013 beschäftigen mongolische Wasserkraftpläne auch das UNESCO-Welterbekomitee: das Kraftwerk Schuren an der Selenga, ein Kraftwerk am Egiin Gol und ein Wasserüberleitungsprojekt am Orchon. Kritiker in Russland befürchten Folgen für das Selenga-Delta und den Wasserstand des Sees. Das Komitee verlangte Umweltprüfungen für jedes Vorhaben und eine Bewertung ihrer gemeinsamen Wirkung. Nach einem Bericht der Organisation Rivers without Boundaries teilte die Mongolei der UNESCO im Januar 2024 mit, Schuren und das Orchon-Projekt aufgegeben zu haben, nahm beide aber später wieder in nationale Programme auf; geplant blieb zudem das Kraftwerk am Egiin Gol.

Welche Bedeutung hat der See für Russland?

Der Baikal ist für Russland weit mehr als ein Gewässer. Lieder, Gedichte und Gemälde haben ihn zu einem nationalen Symbol gemacht; ein bekanntes Volkslied beginnt mit den Worten „Ruhmreiches Meer, heiliger Baikal“. Der See enthält rund 20 Prozent des flüssigen Süßwassers an der Erdoberfläche, ein Wert, der in Russland oft betont wird. Mit dem Limnologischen Institut in Irkutsk, das 1928 als Forschungsstation begann und seit 1961 ein Institut der Akademie der Wissenschaften ist, gehört er zu den am besten untersuchten Seen der Welt.

Wirtschaftlich zählen Wasserkraft, Fischerei und Tourismus. Seit dem Bau des Irkutsker Staudamms an der Angara in den 1950er-Jahren wird der Seespiegel indirekt reguliert; eine Verordnung von 2001 schreibt einen Pegel zwischen 456 und 457 Metern nach dem russischen Pazifik-Höhenbezug vor, der seither mehrfach unterschritten oder überschritten wurde. Der Fischfang beruhte lange vor allem auf dem Omul, dessen kommerzieller Fang seit 2017 verboten ist. Der Tourismus ist vor allem in Listwjanka und auf Olchon stark gewachsen; für 2014 nennt die russische Statistik rund 147.000 ausländische Besucher in Irkutsk und am See, fast doppelt so viele wie im Jahr zuvor.

Wie steht es um den Umweltschutz am See?

Der Umweltschutz am Baikal ist seit Jahrzehnten ein politisches Thema. Proteste von Wissenschaftlern begleiteten schon den Bau des Zellstoffwerks in Baikalsk, das 1966 direkt am Ufer in Betrieb ging. Es wurde 2008 geschlossen, 2010 wieder angefahren und ging 2013 endgültig in Konkurs; seine Schlammbecken mit Ligninrückständen gelten weiterhin als Altlast. Heute stehen unzureichend geklärte Abwässer der Ufersiedlungen, wachsender Tourismus, Bauen in der Schutzzone und die Waldnutzung im Mittelpunkt, hinzu kommen die Einträge über die Zuflüsse.

Für Reisende gilt derzeit: Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in die Russische Föderation. Die Hinweise zur aktuellen Lage stehen im Kasten oben auf dieser Seite.

Häufige Fragen zu Baikalsee und Russland

In welchem Bundesland liegt der Baikalsee?

Russland hat keine Bundesländer, sondern Föderationssubjekte. Der See liegt in zweien davon: in der Oblast Irkutsk am Westufer und in der Republik Burjatien am Ost- und Nordufer. Die Grenze zwischen beiden verläuft über die Wasserfläche des Sees.

Ist der Baikalsee ein Nationalpark?

Der See als Ganzes ist kein Nationalpark, aber große Teile seiner Ufer gehören zu Nationalparks und Reservaten, etwa dem Pribaikalski- und dem Sabaikalski-Nationalpark und dem Bargusin-Reservat. Zusammen mit dem See bilden sie das UNESCO-Welterbe. Für den gesamten See gilt zudem das Schutzgesetz von 1999.

Seit wann gehört der Baikal zu Russland?

Seit dem 17. Jahrhundert. Russische Kosaken erreichten den See 1643, die Festungen Irkutsk und Udinskoje entstanden 1661 und 1666, und bis in die 1680er-Jahre wurden auch die Burjaten östlich des Sees tributpflichtig. Der Vertrag von Kjachta mit dem chinesischen Kaiserreich legte 1727 die Grenze südlich des Sees fest, die im Kern bis heute die Grenze zur Mongolei bildet.

Darf man Wasser aus dem Baikalsee abfüllen und verkaufen?

Die gewerbliche Wasserentnahme ist genehmigungspflichtig und politisch umstritten. 2019 ließ der Gouverneur der Oblast Irkutsk die Rechtmäßigkeit eines im Bau befindlichen Abfüllwerks prüfen, das Baikalwasser nach China liefern sollte.

Wie viele Menschen leben in den Anrainerregionen?

Die Oblast Irkutsk und Burjatien haben zusammen rund 3,3 Millionen Einwohner, die meisten davon in Städten fern des Ufers wie Irkutsk, Angarsk und Ulan-Ude. Direkt am See leben nach gängigen Angaben rund 100.000 Menschen, überwiegend in Dörfern und Kleinstädten.

Quellen: Bundesgesetz Nr. 304-FZ vom 4. August 2026, Art. 4 (Konsultant Plus); Föderaler Umweltbetreiber (FEO): Mission von UNESCO und IUCN in Baikalsk, 19. August 2026; Auswärtiges Amt: Russische Föderation, Reise- und Sicherheitshinweise (Stand 21.10.2026); ECOLEX/FAOLEX: Federal Law No. 94-FZ on the Protection of the Baikal Lake; ECOLEX: Abkommen Russland–Mongolei über grenzüberschreitende Gewässer (1995); Wasserkodex der Russischen Föderation, Kapitel 2 (Wikisource); Präsidialerlass Nr. 632 vom 3. November 2018 (Amtliches Portal für Rechtsinformation); Rivers without Boundaries: Bericht zur 48. Sitzung des Welterbekomitees (Juli 2026); ergänzend Wikipedia-Artikel zu Burjatien, zur Oblast Irkutsk und zu den Uferbezirken. Stand: Oktober 2026.

Baikalsee.info

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Reiselage Das Auswärtige Amt warnt derzeit vor Reisen nach Russland. Aktueller Stand: auswaertiges-amt.de