Am Baikal leben Insekten im See und an Land. Im Wasser sind Larven von Zuckmücken und Köcherfliegen häufig, von 55 Köcherfliegenarten kommen 15 nur hier vor. Ihr Massenschlüpfen im Mai ist ein Festmahl für Fische, Vögel und Bären. In der Taiga stechen Mücken und Bremsen, und die Taigazecke kann FSME übertragen.
Welche Insekten leben im Baikalsee selbst?
Im See leben Insekten fast nur in der Uferzone, vor allem als Larven von Zuckmücken und Köcherfliegen. In der Tiefe und im offenen Wasser spielen sie kaum eine Rolle; dort herrschen Flohkrebse, Ruderfußkrebse und andere Wirbellose. Wie viele dieser Tiere nur im Baikal vorkommen, zeigt die Seite über die Endemiten des Baikalsees.
Wie wichtig die Zuckmücken sind, zeigte eine genetische Untersuchung des Limnologischen Instituts in der Bucht von Bolschije Koty, veröffentlicht 2023. Von drei Lebensgemeinschaften am Grund wurden zwei von Zuckmückenlarven beherrscht, von Orthocladius gregarius und dem Baikal-Endemiten Sergentia baicalensis. Zu den häufigen Begleitern gehörte die endemische Köcherfliege Baicalina thamastoides.
Köcherfliegen sind mit Schmetterlingen verwandt, tragen auf den Flügeln aber Härchen statt Schuppen. Nach Angaben der Verwaltung des Bargusin-Reservats und des Sabaikalski-Nationalparks leben im Baikal 55 Arten, 15 davon nur hier. Andere Zählungen nennen leicht abweichende Werte. Die endemischen Arten gehören zur Familie Apataniidae und bilden dort zwei eigene Gruppen, die Tribus Baicalinini und Thamastini; zu ihnen zählt etwa Baicalina bellicosa. Ihre Larven verbringen zwei bis drei Jahre in zwei bis zwanzig Meter Tiefe und bauen sich tragbare Gehäuse, die Köcher, aus Sandkörnern, Steinchen und Pflanzenresten.
Die Uferfauna verändert sich. Nach einer Arbeit von Forschern aus Irkutsk und Ulan-Ude von 2020 lebten auf dem steinigen Ufergrund des offenen Baikals früher nur endemische Köcherfliegen. Inzwischen siedeln sich dort nach und nach zwei weit verbreitete Arten aus dem Einzugsgebiet der Angara an, Hydatophylax nigrovittatus und Apatania majuscula.
Was passiert beim Massenschlüpfen der Köcherfliegen?
Im Mai, wenn die Sonne das Eis mürbe macht, steigen die Köcherfliegen zu Tausenden auf. Die Larven verpuppen sich, die Puppen gelangen durch Spalten im Eis an die Oberfläche, und dort schlüpfen die erwachsenen Insekten. So beschreibt es die Parkwissenschaftlerin Tatjana Ananina. Dann bedecken Wolken der flugschwachen Insekten das Wasser, die Ufersteine, Felsen und Bäume. Am See heißen sie deshalb volkstümlich Lipatschany, etwa „die Klebenden“.

Die erwachsenen Köcherfliegen leben nur einige Tage bis zwei oder drei Wochen. In dieser Zeit paaren sie sich, legen ihre Eier ins Wasser und sterben. Wie dicht das geschieht, haben Irkutsker Forscher 2012 an der Uferzone gemessen: Am Wassersaum fanden sie im Mittel zwischen 469 und 4.794 Gelege je Quadratmeter, in einzelnen Ansammlungen mehr als 35.000. In drei Meter Tiefe waren es nur noch 9 bis 100. Gegen Juni lässt der Flug nach, und die letzten Schollen treiben vom Ufer fort.
Warum sind Köcherfliegen so wichtig für das Nahrungsnetz?
Das Schlüpfen liefert im späten Frühjahr viel Eiweiß an einem Ort, zu einer Zeit, in der Beeren und Nüsse noch Monate entfernt sind. Äschen und Lenoks jagen die Larven und die schlüpfenden Insekten an der Oberfläche, und die Parkverwaltung schreibt, das Wasser „koche“ dann. Gelbe und weiße Bachstelzen, Ammern, Watvögel, Krähen und Möwen sammeln die Tiere am Ufer, Streifenhörnchen, Eichhörnchen und Füchse kommen an den Strand, Ameisen schleppen die toten Insekten fort.
Auch Braunbären nutzen das Angebot. Sie wenden Ufersteine um und lecken die Insekten ab, nach Beobachtungen im Bargusin-Reservat bis zu fünf bis sieben Kilogramm bei einer Mahlzeit. Für einen großen Teil der Uferbewohner ist der Mai damit eine Zeit, in der sie ihre Reserven nach dem Winter auffüllen. Die Larven im Wasser sind ihrerseits ganzjährig Nahrung für Fische und zersetzen abgestorbenes Pflanzenmaterial am Grund.
Was ist „Gnus“ und wann stechen die Mücken am Baikal?
„Gnus“ ist der russische Sammelbegriff für alle blutsaugenden Zweiflügler: Stechmücken, Kriebelmücken, Gnitzen und Bremsen. Ein einzelnes Tier dieser Gruppen ist harmlos, in der Masse aber wird Gnus in Sibirien seit jeher als Plage beschrieben. Schon 1938 entwickelten sowjetische Forscher um den Parasitologen Jewgeni Pawlowski ein Schutznetz für Waldarbeiter, Geologen und Soldaten, das nach ihm benannt wurde.
Wie viel Gnus es gibt, hängt von Landschaft und Jahreszeit ab. Die Larven der meisten dieser Insekten entwickeln sich im Wasser, in Mooren, Tümpeln und langsam fließenden Gewässern. Am zahlreichsten sind sie deshalb in den Feuchtgebieten der Taiga und in breiten Flusstälern, die die Seite über Taiga und Pflanzen am Baikal beschreibt. Am Baikal fliegen sie vor allem in den warmen Monaten, meist von Juni bis August. Am offenen, oft windigen und kühlen Seeufer ist ihre Zahl in der Regel geringer als im Wald und an Moorrändern.
Für das Ökosystem sind diese Insekten mehr als eine Plage. Ihre Larven gehören zur Nahrung von Fischen und anderen Wassertieren, die erwachsenen Tiere zu der von Schwalben, Seglern und Fledermäusen.
Welche Zecken gibt es am Baikal und wann sind sie aktiv?
Die wichtigste Zecke am Baikal ist die Taigazecke Ixodes persulcatus. Zecken sind keine Insekten, sondern Spinnentiere: Erwachsene Zecken haben acht Beine, Insekten sechs. Die Taigazecke ist von Osteuropa bis zum Pazifik verbreitet, ihr Hauptgebiet in Russland liegt zwischen 50 und 60 Grad nördlicher Breite und damit genau in der Breite des Baikals.
Sie lebt in Wäldern, aber auch auf Wiesen und in Gebüsch und lauert in der Krautschicht, meist nicht höher als einen Meter über dem Boden. Mit Geruchs- und Wärmesinn nimmt sie Tiere und Menschen schon auf einige Meter wahr, deshalb sammeln sich Zecken entlang von Pfaden und Wegen. Larven und Nymphen saugen an Mäusen, Streifenhörnchen, Eichhörnchen und Vögeln, Menschen werden vor allem von erwachsenen Weibchen gestochen. Ihre Entwicklung dauert zwei bis drei, im Norden bis vier Jahre.
Aktiv wird die Taigazecke schon bei Temperaturen knapp über null Grad. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde Rospotrebnadsor der Oblast Irkutsk erwachen die Zecken in Irkutsk und Umgebung bereits im März und April. Den Höhepunkt erreicht die Aktivität der erwachsenen Tiere im Mai und Juni, danach nimmt sie ab, einzelne Zecken stechen aber bis in den Herbst. Das Auswärtige Amt nennt für Russland eine Zeckenzeit von April bis Oktober.
Welche Krankheiten übertragen Zecken am Baikal?
Am gefährlichsten ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine Entzündung von Hirnhaut und Gehirn, die international Tick-borne encephalitis heißt. Die Taigazecke überträgt nach Angaben der EU-Gesundheitsbehörde ECDC vor allem den sibirischen und den fernöstlichen Subtyp des Virus. In der Oblast Irkutsk, in Burjatien und in Transbaikalien kommen alle drei Subtypen nebeneinander vor. Dazu gibt es eine eigene Baikal-Gruppe, die seit Jahrzehnten aus Zecken und Kleinsäugern der Region isoliert wird und nach einer Studie von 2023 aus einer Kreuzung zweier Subtypen hervorgegangen ist. Häufiger als FSME übertragen die Zecken Borreliose, dazu Rickettsiosen und andere Erreger.
| Oblast Irkutsk | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Arztbesuche nach Zeckenstich 2024 | über 15.000 | Rospotrebnadsor Irkutsk |
| Erkrankungen 2024 | 89 FSME, 117 Borreliose, 32 Rickettsiose | Rospotrebnadsor Irkutsk |
| Todesfälle durch FSME 2024 | 2, beide nicht geimpft | Rospotrebnadsor Irkutsk |
| Zecken mit FSME-Virus | 0,8 Prozent der untersuchten Zecken | Zentrum für Zeckeninfektionen Irkutsk |
| Arztbesuche bis Anfang Juni 2026 | über 10.000, rund 1.600 mehr als 2025 | Kommersant nach Behördenangaben |
Die meisten Zeckenstiche verzeichnete die Behörde 2024 in Irkutsk und dem Bezirk Irkutsk, danach folgten der Bezirk Schelechow und der Bezirk Sljudjanka am Südufer des Sees. In Burjatien zählten die Behörden in der Saison 2026 bis Juni über 1.460 Arztbesuche nach Zeckenstichen. Das Auswärtige Amt weist darauf hin, dass der in Deutschland erhältliche FSME-Impfstoff auch vor der in Russland vorkommenden Virusvariante schützt. Was Reisende zu Impfung und Vorsorge wissen sollten, steht auf der Seite Gesundheit: FSME, Zecken, Kälte, Trinkwasser; einen Überblick über die gesamte Tierwelt gibt die Seite Natur und Tiere am Baikalsee.
Häufige Fragen zu Insekten und Zecken am Baikal
Warum heißen Köcherfliegen so?
Der Name kommt von den Larven. Sie bauen sich aus Sandkörnern, Steinchen und Pflanzenresten tragbare Röhren, die an einen Pfeilköcher erinnern, und schleppen sie mit sich herum. Darin sind sie vor Fressfeinden geschützt.
Wie lange kann eine Taigazecke ohne Nahrung überleben?
Je nach Entwicklungsstadium und Witterung einen Monat bis drei Jahre. Alle Stadien überwintern in der Laubstreu, in Bodenspalten oder der oberen Bodenschicht und werden im Frühjahr wieder aktiv.
Kann man sich auch ohne Zeckenstich mit FSME anstecken?
Selten ja. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts kann das Virus auch über rohe Milch infizierter Ziegen oder Schafe übertragen werden, in Ausnahmefällen von Kühen. Von Mensch zu Mensch wird es nicht weitergegeben.
Gibt es Zecken auch in Städten wie Irkutsk?
Ja. Taigazecken werden zunehmend in Parks, auf Friedhöfen und in Gartensiedlungen am Stadtrand gefunden, wohin Vögel, Nagetiere und Hunde sie tragen. Die meisten Zeckenstiche der Oblast meldet die Behörde aus Irkutsk und seiner Umgebung.
Schlüpfen die Köcherfliegen jedes Jahr zur gleichen Zeit?
Ungefähr. Der Schlupf ist an das mürbe werdende Frühjahrseis gebunden und fällt meist in den Mai. In kalten Frühjahren verschiebt er sich nach hinten, im Norden des Sees mit seinem späteren Eisaufbruch ebenfalls.
Quellen: Sapowednoje Podlemorje: Baikalskaja „stolowaja“ dlja schiwotnych (T. L. Ananina, 14.06.2024); Kravtsova et al. (2023): Macroinvertebrate communities in Bolshiye Koty Bay, Vavilov Journal of Genetics and Breeding 27; Rozhkova, Bazova, Batranina (2020): Caddisflies of the tributaries of Lake Baikal, Euroasian Entomological Journal 19; Rozhkova et al. (2012): Egg masses of endemic Baikal caddisflies, Izvestija ISU Biologija; ECDC: Factsheet Tick-borne encephalitis; Sukhorukov et al. (2023): The Baikal subtype of tick-borne encephalitis virus, PLoS Neglected Tropical Diseases; AiF Irkutsk über news.mail.ru, 22.02.2025 (Rospotrebnadsor Irkutsk); Kommersant, 17.06.2026; RKI-Ratgeber FSME; Auswärtiges Amt: Russische Föderation, Reise- und Sicherheitshinweise. Weitere: Wikipedia (russisch): Tajoschny klestsch, Gnus. Stand: Oktober 2026.
