Blatt Baikal · 51°28′–55°47′ N · 103°43′–109°58′ OWissens- und Reiseportal · Stand Oktober 2026

Forschungsblatt · Orte & Olchon

Tunka-Tal: Heilquellen und Ostsajan

Ein Grabenbruch am Irkut zwischen Ostsajan und Chamar-Daban

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Orte & Olchon
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Breites Tal an einem frostigen Wintermorgen mit Frostnebel und bereiften Lärchen vor einer zackigen verschneiten Bergkette
Abb. 1Frostnebel im Tunka-Tal vor den Gipfeln des Ostsajan. Symbolbild
Kurz gesagt

Das Tunka-Tal ist eine rund 190 bis 200 Kilometer lange Kette von Becken westlich des Südendes des Baikalsees, durch die der Irkut fließt. Es gehört zur Baikal-Riftzone und liegt zwischen den Tunkinskije Golzy des Ostsajan und dem Chamar-Daban. Bekannt ist es für seine Mineralquellen, etwa in Arschan, und für junge Vulkankegel.

Wo liegt das Tunka-Tal?

Das Tunka-Tal beginnt wenige Kilometer westlich von Kultuk am Südwestende des Baikalsees und zieht sich in westlicher Richtung bis an die Grenze der Mongolei. Auf Burjatisch heißt es Tünchenei gol. Der Name geht nach dem Toponymiker Jewgeni Pospelow auf einen mongolischen Stamm namens Tunken zurück, der hier im 12. und 13. Jahrhundert lebte. Im Norden begrenzen es die Tunkinskije Golzy, die östlichste Kette des Ostsajan, mit Gipfeln bis 3.284 Meter. Im Süden steigen der Chamar-Daban und seine Ausläufer an, im Westen die Ketten des Großen Sajan mit dem Munku-Sardyk, mit 3.491 Metern dem höchsten Berg des Sajangebirges.

Das Tal ist keine einheitliche Senke, sondern eine Kette von sechs Becken, die durch Engstellen des Irkut voneinander getrennt sind: von Ost nach West das Bystraja-, das Tory-, das eigentliche Tunka-, das Turan-, das Hoito-Gol- und das Mondy-Becken. Das östlichste gehört schon zur Oblast Irkutsk, die übrigen zum Rajon Tunka der Republik Burjatien. Der Irkut entspringt im Ilchir-See im benachbarten Rajon Oka in 1.963 Metern Höhe, legt allein auf dem Gebiet des Nationalparks rund 247 Kilometer zurück und mündet nach 488 Kilometern in Irkutsk in die Angara. Im Tunka-Becken liegt sein Wasserspiegel zwischen rund 750 und 710 Metern. Wie sich der Rajon in die Republik einfügt, zeigt die Seite über die Republik Burjatien.

Weites Tal mit Wiesen und Lärchengruppen im Spätsommer unter einer schroffen Bergkette
Abb. 2Wiesen und Lärchen im Talboden. Symbolbild

Durch den Süden des Tals führt die Fernstraße A333 von Kultuk über Kyren nach Mondy und weiter zur mongolischen Grenze, der sogenannte Tunka-Trakt. Er folgt einer alten Verbindung: Schon um 1801 bestand von Kultuk aus ein Fahrweg nach Mondy und in die Mongolei. Eine Eisenbahn gibt es im Tal nicht.

Wie ist das Tunka-Tal entstanden?

Das Tal ist ein Grabenbruch wie der Baikal selbst, nur jünger und ohne großen See. Die Becken entstanden nach der Darstellung der Nationalparkverwaltung im Miozän und Quartär entlang der Achse der Baikal-Riftzone, als die Erdkruste hier auseinandergezogen wurde: Die Gebirgsränder hoben sich, die Talböden sanken ein und füllten sich mit Fluss-, See- und Gletscherablagerungen. Die teils vulkanischen Schichten erreichen unter dem Tunka-Becken eine Mächtigkeit von rund 2.400 bis 2.500 Metern. Die Becken neigen nach Darstellung der Parkverwaltung weiterhin zur Absenkung, die umgebenden Ketten zur Hebung. Wie das gesamte Rift von der Mongolei bis Transbaikalien aufgebaut ist, erklärt die Seite zur Baikal-Riftzone.

Der Nordrand des Tals ist eine steile Bruchstufe. Am Fuß der Tunkinskije Golzy verlaufen zahlreiche Verwerfungen, an denen die Bäche in Wasserfällen aus dem Gebirge stürzen. Entlang der Tunka-Störung verschieben sich die Krustenblöcke nach GPS-Messungen um rund 2 Millimeter pro Jahr seitlich gegeneinander. Die Region gehört zu den erdbebenreichsten Gebieten Sibiriens; 1950 erschütterte ein starkes Beben das Gebiet um Mondy im Westen des Tals, das der Geologe Nikolai Florensow untersuchte.

Durch Spalten im Untergrund stieg auch Lava auf. Im Talboden stehen kleine Schlackenkegel von bis zu 120 Metern Höhe. Der bekannteste ist Churai-Chobok mit einem gut erhaltenen Krater, der kleinste der Kunten am Rand der Koimor-Seen, der sich nur rund 6 Meter über die Umgebung erhebt. Ausbrüche in historischer Zeit sind nicht bekannt, die Kegel gelten als erloschen; sie gehören zu einem der jungen Vulkanfelder der Riftzone.

Welche Mineral- und Thermalquellen gibt es im Tal?

Das Tunka-Tal ist reich an Quellen, die an die jungen Bruchzonen gebunden sind. Die Angaben über ihre Zahl hängen von der Zählweise ab: Die Nationalparkverwaltung nennt einmal mehr als 15 verschiedene Quellen und an anderer Stelle mehr als 100 Austritte von Mineralwasser, eine Übersicht des Rajons rund 20 erkundete Quellen und 9 Vorkommen von Heilschlamm. Es gibt kalte kohlensäurehaltige Wässer, warme und heiße Quellen sowie Methan führende Thermen. In der weiteren Region erreichen einzelne Quellen Temperaturen von 80 bis 82 °C. Auf Burjatisch heißt eine solche Quelle Arschaan; der Begriff bezeichnet ein Wasser, dem eine heilende Wirkung zugeschrieben wird.

QuelleLageWasserGeschichte
ArschanAusgang des Kyngarga-Tals, rund 890 mschwach mineralisiert, kohlensäurehaltig; Bohrungen mit 12–45 °CKurbetrieb seit 1920
Nilowa PustynTal der Iche-Uchgun bei Turan, 885 mThermalwasser mit Radon, nicht zum TrinkenRadon 1923 nachgewiesen, Bohrungen 1956
SchumakNordseite der Tunkinskije Golzy, Tal des SchumakMineralquellenjenseits des Kamms, schon im Rajon Oka
Schemtschug und Chongor-UlaTalboden östlich von KyrenMineralwasserkleinere Kurbetriebe

Die Quelle von Arschan nutzten Bewohner und Besucher aus Irkutsk und Werchneudinsk schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts. 1894 berichtete ein Missionar vor dem Gelehrtenrat der Universität Tomsk von ihr, 1898 erschien die erste wissenschaftliche Beschreibung. Am 16. März 1920 erklärte das Revolutionskomitee von Irkutsk den Ort zum Kurort. Bohrungen von 1931 bis 1933 erreichten bis 112 Meter Tiefe; 1970 traten aus neuen Bohrlöchern heiße Wässer mit 42 bis 45 °C, warme mit 19 bis 23 °C und kalte mit 12 bis 16 °C aus. Nilowa Pustyn verdankt ihren Namen einer Einsiedelei, die ein Irkutsker Erzbischof namens Nil gegründet hatte. Ob und wie die Wässer gesundheitlich wirken, ist Gegenstand der Bäderheilkunde; diese Seite beschreibt nur Lage und Beschaffenheit.

Klarer Gebirgsbach über rötlichen Steinen mit einem einfachen Holzsteg unter Lärchen
Abb. 3Gebirgsbäche aus dem Ostsajan speisen den Irkut. Symbolbild

Welche Orte liegen im Tunka-Tal?

Im Rajon Tunka gibt es 35 Ortschaften, die meisten sind Dörfer und burjatische Ulusse, also Siedlungen mit traditionell burjatischer Bevölkerung. Verwaltungssitz ist Kyren am Südrand des Tunka-Beckens, wo auch die Nationalparkverwaltung sitzt. Kyren übernahm diese Rolle 1923 vom älteren Dorf Tunka. Am Kyren-Fluss stand seit 1806 der Datsan Detschen Darschaling, bis zu seiner Schließung und Zerstörung 1935 das wichtigste buddhistische Kloster im Westen Burjatiens.

OrtLageEinwohnerBemerkung
KyrenMitte des Tals, am Kyrenrund 5.900 (2025)Verwaltungssitz, Nationalparkverwaltung
ArschanNordrand, 893 mrund 2.800 (2025)Kurort, Ort seit den 1890er-Jahren
TunkaMitte des Tals, an der Tunkarund 1.800 (2010)ältester Ort, Ostrog 1676
SchemtschugTalboden, 23 km östlich von Kyrenrund 1.100Gemeinde mit Mineralquellen
ToryOsten des Talsrund 900 (2010)geophysikalisches Observatorium
MondyWestende, nahe der Grenzerund 1.000 (2011)Sajan-Observatorium, Grenzort

Tunka ist der älteste russische Ort des Tals. 1676 errichteten Kosaken unter dem Irkutsker Bojarensohn Iwan Perfiljew an der Mündung der Tunka in den Irkut einen Ostrog, der Irkutsk gegen Einfälle aus der Mongolei schützen sollte. Im 19. Jahrhundert war Tunka Verbannungsort: Hierher kamen die Dekabristen J. K. Ljublinski und W. I. Tolstoi, und zwischen 1866 und 1875 hielten die Behörden im Dorf insgesamt 156 katholische Priester und Mönche fest, die nach dem polnischen Aufstand von 1863 verurteilt worden waren. Arschan wiederum wurde zweimal von Schlammströmen getroffen, 1971 und im Juni 2014; damals wurden nach Starkregen 82 Häuser beschädigt, 21 davon so schwer, dass sie nicht wieder aufgebaut werden konnten.

Das Tal ist auch ein Standort der Sonnen- und Radioastronomie. Das Institut für Solar-terrestrische Physik in Irkutsk betreibt bei Mondy gegenüber dem Munku-Sardyk ein Observatorium, im Gebiet Badary stehen ein radioastrophysikalisches und ein radioastronomisches Observatorium, in Tory eine geophysikalische Station.

Wer lebt im Tunka-Tal?

Mehrheitlich Burjaten. Beim Zensus 2021 zählte der Rajon 20.474 Einwohner, davon 65 Prozent Burjaten und 34 Prozent Russen; 1939 waren beide Gruppen noch etwa gleich stark gewesen. Seit 2010 ist die Bevölkerung um rund ein Zehntel geschrumpft. Unter den burjatischen Stämmen des Tals waren nach Angaben der Parkverwaltung die Chongodoren die wichtigsten. Im benachbarten Rajon Oka nördlich der Golzy leben die Sojoten, ein kleines Volk mit eigener Geschichte. Wer die Burjaten sind und wie sich ihre Kultur westlich und östlich des Sees unterscheidet, beschreibt die Seite über die Burjaten.

Im Tal bestehen Schamanismus, Buddhismus und orthodoxes Christentum nebeneinander. Gläubige verehren Berge, Quellen und Pässe als Sitz von Geistern; nach burjatischer Überlieferung ist der Munku-Sardyk Wohnsitz des Helden Abai Geser und vieler Berggeister, und Burjaten, Mongolen und Sojoten betrachten ihn als heiligen Berg. An Quellen und Pässen hängen Stoffbänder, an vielen Orten stehen Opferplätze. Daneben gibt es buddhistische Tempel und Stupas, in Tunka die Pokrowskaja-Kirche, deren Bau auf das Jahr 1812 zurückgeht.

Wirtschaftlich leben die Dörfer von Viehzucht mit Milch- und Fleischrindern, Pferdezucht, etwas Getreide- und Kartoffelanbau sowie von der Holzwirtschaft. Landwirtschaftliche Flächen machen nur gut 5 Prozent des Rajons aus, Ackerland rund 2,4 Prozent. Eine wachsende Rolle spielt der Erholungsverkehr zu den Kurorten; die Parkverwaltung zählt jährlich über 250.000 Besucher.

Wie ist das Klima im Tunka-Tal?

Streng kontinental, mit großen Temperaturgegensätzen zwischen Tag und Nacht und zwischen den Jahreszeiten. Im Winter liegt das Sibirische Hoch über der Region. Dann sammelt sich die schwere Kaltluft auf den Talböden, und es entstehen Inversionen: Unten ist es kälter als an den Hängen. Das Januarmittel beträgt nach den Wetterstationen in Tunka −26 °C, in Kyren −25 °C und im höher gelegenen Arschan −20 °C; die Tiefstwerte erreichen −52 bis −55 °C. Im Juli liegen die Mittel bei 17 °C in Tunka und Kyren, 16 °C in Arschan und 14,4 °C in Mondy. Am Fuß der Golzy wehen häufig Föhnwinde, die örtlich Chius heißen und die Temperatur um mehr als 10 °C anheben können.

Die Becken liegen im Regenschatten. Auf ihren Böden fallen nur rund 300 bis 400 Millimeter Niederschlag im Jahr, an den westlichen und nördlichen Hängen der Gebirge 800 bis 1.000 Millimeter, und zwar zu 80 bis 95 Prozent in der warmen Jahreszeit. Die Schneedecke ist im Tal dünn, in Mondy nur wenige Zentimeter, in Arschan bis rund 19 Zentimeter. Für die Sonnenscheindauer nennt die Parkverwaltung je nach Angabe rund 2.000 bis 2.500 Stunden im Jahr. In höheren Lagen und auf Moorflächen ist der Boden stellenweise dauerhaft gefroren.

Seit wann steht das Tal unter Schutz?

Seit 1957 gab es im damaligen Aimak Tunka ein Jagdschutzgebiet von 60.000 Hektar, in dem Jagd, Holzeinschlag und das Sammeln von Zirbelnüssen für drei Jahre verboten waren. Am 27. Mai 1991 wurde mit Regierungsbeschluss Nr. 282 der Tunkinski-Nationalpark gegründet. Er umfasst den gesamten Rajon mit seinen Dörfern, nach russischen Angaben als erster Nationalpark Russlands, dessen Grenzen mit denen eines ganzen Verwaltungsbezirks übereinstimmen. Mit 1.183.662 Hektar ist er einer der größten Nationalparks des Landes; ein Teil seiner Fläche gehört zum UNESCO-Welterbe Baikalsee. Für den Aufenthalt im Park verlangt die Verwaltung von Besuchern, die nicht dort wohnen, eine Genehmigung.

Häufige Fragen zum Tunka-Tal

Wie weit ist das Tunka-Tal vom Baikalsee entfernt?

Das Tal beginnt nur wenige Kilometer westlich von Kultuk am Südwestende des Sees. Kyren liegt rund 119 Kilometer Straßenweg von Kultuk entfernt, Arschan rund 210 Kilometer von Irkutsk. Aus dem Tal weht im Winter der Kultuk-Wind auf den See hinaus.

Was bedeutet der Name Arschan?

Arschaan ist das burjatische Wort für eine Quelle, deren Wasser als heilend gilt. Deshalb tragen viele Orte und Quellen in Burjatien und der Mongolei diesen Namen. Der Kurort im Tunka-Tal ist der bekannteste von ihnen und hieß früher Podgolez.

Gibt es im Tunka-Tal aktive Vulkane?

Nein. Ausbrüche in historischer Zeit sind nicht bekannt, die Schlackenkegel im Talboden wie der Churai-Chobok gelten als erloschen. Sie zeigen aber, dass in der Riftzone in geologisch junger Zeit Lava aufgestiegen ist. Heute sind die heißen Quellen und die häufigen Erdbeben die sichtbaren Zeichen der aktiven Erdkruste.

Wer verwaltet das Tal?

Politisch die Verwaltung des Rajons Tunka mit Sitz in Kyren, die zur Republik Burjatien gehört. Weil der ganze Rajon zugleich Nationalpark ist, ist die Parkverwaltung, die dem russischen Umweltministerium untersteht, an Fragen der Landnutzung, des Holzeinschlags, der Jagd und des Tourismus beteiligt.

Warum ist der Munku-Sardyk wichtig?

Er ist mit 3.491 Metern der höchste Gipfel des Sajangebirges und trägt kleine Gletscher. Sein burjatischer Name bedeutet etwa „ewiger Golez“. Für Burjaten, Mongolen und Sojoten ist er ein heiliger Berg, für den nach der Überlieferung eigene Verhaltensregeln gelten.

Quellen: Nationalpark Tunkinski: Allgemeine Informationen (Gründung, Fläche, Kennzahlen); Nationalpark Tunkinski: Physisch-geografische Beschreibung (Becken, Vulkane, Quellen, Klima); Nationalpark Tunkinski: Geschichte der Gründung; Wikipedia (russisch): Тункинская котловина, Тункинский район, Кырен, Аршан (Бурятия), Аршан (курорт), Нилова Пустынь (курорт), Тунка (село), Тункинские Гольцы, Мунку-Сардык, Иркут, Байкал. Stand: Oktober 2026.

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