Blatt Baikal · 51°28′–55°47′ N · 103°43′–109°58′ OWissens- und Reiseportal · Stand Oktober 2026

Forschungsblatt · Orte & Olchon

Bargusin-Tal: Steppe und Bergkette im Osten

Eine Steppeninsel zwischen Bargusin- und Ikat-Kette in Burjatien

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Orte & Olchon
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Sehr breites, flaches Flusstal mit Wiesen, Flussarmen und vereinzelten Höfen vor einer zackigen Bergkette
Abb. 1Das breite Tal zwischen zwei Gebirgsketten. Symbolbild
Kurz gesagt

Das Bargusin-Tal ist eine über 200 Kilometer lange und bis 35 Kilometer breite Senke in Burjatien, die zwischen der Bargusin-Kette am Baikalufer und der Ikat-Kette liegt. Durch sie fließt der Bargusin zum See. Inmitten der Bergtaiga bildet ihr Boden eine Insel aus Steppe und Waldsteppe mit Dörfern, Weiden und Mineralquellen.

Wo liegt das Bargusin-Tal und wie groß ist es?

Das Tal liegt im Nordosten Burjatiens, unmittelbar hinter der Gebirgsmauer, die das mittlere Ostufer des Baikalsees bildet. Nach der Großen Sowjetischen Enzyklopädie erstreckt sich die Bargusin-Senke von Südwest nach Nordost über mehr als 200 Kilometer und wird bis 35 Kilometer breit. Ihr Boden liegt je nach Abschnitt auf rund 470 bis 700 Metern Höhe, die Gebirge an beiden Rändern steigen auf 2.000 bis 2.700 Meter an. Wie die Republik insgesamt gegliedert ist und welche Uferabschnitte zu ihr gehören, beschreibt die Seite über die Republik Burjatien am Ostufer.

Im Westen trennt die Bargusin-Kette das Tal vom See. Sie zieht sich rund 280 Kilometer vom Unterlauf des Bargusin bis zur Senke der Oberen Angara und erreicht im Pik Baikal 2.841 Meter; ihre Westhänge zum See hin schützt seit 1916 das Bargusin-Reservat, das älteste Schutzgebiet Russlands. Im Osten begrenzt die Ikat-Kette das Tal. Sie ist rund 320 Kilometer lang, besteht vor allem aus Granit und metamorphen Schiefern und hat breite, flache Kämme mit Höhen um 1.800 bis 2.000 Metern; der höchste Gipfel misst 2.573 Meter.

Der Bargusin entspringt am Zusammentreffen der Ikat-Kette mit der Süd-Muja-Kette in gut 2.000 Metern Höhe. Er durchfließt zuerst die Amut-Senke mit dem See Balan-Tamur, dann eine enge Schlucht mit Stromschnellen, und tritt erst danach in das breite Tal ein. Bis zum Dorf Bargusin fließt er dort ruhig und in vielen Armen, dann durchbricht er einen Ausläufer der Bargusin-Kette und mündet nach 480 Kilometern bei Ust-Bargusin in die Bargusin-Bucht. Im Mittel führt er dort rund 130 Kubikmeter Wasser pro Sekunde und zählt damit zu den großen Zuflüssen des Baikal. Der Name des Flusses und des Tals geht nach dem Toponymiker Jewgeni Pospelow auf das Volk der Barguten zurück.

Wie sieht die Landschaft zwischen Steppe und Taiga aus?

Der Talboden ist eine Steppeninsel im Norden Transbaikaliens. Die Große Sowjetische Enzyklopädie nennt die Senke eine nördliche „Insel“ aus Steppen- und Waldsteppenlandschaften inmitten der Bergtaiga. In der Mitte liegt eine bis 15 Kilometer breite, sumpfige Auenebene mit Wiesen und Altwassern. Am rechten Ufer steigt eine geneigte Ebene an, die aus den Schwemmfächern der Bergbäche entstanden ist und Waldsteppe und Kiefernwälder trägt. Am linken Ufer ist das Gelände ebener; dort wechseln kurzrasige Grassteppen mit Kiefernwäldern, im Nordosten mit Lärchen-Kiefern-Wald. Stellenweise liegen Flugsandfelder mit Dünen und Ausblasungsmulden.

Verwitterte, gerundete Granitfelsen in einer trockenen Steppe vor einer fernen Bergkette
Abb. 2Verwitterte Granitfelsen in der Steppe. Stimmungsbild, Symbolbild

Auffällig sind die Felsen, die aus der Ebene ragen. Am Nordostrand des Dorfes Suwo, 46 Kilometer östlich von Bargusin, steht über der Aue des Flusses Suwo eine Gruppe verwitterter Felstürme, die als geologisches Naturdenkmal geschützt ist und den Beinamen „Suwinskaja Saksonija“ trägt, nach der Ähnlichkeit mit dem Elbsandsteingebirge; örtlich heißt sie auch Suwo-Burg. Weiter nördlich liegt der sogenannte Steingarten von Ina, ein rund 10 Quadratkilometer großes Feld, auf dem Granitblöcke von bis zu 4 Metern Durchmesser aus dem Boden ragen. Im Rajon Kurumkan verehren Gläubige einzelne Felsen wie den Cheer-Schoschogo, eine Felsgruppe am Fuß der Ikat-Kette, als heilige Orte; an seiner Ostseite wurde eine mit roter Ocker gemalte Felszeichnung gefunden, die in die späte Jungsteinzeit oder die Bronzezeit datiert wird.

Wo die Bäche aus den Gebirgen ins Tal treten, steigt an Bruchzonen warmes und heißes Wasser auf. Im Rajon Kurumkan sind nach Angaben des Rajons rund 50 Mineralquellen erfasst, darunter heiße Natrium-Sulfat-Hydrogenkarbonat-Wässer, schwefelwasserstoffhaltige und radonhaltige Quellen. Bekannt sind die Quellen am Ausgang des Alla-Tals, 8 Kilometer westlich des Dorfes Alla, und die Thermen bei Kutscheger am Fuß der Bargusin-Kette, an denen auch Heilschlamm vorkommt. Die Wässer werden in kleinen Kurbetrieben genutzt; diese Seite beschreibt nur Lage und Beschaffenheit, nicht ihre Wirkung.

Welche Orte liegen im Bargusin-Tal?

Das Tal gehört zu zwei Rajonen: Den unteren Teil mit dem Mündungsgebiet verwaltet der Rajon Bargusin, den mittleren und oberen der Rajon Kurumkan, der 1944 abgetrennt, 1959 wieder aufgelöst und 1970 erneut gebildet wurde. Die Siedlungen reihen sich am Fluss und an der Fernstraße R438, dem Bargusin-Trakt, der das Tal mit Ulan-Ude verbindet.

OrtLageEinwohnerBemerkung
Ust-BargusinMündung in die Bargusin-Buchtrund 6.100 (Schätzung 2025)Sitz der Schutzgebietsverwaltung Sapowednoje Podlemorje
BargusinSüdwestecke des Tals, rechtes Ufer4.850 (Zensus 2021)Sitz des Rajons Bargusin, Ostrog 1648, bis 1927 Stadt
Suwo46 km östlich von Bargusinkeine geprüfte AngabeFelstürme, seismische Station
KurumkanMitte des Tals, rechtes Ufer5.581 (Zensus 2021)Sitz des Rajons Kurumkan, 411 km von Ulan-Ude
Alla55 km nordöstlich von Kurumkankeine geprüfte AngabeThermalquellen am Ausgang des Alla-Tals

Bargusin liegt dort, wo der Fluss das Tal nach Süden verlässt, rund 315 Kilometer Straßenweg von Ulan-Ude, 50 Kilometer von Ust-Bargusin und 97 Kilometer von Kurumkan. Flussabwärts bis zum See sind es rund 55 Kilometer. Kurumkan liegt in der Mitte des Tals und wird von der Bargusin-Kette gegen die Winde vom See abgeschirmt. Die Dörfer am Unterlauf lebten früher vom Fischfang, die Dörfer weiter oben im Tal von der Landwirtschaft; die Bewohner unterschieden danach „Nisowskije“ und „Werchowskije“, die Unteren und die Oberen.

Wie verlief die Geschichte seit dem Ostrog von 1648?

Im Frühsommer 1648 errichteten Jenisseisker Kosaken unter dem Ataman Iwan Galkin am südlichen Taleingang einen Ostrog, eine befestigte Holzsiedlung, mit einer Besatzung von rund 70 Mann. Er diente für einige Jahre als Stützpunkt für Vorstöße nach Transbaikalien: 1665 gründeten Kosaken aus Bargusin den Ostrog Selenginsk, und ab 1672 lief über Bargusin die Getreideversorgung des fernen Nertschinsk. Als ein kürzerer Weg über das heutige Ulan-Ude entstand, verlor der Ort diese Rolle; 1734 brannten die Befestigungen ab und wurden nicht wieder aufgebaut.

JahrEreignis
1648Ostrog Bargusin durch Kosaken unter Iwan Galkin
1665Kosaken aus Bargusin gründen den Ostrog Selenginsk
1734Brand, die Befestigungen werden aufgegeben
1783Bargusin wird Kreisstadt, 1790 Stadtwappen
1831–1840Die Dekabristen Michail und Wilhelm Küchelbecker in Bargusin
1878–1881Verbannte Narodniki, darunter Jekaterina Breschko-Breschkowskaja
1927Bargusin verliert den Stadtstatus
1928erste Dampferfahrt auf dem Bargusin

1783 wurde Bargusin Kreisstadt, 1790 erhielt es ein Wappen mit einem Flughörnchen, das einen Zirbelzapfen hält. Die steinerne Erlöserkirche wurde 1834 mit dem Geld eines Kaufmanns errichtet. Im 19. Jahrhundert war der abgelegene Ort ein Verbannungsort. Ab 1831 lebte hier der Dekabrist Michail Küchelbecker, der eine Schule, ein kostenloses Krankenhaus und eine Apotheke einrichtete und in Bargusin begraben ist; sein Bruder Wilhelm verbrachte hier die Jahre 1836 bis 1840. Später folgten weitere politische Verbannte, von 1878 bis 1881 etwa die Narodniki Nikolai Tjuttschew, Iwan Linjow und Jekaterina Breschko-Breschkowskaja, deren Fluchtversuch 1881 scheiterte. Was die Dekabristen in Sibirien bewirkten, erklärt die Seite über die Dekabristen in Irkutsk und Transbaikalien.

Ende des 19. Jahrhunderts stellten Russen den größten Teil der Stadtbevölkerung, an zweiter Stelle stand mit fast einem Drittel eine jüdische Gemeinde, die nach einer Studie der Geografin L. S. Zydypowa mehr als 88 Prozent der Kaufmannschaft stellte. Aus ihr stammt der 1873 in Bargusin geborene Chemiker Moissei Nowomeiski, der später die Mineralgewinnung am Toten Meer aufbaute. 1927 wurde Bargusin zum Dorf herabgestuft.

Wer lebt im Bargusin-Tal?

Burjaten, Russen und eine kleine ewenkische Gemeinschaft. Zydypowa nennt als Bevölkerungsschichten in zeitlicher Folge Ewenken, Burjaten, Russen und Tataren. Die Bargusin-Burjaten stammen nach den Stammesüberlieferungen aus dem oberen Lena- und Kuda-Tal westlich des Baikal und gehören mehrheitlich zum großen Stamm der Echiriten; ihre Mundart zählt zu den westburjatischen Dialekten. Im Rajon Kurumkan bilden sie nach den veröffentlichten Zahlen rund zwei Drittel der Einwohner, Russen knapp ein Drittel, Ewenken gut 2 Prozent. Im Rajon Bargusin mit dem russisch geprägten Unterlauf waren es beim Zensus 2021 von 20.120 Einwohnern rund 76 Prozent Russen und 22 Prozent Burjaten.

Die Ewenken, ein tungusischsprachiges Volk der Taiga, sind in zwei Landgemeinden des Rajons Kurumkan vertreten, die den Zusatz „ewenkisch“ im Namen tragen. Ein Teil der burjatischen Familien zog nach Zydypowa im frühen 20. Jahrhundert in die Innere Mongolei; ihre Nachkommen nennen sich dort Barga-Burjaten und sprechen eine Mundart, die der des Tals ähnelt. Im Tal stehen buddhistische Klöster, Datsane genannt, darunter der Bargusin-Datsan bei Kurumkan; bei Jarikto verehren Gläubige einen Felsen, auf dem sie das Bild der Göttin Janschima erkennen. Wer die Burjaten sind und wie sich ihre Gruppen unterscheiden, beschreibt die Seite über die Burjaten am Baikalsee.

Wie ist das Klima und wovon leben die Menschen?

Streng kontinental und trocken. In Bargusin liegt das Januarmittel bei −27,7 °C, das Julimittel bei 18,3 °C, das Jahresmittel unter null; gemessen wurden Extremwerte von −50,2 °C und 36,8 °C. Der Winter dauert mehr als sechs Monate und ist meist klar, windstill und schneearm. Im Jahr fallen nur rund 330 Millimeter Niederschlag, vor allem im Juli und August, während Mai und Juni oft unter Dürre leiden. Im Dscherginski-Reservat am Oberlauf dauert die frostfreie Zeit im Mittel nur 83 Tage.

Die Steppenflächen des Talbodens sind nach der Großen Sowjetischen Enzyklopädie zum großen Teil umgepflügt, die Waldsteppe an den Hängen dient als Weide. Bewässert wird mit Wasser aus dem Bargusin; Reste älterer Bewässerungsanlagen werden den Barguten zugeschrieben. Im Rajon Kurumkan ist die Viehzucht mit Rindern, Schafen und Schweinen der wichtigste Erwerb, der Ackerbau leidet häufig unter Trockenheit. Hinzu kommen Holzeinschlag und -verarbeitung und die Kurbetriebe an den Quellen.

Erreichbar ist das Tal auf der Straße von Ulan-Ude; regelmäßige Flüge nach Bargusin und Kurumkan gab es nur zeitweise, sie wurden 2015 eingestellt. Für Reisen nach Russland gilt eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts (Stand 21.10.2026).

Häufige Fragen zum Bargusin-Tal

Wie weit ist das Bargusin-Tal vom Baikalsee entfernt?

Nur wenige Dutzend Kilometer, aber durch ein Hochgebirge getrennt. Von Bargusin sind es den Fluss hinab rund 55 Kilometer bis zur Mündung bei Ust-Bargusin, Kurumkan liegt rund 53 Kilometer östlich des Ufers. Dazwischen erhebt sich die Bargusin-Kette mit Gipfeln über 2.800 Metern.

Was bedeutet der Name Bargusin?

Der Name wird auf die Barguten zurückgeführt, ein mongolisches Volk, das früher in der Region lebte. Er ist im ganzen Gebiet verbreitet: Fluss, Tal, Gebirge, Bucht, Dorf, Reservat und der Wind Bargusin tragen ihn.

Gibt es im Bargusin-Tal heiße Quellen?

Ja, vor allem im Rajon Kurumkan, wo rund 50 Mineralquellen erfasst sind. Bekannt sind die Quellen am Ausgang des Alla-Tals und bei Kutscheger. Ihr Wasser steigt an den Bruchzonen am Fuß der Bargusin-Kette auf.

Wann wurde Bargusin gegründet?

1648, als Kosaken unter Iwan Galkin dort einen Ostrog anlegten. Bargusin ist damit einer der ältesten russischen Orte östlich des Baikal. Von 1783 bis 1927 hatte es den Status einer Stadt, heute ist es ein Dorf und Sitz des Rajons Bargusin.

Gehört das Bargusin-Tal zum Bargusin-Reservat?

Nein. Das Reservat liegt auf der Westseite der Bargusin-Kette zum See hin, das Tal auf der Ostseite. Im Tal selbst ist nur der Oberlauf des Flusses geschützt, im Dscherginski-Reservat, das 1992 gegründet wurde.

Quellen: Große Sowjetische Enzyklopädie: Bargusinskaja kotlowina (Bargusin-Senke); L. S. Zydypowa (2014): Sozialdemografische Charakteristik des Bargusin-Tals im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts, Iswestija der Staatlichen Universität Irkutsk, Reihe Geowissenschaften 9; Auswärtiges Amt: Russische Föderation, Reise- und Sicherheitshinweise; ergänzend Wikipedia (russisch): Bargusinskaja kotlowina, Bargusin (Fluss), Bargusin (Dorf), Kurumkan, Suwo, Bargusinski rajon, Kurumkanski rajon, Ikatski chrebet, Bargusinski chrebet, Bargusinskije burjaty, Dscherginski sapowednik. Stand: Oktober 2026.

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