Die Frolicha-Bucht liegt am Nordostufer des Baikalsees in Burjatien, rund 40 Kilometer südlich von Nischneangarsk. Hinter ihr liegt in den Bergen der Frolicha-See, ein Gletschersee von 16,5 Quadratkilometern und bis 80 Metern Tiefe, in dem ein seltener Saibling lebt. Bucht, See und Küste gehören zum Schutzgebiet Frolicha.
Wo liegen Frolicha-Bucht und Frolicha-See?
Am Nordostufer des Baikalsees, im nördlichen Ausläufer der Bargusin-Kette. Das Schutzgebiet Frolicha beginnt nach Angaben seiner Verwaltung rund 40 Kilometer von Nischneangarsk und 45 Kilometer von Sewerobaikalsk entfernt. Es reicht vom Kap Nemnjanka im Norden bis zur Mündung der Schirilda im Süden und vom Ufer bis auf die Kämme, also von 455 bis rund 2.840 Meter Höhe. Nur das Gelände der Badeanstalt Chakusy an der gleichnamigen Bucht ist ausgenommen. Wie sich das Gebiet in den Norden des Sees mit Sewerobaikalsk und der Baikal-Amur-Magistrale einfügt, beschreibt die Seite über den Norden des Baikalsees.
Zwei Buchten schneiden hier tief in die Küste. Die Frolicha-Bucht liegt zwischen den Kaps Nemnjanka und Frolowa. In sie mündet nördlich des Kaps Frolowa der Fluss Frolicha und bildet vor seiner Mündung eine flache, durch eine Sandnehrung abgeschlossene Lagune. Weiter südlich greift die Ajaja-Bucht zwischen den Kaps Lakanda und Tukalakan bis zu 5 Kilometer in das Ufer. Ihr Name kommt nach dem Ortsnamenforscher Matwei Melchejew aus dem Ewenkischen und bedeutet „gut“ oder „schön“.
Der See liegt landeinwärts in einer Mulde zwischen den Bergen, rund 8 Kilometer östlich der Ajaja-Bucht und rund 15 Kilometer von der Frolicha-Bucht entfernt. Sein Spiegel liegt nach Angaben der Verwaltung auf 525 Metern, nach der topografischen Karte auf 529 Metern, und damit nur rund 70 Meter höher als der Baikal.

Wie ist der Frolicha-See entstanden und wie ist er gebaut?
Er ist ein Gletschersee, der nach der Fachliteratur in der Mitte des Quartärs entstand. Nach der Darstellung von Fachleuten der Staatlichen Universität Irkutsk liegt er in einer Mulde, in der zwei tief eingeschnittene Trogtäler aufeinandertreffen. Ein Gletscher hat diese Mulde weiter ausgeschürft, und mehrere Endmoränenwälle haben sie zum Baikal hin abgeriegelt. Daraus ergibt sich die Hufeisenform: Ein Arm von 4,5 Kilometern weist nach Nordosten, ein zweiter von 6 Kilometern nach Südosten, beide sind auf ganzer Länge etwa 1,3 Kilometer breit.
Der Grund ist entsprechend gegliedert. Im nordöstlichen Arm erreicht der See bis 75 Meter, in der Mitte bis 60 Meter und im südöstlichen Arm bis 80 Meter Tiefe. Flach sind nur die Bucht Okunewy im Westen, in der zwei bewaldete Inseln liegen, die schmale Bucht Chobot und die Mündungsgebiete der Zuflüsse. Die Ufer bilden steile Hänge mit Nadelwald und Blockhalden; über dem Ostufer erhebt sich der Golez Medweschi, ein kahler Berggipfel von 1.877 Metern.
| Merkmal | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Fläche | 16,54 km² | Schutzgebietsverwaltung |
| Größte Tiefe | 80 m | Schutzgebietsverwaltung |
| Länge / Uferlinie | rund 9 km / 35–40 km | Reiseführer Wolkow 2009, nach ru-Wikipedia |
| Einzugsgebiet | 587 km² | ru-Wikipedia |
| Zuflüsse | Lewaja Frolicha (rund 30 km), Dawatschanda, Prawaja Frolicha | Schutzgebietsverwaltung |
| Sichttiefe | rund 10 m Anfang Juli, bis 17 m im August | Koschow 1950, Matwejew u. a. 2019 |
| Eisdecke | Ende Oktober oder Anfang November bis Ende Mai | Matwejew u. a. 2019 |
Das Wasser ist weich und sehr gering mineralisiert. Im Sommer erwärmt sich nur eine dünne Oberflächenschicht: Anfang Juli 1998 maßen Forscher in der Bucht Okunewy 14 bis 16 °C, in der Seemitte rund 12 °C an der Oberfläche und unterhalb von 25 Metern nur 4 °C. Ab rund 10 Metern Tiefe ist das Wasser im Spätsommer kälter als der Baikal in derselben Tiefe. Der Fluss Frolicha verlässt den See am Westende, durchfließt den kleinen See Istotschnoje und stürzt dann über Stromschnellen zum Baikal hinab.
Welcher Saibling lebt im Frolicha-See?
Ein Arktischer Saibling (Salvelinus alpinus), den die Ewenken Dawatschan nennen, „roter Fisch“. Nach diesem Fisch heißt der See auf Ewenkisch Dawatschan. Die Schutzgebietsverwaltung bezeichnet ihn als arktischen Saibling, der im Roten Buch Russlands steht. In der Fachliteratur wird er zum Formenkreis Salvelinus alpinus complex gezählt, einer Gruppe von Saiblingen, die in vielen kalten Seen Sibiriens eigene, oft isolierte Bestände bilden; manche Autoren führen die Saiblinge der Region als eigene Unterart.
Der Fisch hat dem See wohl auch den russischen Namen gegeben. Melchejew vermutete, dass Siedler den roten Saibling für eine Forelle hielten, und leitete den Namen über „Forelicha“ zu „Frolicha“ ab. Eine Legende erzählt dagegen von der Witwe eines Siedlers namens Frol, die nach seinem Tod allein am Ufer weiterlebte und „Frolicha“ genannt wurde. Nachrichten über den Saibling reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Lange war er der einzige bekannte Bestand des Arktischen Saiblings im Einzugsgebiet des Baikal; erst 2006 beschrieben Ichthyologen einen zweiten, den sie zugleich als höchstgelegenen Bestand Russlands einordneten.
Neben dem Saibling leben im See nach einer Bestandsaufnahme von 2020 elf weitere Fischarten, darunter Plötze, Elritze, Hecht, Lenok, Schwarze Baikal-Äsche (Thymallus baicalensis), Quappe, zwei Groppenarten und Barsch. Untersucht wurde der See 1924 von dem Biologen Witali Dorogostaiski, 1937 bei einer Expedition der Universität Irkutsk unter dem Biogeografen Michail Koschow, in den 1970er-Jahren von Ichthyologen der Moskauer Universität und zuletzt 1989, 1998 und 2009. Das Plankton erwies sich 1937 als so arm, dass der Bearbeiter auf eine Zählung verzichtete; 2009 lagen Artenzahl und Algenmenge deutlich höher. Am Grund fanden die Forscher 146 Taxa wirbelloser Tiere, vor allem Zuckmücken- und Köcherfliegenlarven.
Was macht die Buchten Frolicha und Ajaja besonders?
Am Grund der Frolicha-Bucht tritt eine Unterwasserquelle mit 16 °C warmem, methanhaltigem Wasser aus. Nach Angaben der Schutzgebietsverwaltung lebt dort eine Gemeinschaft, deren Nahrungskette auf Bakterien beruht, die organische Stoffe aus dem Kohlenstoff von Methan aufbauen. Ein solches Ökosystem wurde hier zum ersten Mal in einem Süßwassersee beschrieben. Das Methan ist nach diesen Angaben 7.000 bis 10.000 Jahre alt. Um die Quelle sammeln sich Schwämme, Strudelwürmer, Flohkrebse und Zuckmückenlarven in ungewöhnlicher Dichte, darunter Arten, die anderswo im Baikal selten sind oder neu beschrieben wurden.
Auf den Steinen vor den Kaps Nemnjanda, Frolowa, Lakanda und Schandaki liegen im Sommer Baikalrobben. Die Verwaltung nennt diese Plätze die nördlichsten Liegeplätze der Art im See. In der Ajaja-Bucht zählten Beobachter im September 1967 bis zu 600 Tiere, am 15. Juni 2021 bis zu 150. Nach einer Untersuchung von 2023 nutzen die Robben die Bucht inzwischen nur noch kurz im Juni, solange Eis treibt, und meiden sie im Juli und August, wenn dort viele Menschen sind.
Auch die Vorgeschichte hat Spuren hinterlassen. Am Kap Schirrokan im Norden der Ajaja-Bucht entdeckte der Archäologe W. W. Swinin 1965 einen Lagerplatz aus der Jungsteinzeit, dessen Funde im Irkutsker Heimatmuseum liegen. Und an einem Südhang nahe dem Pfad von der Ajaja-Bucht zum See beschreibt die Verwaltung einen Tannenbestand mit Hochstauden und Farnen, wie er sonst erst in der südlichen Taiga wächst. Wer den Weg dorthin mit Länge, Dauer und Zugang sucht, findet ihn auf der Seite über die Uferwege am Baikalsee.
Wie ist das Gebiet geschützt und erreichbar?
Als föderales Schutzgebiet unter dem russischen Umweltministerium. Die Verwaltung Sapowednoje Podlemorje, die auch das Bargusin-Reservat und den Sabaikalski-Nationalpark betreut, gibt das Gründungsjahr mit 1976 an; nach anderen Darstellungen wurde das örtliche Schutzgebiet von 1976 im Jahr 1987 zu einem Zoologischen Schutzgebiet der Republik aufgewertet. Der See selbst ist seit 1981 außerdem regionales Naturdenkmal. Das Gebiet gehört zur zentralen ökologischen Zone des Baikal und zur Welterbestätte. Rund 91.900 Hektar sind bewaldet, vor allem mit Dahurischer Lärche, Kiefer und Tanne; darüber folgen Gebüsche der Zwerg-Zirbelkiefer und Flechtenheiden.
In der Taiga leben Elch, Rothirsch, Moschustier, wildes Rentier, Zobel, Vielfraß, Wolf und Braunbär; am Ufer brüten Seeadler und Fischadler. Bären sind an den Ufern des Nordens im Frühsommer häufig zu sehen. Warum sie dann zum Wasser kommen und wie man sich bei einer Begegnung verhält, erklärt die Seite über die Braunbären am Baikalsee.
Eine Straße führt nicht in das Gebiet. Erreichbar ist es über das Wasser von Nischneangarsk oder Sewerobaikalsk aus, im Winter über das Eis, oder zu Fuß auf dem Küstenweg von der Oberen Angara nach Süden, der auf der Seite über das Wandern am Baikalsee eingeordnet ist. Die Verwaltung verlangt eine Registrierung an ihren Posten in der Ajaja- oder der Frolicha-Bucht. Weiter südlich liegen die heißen Quellen von Chakusy mit 42 bis 46 °C, deren Gelände vom Schutzgebiet ausgenommen ist. Für Reisen nach Russland gilt eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts (Stand 21.10.2026).
Häufige Fragen zur Frolicha-Bucht und zum Frolicha-See
Wie tief ist der Frolicha-See?
Bis 80 Meter. Die größte Tiefe liegt im südöstlichen Arm des Sees, im nordöstlichen Arm sind es bis 75 Meter. Flach sind nur die Bucht Okunewy und die Mündungen der Zuflüsse.
Darf man im Frolicha-See angeln?
Nein. Im Schutzgebiet Frolicha ist das Angeln in allen Gewässern verboten. Der Saibling des Sees steht im Roten Buch Russlands.
Wann ist der Frolicha-See zugefroren?
Etwa von Ende Oktober oder Anfang November bis Ende Mai. Das Eis wird bis zu anderthalb Meter dick. Der Baikal vor der Küste bricht im Norden ebenfalls erst im Mai oder Juni auf.
Gibt es an der Frolicha-Bucht warme Quellen?
Ja, unter Wasser: Am Grund der Bucht tritt eine methanhaltige Quelle mit rund 16 °C aus. Heiße Quellen zum Baden liegen weiter südlich in Chakusy.
Was ist die Ajaja-Bucht?
Die Nachbarbucht südlich der Frolicha-Bucht. Sie greift bis zu 5 Kilometer in die Küste, und von ihrem Ufer führt ein Pfad von rund 8 Kilometern zum Frolicha-See. Früher lagen hier im Sommer viele Baikalrobben.
Quellen: Sapowednoje Podlemorje: Schutzgebiet Frolicha (Lage, Fläche, See, Saibling, Buchten, Methanquelle, Robben); Matwejew, Samussjonok u. a. (2019): Biodiversität und Struktur der Biota des Frolicha-Sees, Iswestija der Staatlichen Universität Irkutsk, Reihe Biologie, Ökologie 30; Matwejew, Samussjonok u. a. (2020): Biologie der Fische des Frolicha-Sees, ebd. 32; Auswärtiges Amt: Russische Föderation, Reise- und Sicherheitshinweise; ergänzend Wikipedia (russisch): Frolicha (See), Frolichinski sakasnik, Ajaja (Bucht), Frolicha (Fluss), Chakusy. Stand: Oktober 2026.
