Der Sabaikalski-Nationalpark am Ostufer des Baikalsees wurde am 12. September 1986 gegründet und umfasst rund 269.000 Hektar, davon rund 36.400 Hektar Wasserfläche. Zu ihm gehören die Halbinsel Swjatoi Nos, die Tschiwyrkui-Bucht, der Südteil des Bargusingebirges und die Uschkani-Inseln mit dem größten Liegeplatz der Baikalrobben.
Was gehört zum Sabaikalski-Nationalpark?
Der Park umfasst vier große Landschaftseinheiten am mittleren Ostufer: die Halbinsel Swjatoi Nos, die flache Tschiwyrkui-Landenge, die sie mit dem Festland verbindet, den südlichen Teil des Bargusingebirges und die Uschkani-Inseln draußen im See. Hinzu kommen Teile der beiden Buchten beiderseits der Landenge, der Tschiwyrkui-Bucht im Norden und der Bargusin-Bucht im Süden. Die Landgrenze folgt der Wasserscheide zum Tal des Flusses Bargusin, der selbst außerhalb des Parks liegt.
Zwei Bergzüge laufen von Nordosten nach Südwesten durch das Gebiet. Das Bargusingebirge senkt sich vom Bargusin-Reservat im Norden zum Bormaschowoje-See im Süden ab und erreicht im Park 2.376 Meter. Der Mittelrücken von Swjatoi Nos steigt in der Mitte der Halbinsel bis 1.877 Meter an; andere Quellen nennen etwas abweichende Werte bis rund 1.898 Meter. Von seiner Hochfläche reicht der Blick über die Landenge, beide Buchten und bis zu den Uschkani-Inseln. Gestalt, Entstehung und Namen der Halbinsel beschreibt die Seite Halbinsel Swjatoi Nos.
Die Landenge ist aus Sand aufgeschwemmt, den die Flüsse Bargusin und Maly Tschiwyrkui herantrugen, und hebt sich kaum über den Wasserspiegel. Auf ihr liegt der Arangatui, mit 54,2 Quadratkilometern und höchstens 5 Metern Tiefe der größte See des Parks; ein Wasserlauf namens Istok verbindet ihn mit der Tschiwyrkui-Bucht. Nahe Ust-Bargusin folgen die leicht salzigen Bormaschowoje-Seen, deren Schlamm seit Langem zu Heilzwecken genutzt wird. Insgesamt zählt der Park mehr als zwei Dutzend Bergseen.
Die Uschkani-Inseln liegen im mittleren Becken nordwestlich von Swjatoi Nos; die nächste von ihnen, Dolgi, ist rund acht Kilometer von der Halbinsel entfernt. Der Archipel besteht aus der Großen Uschkani-Insel und den drei kleinen Inseln Tonki, Krugly und Dolgi; sie sind die Gipfel des unter Wasser verlaufenden Akademikerrückens, der das Mittel- vom Nordbecken trennt. Mehr über die Inseln steht auf der Seite Uschkani-Inseln.

Wie hängen Nationalpark und Bargusin-Reservat zusammen?
Beide Gebiete grenzen aneinander und werden seit 2012 von einer gemeinsamen Behörde geführt. Das Bargusin-Reservat schließt nördlich an den Park an und ist das älteste Naturreservat Russlands, 1916 zum Schutz des Zobels gegründet. Der Nationalpark entstand siebzig Jahre später; er schützt die Landschaften südlich davon und soll zugleich Erholung, Bildungstourismus und Angeln in geregeltem Rahmen ermöglichen.
Die gemeinsame Direktion Sapowednoje Podlemorje wurde am 18. Mai 2012 auf Anordnung des russischen Umweltministeriums gegründet. Ihr offizieller Name lautet „Vereinigte Direktion des Bargusin-Biosphärenreservats und des Sabaikalski-Nationalparks“; sie verwaltet außerdem den Sakasnik Frolicha weiter im Norden. Der Sitz mit Verwaltung und Labor liegt in Ust-Bargusin an der Mündung des Bargusin, weitere Standorte sind Kurbulik, Nischneangarsk und Ulan-Ude. Nach eigenen Angaben arbeiten rund 140 Menschen für die Direktion. Einen Überblick über alle Schutzgebiete am See gibt die Seite Schutzgebiete am Baikalsee.
Anders als das Reservat ist der Nationalpark bewohnt. In seinen Grenzen liegen die Siedlungen Kurbulik und Katun an der Tschiwyrkui-Bucht mit zusammen rund 140 Einwohnern. Das gesamte Land des Parks gehört nach Angaben der Verwaltung dem Nationalpark selbst.
Welche Tiere leben im Nationalpark?
Im Park sind 303 Arten von Landwirbeltieren nachgewiesen: 48 Säugetiere, 249 Vögel, je 3 Reptilien und Amphibien. Typische Bewohner der Taiga sind Braunbär, Wolf, Fuchs, Luchs, Zobel, Fischotter, Vielfraß, Elch, Moschustier, Eichhörnchen, Streifenhörnchen und Schneehase. Wann und warum Bären an die Ufer kommen, beschreibt die Seite Braunbären am Baikalsee. Auf den Hochlagen des Bargusingebirges lebt eine Kolonie des Schwarzkappenmurmeltiers, das in Russland im Roten Buch steht.
Am bekanntesten sind die Baikalrobben der Uschkani-Inseln. Nach Angaben der Verwaltung ist dies der größte Liegeplatz am ganzen See: Im Sommer sammeln sich auf den Steinen rund um die Inseln Hunderte Robben, in manchen Jahren bis zu 3.000. Ein Projekt des Baikal-Museums überträgt Bilder von den Liegeplätzen live ins Internet.
Unter den Vögeln stehen 19 Arten im Roten Buch Russlands, darunter Seeadler, Fischadler, Uhu, Schwarzstorch und Mönchskranich. Der Kormoran, der in den 1960er-Jahren vom Baikal verschwunden war (die Ursachen sind umstritten), brütet heute wieder im Park, etwa auf den Felsinseln der Tschiwyrkui-Bucht, wo er Kolonien mit Silbermöwen teilt. In den Buchten lebt der Baikal-Stör, ebenfalls eine Art des russischen Roten Buchs, und die Tschiwyrkui-Bucht ist eines der wichtigsten Laichgebiete der Seeform der Großen Maräne.
Welche Pflanzen und Vegetationsstufen prägen den Park?
Die Pflanzendecke ist nach Höhenstufen gegliedert, vom Ufer mit Steppenwiesen und Kiefernwald bis zu Zwergkiefern und Bergtundra auf den Gipfeln. Unter den Bäumen und Sträuchern herrscht die Waldkiefer vor, gefolgt von der Zwergkiefer, der Sibirischen Zirbelkiefer, der Dahurischen Lärche und der Sibirischen Tanne. Lärchenwälder, die in vielen Gebirgen Sibiriens dominieren, nehmen hier nur kleine Flächen ein. Dunkle Tannenwälder wachsen vor allem an den feuchten Uferabschnitten und im Nordosten von Swjatoi Nos.
Nach vorläufiger Zählung der Verwaltung umfasst die Flora 977 Arten und Unterarten von Gefäßpflanzen; ältere Angaben nennen mehr als 700 Arten. Über 10.000 Hektar gelten als besonders wertvolle Bestände, darunter Kiefern-, Zirbel- und Tannenwälder, die 200 Jahre und älter sind. Selten ist die Chosenia, eine baumförmige Weidenart, die hier die Westgrenze ihres Verbreitungsgebiets erreicht. Im Frühjahr blüht an den Hängen und auf den Uschkani-Inseln der Dahurische Rhododendron. Auf der Landenge wachsen in den Dünen auf engem Raum Arten der Hochgebirge neben Steppenpflanzen.

Wo gibt es Thermalquellen im Park?
Die bekanntesten warmen Quellen liegen in der Smeinaja-Bucht, der „Schlangenbucht“, an der Tschiwyrkui-Bucht. Nach Angaben der Verwaltung tritt das schwefelwasserstoffhaltige Wasser dort mit rund 40 bis 45 °C direkt am Ufer aus. Benannt ist die Bucht nach den Schlangen, die hier leben: der Ringelnatter und der giftigen Halysotter. Die Ringelnattern bilden einen Reliktbestand, der am Baikal nur dank des milden Kleinklimas der Quellen überlebt. Weitere Austritte warmen Wassers sind die Netschajewski-Quelle und die Quellen der Kulinyje-Sümpfe.
Die Quellen gehören zu den 17 Naturdenkmälern, die schon vor der Gründung des Parks ausgewiesen worden waren. Zu ihnen zählen auch die Uschkani-Inseln, die Große Kormoraninsel, die Inseln Bolschoi und Maly Kyltygei und der Arangatui-See. Archäologen haben im Park Siedlungsplätze der Jungsteinzeit, 35 Siedlungen der Bronze- und frühen Eisenzeit, Plattengräber aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. und Gräber später Nomaden aus dem 14. und 15. Jahrhundert gefunden.
Welche Regeln gelten für Besucher?
Wer den Park zur Erholung betreten will, muss sich registrieren und eine Genehmigung einholen, an einem Kontrollposten an der Parkgrenze, im Büro der Direktion oder über deren Website. Für die Nutzung von Wegen, Zeltplätzen und Parkplätzen werden Gebühren erhoben. Die allgemeine Genehmigung gilt nicht für die besonders geschützten Zonen: die Uschkani-Inseln, die Inseln der Tschiwyrkui-Bucht und Buchten mit Reservatsstatus wie Ongokon, Fertik und Besymjannaja. Auch der Lehrpfad zum Robbenliegeplatz auf der Insel Tonki darf nur mit besonderer Genehmigung begangen werden. Die Zonen mit Reservatsstatus sind für Erholung und Tourismus ganz gesperrt.
Verboten sind unter anderem das Fällen von Bäumen und Sträuchern, das Zerstören von Nestern und Bauen, synthetische Waschmittel in Gewässern, Hunde ohne Leine, Fahrzeuge abseits der Straßen sowie Wassermotorräder, Quads und Luftkissenboote. Seit Dezember 2024 sind im Park auch Motorschlitten untersagt. Übernachtet werden darf nur an ausgewiesenen Plätzen, und Abfall muss bis zu einer Sammelstelle mitgenommen werden.
Der Besuch hat in den letzten Jahren zugenommen. Die IUCN gibt für die Direktion Sapowednoje Podlemorje für 2022 fast 52.000 erfasste Besucher an, die meisten davon im Nationalpark. Am stärksten genutzt werden die Sandstrände der Landenge, etwa an der Mjagkaja Karga, und die Buchten der Tschiwyrkui-Bucht, deren flaches Wasser sich im Sommer auf 22 bis 24 °C erwärmt.
Häufige Fragen zum Sabaikalski-Nationalpark
Darf man auf die Uschkani-Inseln?
Nur mit einer besonderen schriftlichen Genehmigung der Parkverwaltung. Die Inseln gehören zu den besonders geschützten Zonen, für die die allgemeine Besuchsgenehmigung nicht gilt. Zum Robbenliegeplatz auf der Insel Tonki führt ein Lehrpfad, der ebenfalls genehmigungspflichtig ist.
Wie heißt der Nationalpark auf Russisch?
Er heißt Sabaikalski nazionalny park, auf Deutsch etwa „Transbaikalischer Nationalpark“, weil er östlich des Sees liegt, vom russischen Kernland aus gesehen jenseits des Baikal. Er darf nicht mit der Region Transbaikalien verwechselt werden, die keinen Anteil am Ufer hat.
Gibt es Bären im Sabaikalski-Nationalpark?
Ja, der Braunbär gehört nach Angaben der Verwaltung zu den typischen Säugetieren des Parks, ebenso wie im nördlich angrenzenden Bargusin-Reservat. Wie viele Bären im Park leben, ist in den ausgewerteten Quellen nicht beziffert.
Ist die Tschiwyrkui-Bucht zum Baden warm genug?
Die Bucht ist flach und erwärmt sich im Sommer nach Angaben der Parkverwaltung auf 22 bis 24 °C, deutlich mehr als der offene See. In der Bargusin-Bucht werden Ende Juli in Ufernähe 20 bis 21 °C erreicht, bei starkem Wind kann aber kaltes Wasser aus dem offenen See einströmen.
Seit wann ist der Park Welterbe?
Seit 1996. Der Nationalpark ist wie das benachbarte Bargusin-Reservat Teil der UNESCO-Welterbestätte „Lake Baikal“, die den See mit den Schutzgebieten an seinen Ufern umfasst.
Quellen: Sapowednoje Podlemorje: Sabaikalski-Nationalpark; Sapowednoje Podlemorje: Über die Direktion; Sapowednoje Podlemorje: Sehenswürdigkeiten; Sapowednoje Podlemorje: Regeln für Besucher; IUCN World Heritage Outlook: Lake Baikal (2025); ergänzend Wikipedia (russisch): Забайкальский национальный парк. Stand: Oktober 2026.
