Blatt Baikal · 51°28′–55°47′ N · 103°43′–109°58′ OWissens- und Reiseportal · Stand Oktober 2026

Forschungsblatt · Natur & Tiere

Schutzgebiete am Baikalsee: Nationalparks und Reservate

Reservate, Nationalparks und Sakasniki rund um den tiefsten See der Erde

Bereich
Natur & Tiere
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· 9 Min. Lesezeit
Wilde Flussmündung mit Kiesbank zwischen dichter Taiga, dahinter Berge mit Schneeresten
Abb. 1Unberührte Flussmündung im Nordosten. Symbolbild
Kurz gesagt

Rund um den Baikalsee liegen drei Sapowedniki (strenge Naturreservate), drei Nationalparks und mehrere Wildschutzgebiete. Das älteste ist das Bargusin-Reservat von 1916, den längsten Uferabschnitt schützt der Pribaikalski-Nationalpark am Westufer. Zusammen mit dem See bilden die Gebiete seit 1996 das UNESCO-Welterbe, dessen Grenze das russische Baikal-Gesetz übernimmt.

Welche Arten von Schutzgebieten gibt es in Russland?

Das russische Recht kennt mehrere Stufen des Gebietsschutzes, die sich vor allem darin unterscheiden, wie viel menschliche Nutzung sie zulassen. Grundlage ist das Bundesgesetz Nr. 33-FZ „Über besonders geschützte Naturgebiete“ vom 14. März 1995. Es unterscheidet Gebiete von Bundesbedeutung, die dem Umweltministerium in Moskau unterstehen, und Gebiete der Regionen.

  • Sapowednik (Naturreservat): die strengste Kategorie. Das Gebiet bleibt der natürlichen Entwicklung überlassen, Jagd, Fischerei, Holzeinschlag und Bauen sind verboten. Betreten ist nur mit Genehmigung und meist nur auf festgelegten Wegen erlaubt. Die Reservate am Baikal entsprechen der IUCN-Kategorie Ia.
  • Nationalpark: ein großes Gebiet mit abgestuften Zonen. In Kernzonen gilt ein Schutz wie im Reservat, in anderen Zonen sind Erholung, Tourismus und traditionelle Nutzung erlaubt, und es können Dörfer im Park liegen. Das entspricht der IUCN-Kategorie II.
  • Sakasnik (Schutzgebiet für einzelne Arten oder Landschaften): Hier sind nur bestimmte Tätigkeiten verboten, etwa die Jagd oder die Fischerei, während andere Nutzungen weiterlaufen. IUCN-Kategorie IV.
  • Naturdenkmal: einzelne Felsen, Quellen, Höhlen oder Bäume, die oft innerhalb größerer Schutzgebiete liegen.

Darüber legen sich internationale Auszeichnungen, die selbst keine eigene Schutzkategorie sind: Das UNESCO-Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ hat das Bargusin- und das Baikal-Reservat 1986 als Biosphärenreservate anerkannt, das Selenga-Delta ist ein Feuchtgebiet nach der Ramsar-Konvention, und der See samt Umland ist Welterbe.

Welche Schutzgebiete liegen am Baikalsee?

Am Ufer und in seinem Hinterland liegen sieben große Schutzgebiete von Bundesbedeutung; zusammen bilden sie das, was russische Naturschützer das „Schutzgebietshalsband“ des Baikal nennen. Die Tabelle nennt Gründungsjahr und Fläche nach Angaben der jeweiligen Verwaltung, wo diese vorliegen.

GebietTypGegründetFlächeLage
Bargusin-ReservatSapowednik, Biosphärenreservat1916rund 366.900 ha, davon 15.000 ha WasserstreifenNordostufer, Bargusingebirge
Baikal-ReservatSapowednik, Biosphärenreservat1969rund 165.700 haSüdufer, Chamar-Daban
Baikal-Lena-ReservatSapowednik1986rund 659.900 hanördliches Westufer, Baikalgebirge, Quelle der Lena
Pribaikalski-NationalparkNationalpark1986rund 524.800 ha (ältere Angabe 417.300 ha)Westufer von Kultuk bis Kap Kotscherikowski, Olchon
Sabaikalski-NationalparkNationalpark1986rund 269.000 ha, davon 36.400 ha WasserOstufer, Swjatoi Nos, Uschkani-Inseln
Tunkinski-NationalparkNationalpark1991rund 1.183.700 haTunka-Tal südwestlich des Sees, Ostsajan
FrolichaSakasnik1976rund 109.200 haNordostufer südlich von Nischneangarsk
KabanskSakasnik, Teil des Ramsar-Gebiets1974rund 12.300 hamittleres Selenga-Delta
Karte der Schutzgebiete am Baikalsee mit nummerierten Reservaten, Nationalparks und Sakasniki
Abb. 2Lage der Schutzgebiete rund um den See. Datengrafik, schematisch, nach den Schutzgebietsverwaltungen

Am Westufer schließen die Gebiete fast lückenlos aneinander an. Der Pribaikalski-Nationalpark zieht sich als schmaler Streifen vom Südwestende bis über die Insel Olchon hinaus, nördlich davon folgt das Baikal-Lena-Reservat mit rund 100 Kilometern Uferlinie und den Quellen der Lena, die nahe dem See entspringt, aber nach Norden zum Nordpolarmeer fließt. Am Ostufer liegen der Sabaikalski-Nationalpark mit der Halbinsel Swjatoi Nos und, unmittelbar nördlich davon, das Bargusin-Reservat; noch weiter im Norden, rund 40 Kilometer von Nischneangarsk, schützt der Sakasnik Frolicha ein Bergland mit dem gleichnamigen, bis 80 Meter tiefen Gebirgssee.

Im Süden umfasst das Baikal-Reservat den zentralen Teil des Chamar-Daban mit dem 2.316 Meter hohen Berg Sochor; sein Nordhang fällt zum Südufer des Sees ab, der Verwaltungssitz liegt in Tanchoi. Das Reservat schützt vor allem unberührte Zirbelkiefernwälder. Der Kabansk-Sakasnik schützt den mittleren Teil des Selenga-Deltas als Rast- und Brutgebiet für Wasservögel; er war 1967 als örtliches Schutzgebiet entstanden und wurde 1974 zum Gebiet von Bundesbedeutung. Der Tunkinski-Nationalpark liegt nicht am Ufer, sondern im Tal westlich des Südendes; er umfasst den gesamten Bezirk Tunka bis zur Grenze der Mongolei und gehört nur teilweise zum Welterbe.

Das Bargusin-Reservat ist das älteste Naturreservat Russlands. Der Generalgouverneur in Irkutsk ordnete es im Mai 1916 an, die Regierung bestätigte es am 29. Dezember 1916 nach julianischem Kalender, also am 11. Januar 1917 nach heutiger Zählung. Anlass war der Zobel, dessen Fell so begehrt war, dass er am Nordostufer fast ausgerottet war. Nach Angaben der Verwaltung hatte das Reservat diese Aufgabe Mitte der 1930er-Jahre erfüllt und schützt seither das gesamte Ökosystem. Ihm ist später eine eigene Seite gewidmet; die Tiere der Taiga stellt die Seite über die Säugetiere der Taiga vor.

Wie hängen Schutzgebiete, Welterbe und Baikal-Gesetz zusammen?

Die Schutzgebiete bilden zusammen mit dem See den Kern des Welterbes, das die UNESCO 1996 eingetragen hat. Die Welterbestätte umfasst rund 8,8 Millionen Hektar; davon entfallen rund 3,15 Millionen Hektar auf die Wasserfläche, der Rest auf Inseln, Uferzonen und die angrenzenden Reservate und Parks. Warum der See nach allen vier Naturkriterien aufgenommen wurde und welche Konflikte seither verhandelt werden, beschreibt die Seite UNESCO-Welterbe Baikalsee.

Das russische Bundesgesetz zum Schutz des Baikalsees von 1999 übernimmt diese Grenze. Seine zentrale ökologische Zone umfasst den See, die Inseln, die Wasserschutzzone und die Schutzgebiete am Ufer, ihre Grenze stimmt nach dem Bericht der IUCN mit der des Welterbes überein. In dieser Zone liegen auch 159 Siedlungen, 77 in der Oblast Irkutsk und 82 in Burjatien. Um sie legen sich eine Pufferzone, die den russischen Teil des Einzugsgebiets umfasst, und eine Zone der atmosphärischen Einwirkung. Das Gesetz selbst, seine Zonen und die Änderungen von 2025 erläutert die Seite Baikalsee und Russland.

Wer verwaltet die Schutzgebiete am See?

Die großen Gebiete am Ufer werden von drei Bundesbehörden geführt, die dem Umweltministerium unterstehen. Jede ist für mehrere Gebiete zuständig.

  • Sapowednoje Pribaikalje mit Sitz in Irkutsk entstand 2014 als gemeinsame Direktion des Pribaikalski-Nationalparks und des Baikal-Lena-Reservats. Sie verwaltet außerdem zwei Sakasniki fern vom See und insgesamt rund 1,3 Millionen Hektar.
  • Sapowednoje Podlemorje mit Sitz in Ust-Bargusin wurde im Mai 2012 gegründet. Sie führt das Bargusin-Reservat, den Sabaikalski-Nationalpark und den Sakasnik Frolicha und beschäftigt nach eigenen Angaben rund 140 Menschen.
  • Das Baikal-Reservat verwaltet seit 1985 auch den Kabansk-Sakasnik im Selenga-Delta und einen weiteren Sakasnik im Sagan-Gebirge.

Der Tunkinski-Nationalpark hat eine eigene Verwaltung. Für den Schutz des Sees insgesamt ist eine Regierungskommission zuständig, in der die Bundesbehörden und die Regionen Irkutsk, Burjatien und Transbaikalien zusammenarbeiten. Die IUCN bemängelt in ihrem Bericht von 2025, dass die Zuständigkeiten zersplittert und schlecht abgestimmt seien und ein vom Welterbekomitee seit Jahren geforderter gemeinsamer Managementplan fehle.

Was bedroht die Schutzgebiete?

Die größten Belastungen gehen vom Tourismus, von Waldbränden, vom Bauen am Ufer und von Lockerungen des Schutzrechts aus. Am stärksten betroffen sind die gut erreichbaren Abschnitte im Westen: das Kleine Meer und die Insel Olchon, die Buchten zwischen Listwjanka und Bolschoje Goloustnoje sowie im Süden der Pribaikalski-Nationalpark. Nach den von der IUCN zusammengetragenen Zahlen zählten die Direktion Sapowednoje Pribaikalje 2022 fast 160.000 Besucher, Sapowednoje Podlemorje fast 52.000 und das Baikal-Reservat rund 45.000. Die Zahl der Menschen, die tatsächlich an den See kommen, liegt deutlich höher, weil nicht jeder Besuch erfasst wird.

Mit dem Tourismus wuchs die Bebauung. Zwischen 2018 und 2023 ergingen in der Oblast Irkutsk 50 Gerichtsentscheidungen über 319 ohne Genehmigung errichtete Gebäude im Welterbegebiet; 178 davon wurden nachträglich legalisiert, 69 abgerissen. In Burjatien liefen Ende 2023 Verfahren zu 160 weiteren Bauten. Am Ostufer entstand bei Turka eine Sonderwirtschaftszone für Tourismus, für die nach dem IUCN-Bericht mehrere Quadratkilometer Ufervegetation gerodet wurden.

Blick von einem Hang über den weiten See und eine bewaldete Bergkette mit Wolkenschatten
Abb. 3Wolkenschatten über Bergwald und See. Symbolbild

Waldbrände treffen alle Gebiete. 2015 wurden im Baikal-Naturterritorium 2.676 Brände auf mehr als einer Million Hektar gezählt, in den Jahren 2018 bis 2023 über 3.000 Brände auf zusammen rund 510.000 Hektar. Nach Angaben der Behörden geht der Großteil auf Blitzschlag zurück, Umweltgruppen vermuten in Burjatien teils Brandstiftung. Schließlich wurde das Baikal-Gesetz seit 1999 nach Zählung der IUCN 18-mal geändert; die Änderungen vom Dezember 2025 erlauben unter anderem Kahlschläge zur Waldsanierung und neue Bauvorhaben am Ufer. Sie sind der Hauptgrund, warum das Welterbekomitee 2026 über eine Einstufung als gefährdetes Welterbe beraten hat.

Welche Regeln gelten in den Schutzgebieten?

Für alle Reservate und Nationalparks am See braucht man eine Genehmigung der jeweiligen Direktion, auch wenn sie in den Erholungszonen der Nationalparks meist ohne Weiteres erteilt wird. In den Reservaten ist der Aufenthalt nur auf festgelegten Routen und in Begleitung von Mitarbeitern erlaubt, die Kernzonen der Nationalparks dürfen nur mit besonderer Genehmigung betreten werden. Zu solchen Zonen gehören etwa die Uschkani-Inseln und die Inseln der Tschiwyrkui-Bucht.

Überall verboten sind Holzeinschlag, Jagd und das Sammeln von Pflanzen für Sammlungen, Feuer außerhalb ausgewiesener Plätze, das Fahren abseits der Straßen und das Zelten an beliebigen Stellen. Angeln, Pilze- und Beerensammeln sind in den Nationalparks nur mit gesonderter Erlaubnis gestattet. Im Sabaikalski-Nationalpark sind seit 2024 Wassermotorräder und Motorschlitten untersagt. Im Pribaikalski-Nationalpark erhalten Bewohner der Dörfer im Park ihre Genehmigungen kostenlos.

Welche Seiten vertiefen das Thema?

Die wichtigsten Schutzgebiete werden auf eigenen Seiten vorgestellt.

Einen Überblick über Tiere und Pflanzen gibt die Station Natur und Tiere am Baikalsee.

Häufige Fragen zu den Schutzgebieten am Baikalsee

Ist der ganze Baikalsee ein Nationalpark?

Nein. Der See selbst ist kein Nationalpark, aber große Teile seiner Ufer gehören zu Nationalparks und Reservaten. Für den gesamten See und einen Uferstreifen gilt außerdem das Baikal-Gesetz, und zusammen mit den Schutzgebieten ist er UNESCO-Welterbe.

Was ist der Unterschied zwischen Sapowednik und Nationalpark?

Ein Sapowednik dient fast ausschließlich dem Naturschutz und der Forschung, Besucher sind nur auf wenigen Routen zugelassen. Ein Nationalpark ist in Zonen gegliedert und soll neben dem Schutz auch Erholung und Tourismus ermöglichen; in ihm dürfen Menschen wohnen und wirtschaften.

Welches Schutzgebiet am Baikal ist das größte?

Der Tunkinski-Nationalpark mit rund 1,18 Millionen Hektar, er liegt aber nicht am Seeufer. Unter den Gebieten direkt am Ufer ist das Baikal-Lena-Reservat mit rund 660.000 Hektar das größte, gefolgt vom Pribaikalski-Nationalpark.

Seit wann gibt es Naturschutz am Baikalsee?

Das erste Schutzgebiet war 1916 das Bargusin-Reservat am Nordostufer, zugleich das erste Naturreservat Russlands. Die meisten anderen Gebiete entstanden zwischen 1969 und 1991, in einer Zeit, in der die Proteste gegen das Zellstoffwerk in Baikalsk den Schutz des Sees zu einem öffentlichen Thema gemacht hatten.

Sind die Robben der Uschkani-Inseln geschützt?

Ja. Die Inselgruppe gehört zum Sabaikalski-Nationalpark und zählt zu den Zonen mit dem strengsten Schutz. Die Liegeplätze der Baikalrobben dürfen nur mit besonderer Genehmigung der Parkverwaltung besucht werden.

Quellen: Sapowednoje Podlemorje: Bargusin-Reservat, Sabaikalski-Nationalpark, Sakasnik Frolicha; Sapowednoje Pribaikalje: Pribaikalski-Nationalpark und Baikal-Lena-Reservat; Baikal-Reservat: Kabansk-Sakasnik; Nationalpark Tunkinski; IUCN World Heritage Outlook: Lake Baikal (2025); ergänzend Wikipedia (russisch) zu den einzelnen Schutzgebieten. Stand: Oktober 2026.

Baikalsee.info

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