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Forschungsblatt · Natur & Tiere

Baikal-Lena-Reservat: Quelle der Lena am Nordwestufer

Wo am Baikalgebirge die Lena entspringt und die Bären ans Ufer kommen

Bereich
Natur & Tiere
Stand
· 9 Min. Lesezeit
Klarer Gebirgsbach über bemooste Blöcke durch dunkle Taiga mit einem kleinen Wasserfall
Abb. 1Gebirgsbäche aus dem Baikalgebirge. Symbolbild
Kurz gesagt

Das Baikal-Lena-Reservat ist ein strenges Naturreservat am nördlichen Westufer des Baikalsees. Gegründet am 5. Dezember 1986, schützt es rund 659.900 Hektar Taiga und Hochgebirge des Baikalgebirges. Hier entspringt die Lena, nur rund zehn Kilometer vom Seeufer entfernt, und fließt von dort über 4.000 Kilometer nach Norden ins Nordpolarmeer.

Wo liegt das Baikal-Lena-Reservat, und wie groß ist es?

Am nördlichen Westufer des Sees, nördlich der Insel Olchon. Das Reservat nimmt das südliche Drittel des Baikalgebirges ein, das sich hier steil aus dem Wasser erhebt, und reicht über den Kamm weit nach Westen in das Quellgebiet von Lena und Kirenga. Die Verwaltung gibt die Fläche mit 659.900 Hektar an. Damit ist es nach ihren Angaben das größte Reservat in der Baikalregion. Die Ostgrenze folgt dem Baikal auf rund 100 Kilometern, in einer anderen Angabe der Verwaltung auf 112 Kilometern.

Politisch gehört das Gebiet zur Oblast Irkutsk, aufgeteilt auf die Rajons Olchon am See und Katschug im Westen. Nach Süden schließt am Ufer der Pribaikalski-Nationalpark an. Das Ostufer gegenüber mit den Reservaten und Nationalparks in Burjatien beschreibt die Übersicht der Schutzgebiete am Baikalsee, die auch die Unterschiede zwischen Sapowednik, Nationalpark und Sakasnik erklärt.

Ein Sapowednik ist die strengste Schutzform in Russland. Im Reservat gibt es keine Dörfer, und Holz, Wild und Fisch werden nicht genutzt. Seit 2014 verwaltet die gemeinsame Direktion Sapowednoje Pribaikalje mit Sitz in Irkutsk das Reservat zusammen mit dem Pribaikalski-Nationalpark. Grundlage ist eine Verfügung des russischen Umweltministeriums vom 18. Juli 2013. Beide Gebiete sind seit 1996 Teil des UNESCO-Welterbes „Lake Baikal“.

Wie entstand das Reservat?

Über drei Jahrzehnte. In der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre schlugen Naturschützer, unter ihnen der Zoologe Oleg Gussew, der Biologe Grigori Galasi und der Geograf W. W. Lamakin, ein Schutzgebiet am Westufer zwischen Kap Rytyj und Kap Kotelnikowski vor. Gussew, der die Küste 1956 erstmals besuchte, nannte sie wegen der vielen Tiere „Küste der Braunbären“. Eine Regierungsverordnung von 1960 nahm den Vorschlag auf, doch eine Umorganisation der sowjetischen Reservate 1961 stoppte die Pläne.

Neuen Schwung brachte der Bau der Baikal-Amur-Magistrale in den 1970er-Jahren, als südlich der entstehenden Stadt Sewerobaikalsk der Druck auf Wälder und Wild stark zunahm. Fachleute wie der Botaniker L. I. Malyschew und der Naturschützer F. R. Schtilmark drängten auf das Reservat, die Gebietsverwaltung in Irkutsk lehnte zunächst ab. Erst 1984, als Brände und Wilderei im Gebiet der oberen Lena schon Schaden angerichtet hatten, begann die eigentliche Planung unter wissenschaftlicher Leitung des Zoologen J. G. Schwezow vom Biologischen Institut der Sibirischen Abteilung der Akademie der Wissenschaften. Am 5. Dezember 1986 unterzeichnete die Regierung der Russischen Sowjetrepublik den Gründungsbeschluss.

JahrEreignis
1956Oleg Gussew besucht die Küste und spricht von der „Küste der Braunbären“
Mai 1960Regierungsverordnung zum Schutz des Baikalbeckens greift den Vorschlag auf
1961Umorganisation der Reservate, Pläne ruhen
Mitte 1970erBAM-Bau, Fachleute fordern das Reservat erneut
1984Beginn der Planung, wissenschaftliche Leitung J. G. Schwezow
5. Dezember 1986Gründungsbeschluss
1996Teil des UNESCO-Welterbes „Lake Baikal“
2014gemeinsame Direktion Sapowednoje Pribaikalje

In das Reservat gingen Flächen des Forstbetriebs Olchon und eines Forstbetriebs in Katschug ein, außerdem Land einer Kolchose zwischen Kap Rytyj und Kap Maly Solonzowy, über das die Mitglieder nach Angaben der Verwaltung in direkter Abstimmung entschieden. Im Rajon Katschug wurde dafür ein fertig geplanter Holzeinschlagsbetrieb gestoppt.

Wo genau entspringt die Lena?

In einem kleinen Sumpf auf dem Westhang des Baikalgebirges, nach gängigen Angaben rund zehn Kilometer westlich des Seeufers. Als Höhe der Quelle werden meist 1.470 Meter genannt, in anderen Quellen bis zu 1.640 Meter, und auch die Koordinaten weichen voneinander ab. Fest steht, dass die Lena auf dem Gebiet des Reservats entspringt und es auf bis zu 250 Kilometern durchfließt. Wichtige Nebenflüsse im Reservat sind Alilei, Anai, Negnedai, Pankutscha, die beiden Juchta und die Malaja Lena. Am Pegel Tschantschur an der Reservatsgrenze entwässert der Fluss bereits 4.690 Quadratkilometer.

Bemerkenswert ist die Nähe zweier großer Stromgebiete. Der Baikal entwässert über Angara und Jenissei in die Karasee, die Lena dagegen nach rund 4.300 bis 4.400 Kilometern in die Laptewsee. Nur der schmale Kamm des Baikalgebirges trennt beide Einzugsgebiete. Die Bäche am Osthang zum Baikal sind kurz und wasserarm; manche versickern in trockenen Zeiten, bevor sie den See erreichen.

Steiles Nordwestufer im Juni mit Schneefeldern in den Bergen und Taiga bis an einen schmalen Steinstrand
Abb. 2Das Nordwestufer ist kaum besiedelt. Symbolbild

Welche Landschaften prägen das Reservat?

Ein Hochgebirge, das am Baikal steil abfällt und nach Westen in Bergtaiga übergeht. Die Höhen reichen von 456 Metern am Ufer bis 2.201,5 Meter im Quellgebiet des Prawy Tolokoktai. Oberhalb von etwa 1.500 Metern prägen Formen der letzten Vergletscherung die Kämme: Kare mit kleinen Seen, Trogtäler, Firnfelder und Blockhalden. Am Osthang tragen Muren Schutt bis an den See und bauen Schwemmfächer auf; der größte an der ganzen Baikalküste ist nach Angaben der Verwaltung das Kap Rytyj. Nahe dem Hauptkamm, an den Kaps Pokoiny und Kedrowy, sind Reste von Vulkanen erhalten, die 1,56 bis 1,71 Milliarden Jahre alt sind.

Mehr als 80 Prozent der Fläche sind bewaldet, vor allem mit Lärchen, Kiefern, Zirbelkiefern, Tannen und Fichten. Darüber folgen Zwergkieferngebüsch, Bergtundra und alpine Wiesen. Am Seeufer liegen kleine Inseln reliktischer Steppe, nach Angaben der Verwaltung die einzigen reliktischen Beckensteppen im Pribaikalje, dem Land westlich des Sees. Das Klima ist kontinental, wird am Ufer aber vom See gedämpft. Das Ufer ist ausgesprochen trocken, mit im Mittel rund 240 Millimetern Niederschlag im Jahr, im Hochland fallen 600 bis 700 Millimeter. Der Winter dauert sechs bis sieben Monate; im Hochgebirge liegen bis zu drei Meter Schnee, am offenen Ufer nur wenig und kaum länger als 100 Tage.

Das Gewässernetz ist dicht: rund 1.400 Kilometer Flüsse und Bäche und 77 Seen größer als ein Hektar. Der größte See des Reservats liegt am Ufer auf dem Kap Maly Solonzowy und ist 152 Hektar groß. Lagunenseen wie dieser liegen auf Seehöhe und erwärmen sich im Sommer, während die Karseen im Hochgebirge kalt und sehr klar bleiben.

Welche Tiere und Pflanzen leben im Baikal-Lena-Reservat?

Die Verwaltung zählt 52 Säugetierarten, 276 Vogelarten, darunter 146 Brutvögel, und 16 Fischarten. Am bekanntesten ist der Braunbär. Im Frühjahr kommen die Bären an die Uferhänge, wo der Schnee früh schmilzt, und im Juni an den Strand: Dann schlüpfen am Baikal massenhaft Köcherfliegen, und Groppen legen ihre Eier unter Steine am Wasserrand. Die Bären wälzen Steine um und fressen Insekten und Laich, gelegentlich auch tote Robben. In diesen Wochen zählt die Verwaltung an der Küste sechs bis acht Bären auf 1.000 Hektar. Wie die Bären am ganzen See leben, beschreibt die Seite über die Braunbären am Baikalsee.

Baikalrobben liegen entlang der ganzen Reservatsküste auf Steinen und Felsen, die größten Liegeplätze mit einigen Dutzend Tieren befinden sich nach Angaben der Verwaltung bei Sagan-Marjan und an der Mündung der Ledjanaja. Bei der Planung 1984 zählte man zwischen der Mündung der Bolschaja Ledjanaja und dem Kap Kedrowy bis zu 100 Robben. Weitere Arten sind Zobel mit rund 2.000 Tieren, Fischotter mit 100 bis 120, Moschustier, Isubra-Hirsch, Elch, wildes Rentier, Wolf, Luchs und Vielfraß. In der Lena leben Äsche, Renke, Lenok und Quappe; der Taimen war schon vor der Gründung verschwunden.

Zur Flora gehören 973 Arten von Gefäßpflanzen, 47 davon sind Endemiten Sibiriens oder des Baikalraums. Einige wachsen nur hier. Der Rytyj-Tragant (Astragalus rytyensis) hat seinen Hauptbestand auf Kies und flachen Mulden des Kap Rytyj; er steht im Roten Buch der Oblast Irkutsk. Was das Kap außerdem auszeichnet, auch als Ort der burjatischen Überlieferung, erklärt die Seite über das Kap Rytyj.

Darf man das Reservat betreten?

Nur mit Genehmigung der Verwaltung. Die Regeln von Sapowednoje Pribaikalje erlauben den Aufenthalt im Reservat nur auf genehmigten Routen, mit schriftlicher Erlaubnis und in Begleitung eines Mitarbeiters. Verboten sind unter anderem Jagd und Fischfang, schon das Mitführen von Waffen oder Angelzeug, Feuer, Fahrzeuge, das Sammeln von Pflanzen, Beeren, Pilzen und Nüssen, das Füttern und Stören von Tieren. Für den Pribaikalski-Nationalpark gelten weniger strenge Regeln; seine Kernzonen werden aber wie das Reservat behandelt.

Der Zugang ist auch praktisch schwierig. Im Reservat gibt es keine Siedlungen, und die Küste liegt weitab von Straßen. Die Siedlungen am Nordbaikal und die Bahnlinie dort beschreibt die Seite über den Norden des Baikalsees; das Reservat selbst bleibt für die meisten Menschen ein Gebiet, das man allenfalls vom Wasser aus sieht.

Wie wird im Reservat geforscht?

Wie in jedem russischen Sapowednik führen die Mitarbeiter jedes Jahr die Chronik der Natur, die Letopis prirody. Sie hält fest, wie sich Wetter, Schnee, Bestände und Störungen entwickeln. Dazu kommen feste Zählungen: Wintertransekte für Säugetiere, Frühjahrs- und Sommerzählungen der Bären an der Küste, Hirschzählungen während der Brunft im Herbst, Vogelzählungen und die Beobachtung seltener Amphibien.

Bei den Pflanzen werden zwei seltene Arten auf Dauerflächen beobachtet, der Altai-Lauch und die endemische Uferschmiele Deschampsia turczaninowii, um zu sehen, wie sich ihre Bestände verändern. Weitere Arbeitsfelder sind die Folgen von Bränden, die Kartierung reliktischer und endemischer Pflanzengesellschaften und die Füllstände der Seen. Eine Lehre aus den Daten: In Jahren ohne Zirbelnüsse, wie 1992 und 1993, halbierte sich der Bärenbestand, und der Zobelbestand fiel auf rund ein Drittel; die Zobel erholten sich innerhalb von drei Jahren.

Häufige Fragen zum Baikal-Lena-Reservat

Kann man die Quelle der Lena besuchen?

Die Quelle liegt im Reservat, für das jeder Aufenthalt eine Genehmigung der Verwaltung und eine Begleitung erfordert. Eine Straße dorthin gibt es nicht. Die genaue Lage wird je nach Quelle unterschiedlich angegeben.

Warum heißt das Reservat Baikal-Lena?

Weil es zwei große Gewässer verbindet: Es beginnt am Ufer des Baikals und umfasst auf der anderen Seite des Kamms die Quelle und den Oberlauf der Lena. Der Name beschreibt damit seine Lage zwischen beiden Stromgebieten.

Wie viele Bären leben im Reservat?

Eine Gesamtzahl nennt die Verwaltung nicht. Sie gibt Dichten an: im Westen 0,6 bis 1 Bär auf 1.000 Hektar, an der Küste im Mai und Juni bis zu sechs bis acht. In Jahren ohne Zirbelnüsse nimmt der Bestand deutlich ab.

Ist das Reservat Teil des Welterbes?

Ja. Seit 1996 gehören das Baikal-Lena-Reservat und der Pribaikalski-Nationalpark zur UNESCO-Welterbestätte „Lake Baikal“. An den russischen Schutzregeln ändert der Welterbestatus nichts, er kommt hinzu.

Welche seltenen Arten gibt es dort?

Nach Angaben der Verwaltung kommen 44 Arten aus dem Roten Buch Russlands vor. Dazu gehören Pflanzen wie Frauenschuh und Kalypso und Tiere wie das Baikal-Murmeltier, eine Unterart des Schwarzkäppchen-Murmeltiers, und Greifvögel wie der Wanderfalke, von dem im Lenatal einige Paare festgestellt wurden.

Quellen: Sapowednoje Pribaikalje: Baikal-Lena-Reservat; Sapowednoje Pribaikalje: Geschichte des Reservats; Hydrologie, Geologie, Klima, Fauna und Flora; Seltene Arten; Regeln für die Schutzgebiete; Organisation; Forschung; IUCN World Heritage Outlook: Lake Baikal. Weitere: Wikipedia (russisch): Байкало-Ленский заповедник, Лена. Stand: Oktober 2026.

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