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Forschungsblatt · Kultur & Geschichte

Iwolginski-Datsan: Zentrum des Buddhismus in Russland

Buddhistisches Kloster im Iwolga-Tal, gegründet 1945

Bereich
Kultur & Geschichte
Stand
· 8 Min. Lesezeit
Verschneite Steppe am Fuß niedriger Hügel an einem klaren Wintermorgen mit einer Reihe kleiner weißer Stupas in der Ferne
Abb. 1Wintermorgen in der Steppe bei Ulan-Ude. Symbolbild
Kurz gesagt

Der Iwolginski-Datsan im Dorf Werchnjaja Iwolga, rund 36 Kilometer westlich von Ulan-Ude, ist nach eigenen Angaben das größte buddhistische Kloster Russlands und Sitz der Traditionellen Buddhistischen Sangha. Er entstand 1945 als eines von zwei Klöstern, die der Sowjetstaat zuließ. Seit 2002 bewahrt er den Leib des 1927 gestorbenen Lamas Daschi-Dorscho Itigelow.

Wo liegt der Iwolginski-Datsan?

Der Datsan liegt im Tal der Iwolga, eines kleinen Nebenflusses der Selenga, am Rand des Dorfes Werchnjaja Iwolga im gleichnamigen Rajon. Bis zum Zentrum von Ulan-Ude, der Hauptstadt Burjatiens, sind es nach Angaben des Klosters 36 Kilometer nach Osten. Rund fünf Kilometer südlich verläuft die Fernstraße A340 von Ulan-Ude zur mongolischen Grenze bei Kjachta. Bis zum nächsten Ufer des Baikalsees bei Possolskoje sind es in der Luftlinie rund 75 Kilometer; das Kloster gehört nicht zum Seeufer, sondern zur Steppenlandschaft Transbaikaliens.

Das Iwolga-Becken ist ein offenes, von Hügeln gerahmtes Tal mit Steppe, Weiden und Feldern. Es gehört zu den ältesten Kulturlandschaften der Region. Unweit liegt die Iwolginsker Ringwallsiedlung, eine Siedlung der Xiongnu aus den letzten Jahrhunderten vor Christus. In derselben Gegend, in der Flur Ulzy Dobo beim heutigen Dorf Orongoi, wurde nach der Überlieferung 1852 der spätere Pandito Chambo-Lama Daschi-Dorscho Itigelow geboren, der heute im Kloster verehrt wird.

Wie entstand das Kloster?

Der Iwolginski-Datsan ist ein Kind des Kriegsendes. Bis 1940 waren in Burjatien alle Klöster geschlossen worden. Nachdem buddhistische Geistliche im Sommer 1944 zur Unterstützung der Armee aufgerufen und Geld gespendet hatten, stellten Gläubige aus der Gegend den Antrag, wieder einen Tempel zu öffnen. Im Mai 1945 genehmigte der Rat der Volkskommissare der Burjat-Mongolischen ASSR die Eröffnung des buddhistischen Tempels „Chambinskoje Sume“ im Ulus Srednjaja Iwolga. Dafür sollte das Gebäude eines ehemaligen Gebetshauses dienen, das 1931 beschlagnahmt worden war.

Die endgültige Entscheidung fiel in Moskau. Der Rat für Angelegenheiten der religiösen Kulte stimmte im September 1945 zu, der Rat der Volkskommissare der UdSSR bestätigte das im Oktober. Am 11. Dezember 1945 meldete der zuständige Bevollmächtigte nach Moskau, der Tempel sei geöffnet und registriert. Am 12. Dezember hielt der Lama Galsan Chaidub den ersten öffentlichen Gottesdienst, im Februar 1946 folgten die Neujahrsgebete zu Sagaalgan. Nach einer Erzählung, die im Kloster weitergegeben wird, zeigte ein weißes Pferd, das von selbst dorthin kam, den Platz für den Tempel an.

JahrEreignis
1945Genehmigung im Mai, erster Gottesdienst im Dezember
1946Neujahrsgebete; Versammlung beschließt Statut der Geistlichkeit
1947–1948erster Haupttempel an den heutigen Platz versetzt
1951amtliche Zuteilung von Land für die Klosteranlage
1970erBau der meisten heutigen Tempel, 1976 neuer Haupttempel
1991Gründung der Buddhistischen Universität
2002Überführung des Leibes von Itigelow
2008Weihe des Palasts für Itigelow
2024Weihe des neuen Haupttempels Zagaalcha

Der erste Tempel stand zunächst in der Flur Oschor Bulag und wurde 1947 und 1948 an den heutigen Ort versetzt; er dient heute als Tempel der philosophischen Fakultät. 1951 wies der Staat dem Kloster amtlich Land zu. Bis zum Ende der Sowjetunion war der Iwolginski-Datsan neben dem Aginski-Datsan in Transbaikalien das einzige zugelassene buddhistische Kloster des Landes. Die meisten seiner Tempel entstanden in den 1970er-Jahren. Wie es zur Zerstörung der älteren Klöster kam und welche Rolle diese im 19. Jahrhundert spielten, beschreibt die Seite über den Buddhismus in Burjatien.

Welche Tempel gehören zur Anlage?

Der Datsan ist eine Anlage aus mehr als einem Dutzend Tempeln, den Dugans, dazu Stupas, Wohnhäusern der Lamas, einer Bibliothek, einem Museum und den Gebäuden der Universität. Ein Rundweg mit Gebetsmühlen umschließt den Kern. Die wichtigsten Bauten nach den Angaben des Klosters:

  • Zogtschen-Dugan Zagaalcha, der neue Haupttempel, geweiht am 6. September 2024; mit 36 mal 32 Metern Grundfläche und 43 Metern Höhe der größte Tempel im burjatischen Siedlungsgebiet. Der Name bedeutet etwa „der die Zeit überschritten hat“.
  • Alter Zogtschen-Dugan, Haupttempel von 1976 bis 2024, in dem heute auf Mongolisch statt auf Tibetisch gebetet wird.
  • Palast des Itigelow, 2008 nach alten Fotografien eines Tempels im Jangaschinski-Datsan errichtet, den Itigelow vor der Revolution selbst hatte bauen lassen.
  • Tschoira-Dugan, der erste Haupttempel von 1945, heute Tempel der philosophischen Fakultät.
  • Dewaschin-Dugan, ein achteckiger zweigeschossiger Bau aus den 1970er-Jahren, dem Reinen Land des Buddha Amitabha gewidmet.
  • Tempel des Maitreya, der Grünen Tara (2010), des Vairocana (2014), des Avalokiteshvara und ein tantrischer Tempel mit einem Sandmandala.
  • Sachjussan-Sume von 1986, ein hölzerner Tempel für die Schutzgottheiten der Lehre.
Ecke eines Tempeldachs mit grün glasierten Ziegeln und bemalten Holzkonsolen in Rot, Blau und Gold
Abb. 2Geschwungene Dächer und bemalte Holzkonsolen folgen tibetischen und chinesischen Vorbildern. Symbolbild

Zur Anlage gehört außerdem ein Gewächshaus mit einem Bodhi-Baum, dessen Setzlinge Lamas 1956 aus Bodhgaya in Indien mitbrachten, wo der Buddha nach der Überlieferung die Erleuchtung erlangte. 2019 eröffnete im Gebäude der Universität ein Museum zur Geschichte des Klosters. Im September 2024 wurde zum 260-jährigen Bestehen des Amtes des Pandito Chambo-Lama ein Denkmal für Katharina die Große und den ersten Chambo-Lama Damba-Darscha Sajajew aufgestellt. Wie viele burjatische Klöster verbindet die Anlage tibetische und chinesische Formen, etwa die geschwungenen Dächer, mit örtlicher Holzbautradition.

Was lehrt die Buddhistische Universität?

Die Buddhistische Universität Daschi Tschoinchorlin wurde 1991 am Kloster gegründet und ist eine nichtstaatliche religiöse Hochschule. Sie bildet Lamas, Lehrer, Übersetzer der kanonischen Texte und Maler religiöser Bilder aus. 2003 erhielt sie den Namen des ersten Pandito Chambo-Lama, Damba-Darscha Sajajew. Der Unterricht folgt dem Studiengang des Goman-Kollegs im tibetischen Kloster Drepung. Die Studenten, burjatisch chuwarak, lernen an vier Fakultäten: Philosophie, Tantra, Ikonografie und Medizin. Nach verfügbaren Angaben studieren dort mehr als 200 junge Männer.

Mit der Universität knüpft der Datsan an die Klosterschulen an, die vor 1917 an vielen Datsanen bestanden und in den 1930er-Jahren verschwanden. Seit der Wiederbelebung des Buddhismus werden burjatische Lamas sowohl hier als auch an buddhistischen Hochschulen in der Mongolei ausgebildet; seit 1993 besteht zudem eine buddhistische Akademie am Aginski-Datsan in Transbaikalien.

Wer war Daschi-Dorscho Itigelow?

Daschi-Dorscho Itigelow war von 1911 bis 1917 als zwölfter Pandito Chambo-Lama das Oberhaupt der Buddhisten Ostsibiriens. Er wurde 1852 geboren, studierte über zwei Jahrzehnte am Anin-Datsan und später an weiteren Klöstern Philosophie und tibetische Medizin und wurde 1904 Vorsteher des Jangaschinski-Datsans. Während des Ersten Weltkriegs organisierte er Sammlungen für die Front und Lazarette. 1917 legte er sein Amt aus Krankheit nieder. Er starb am 15. Juni 1927 und wurde, wie er im Augenblick des Todes saß, im Lotossitz in einer Kiste aus Zedernholz beigesetzt.

Nach der Überlieferung des Klosters bat er seine Schüler, seinen Leib nach 75 Jahren wieder aufzusuchen. Lamas öffneten das Grab nach eigenen Angaben heimlich in den Jahren 1955 und 1972 oder 1973. Am 10. September 2002 ließ der amtierende Pandito Chambo-Lama Damba Ajuschejew den Sarg heben und den Leib in den Iwolginski-Datsan bringen. Seit 2008 ruht er im eigens erbauten Palast. Für die Gläubigen ist Itigelow in einem Zustand tiefer Meditation verblieben; sie verehren seinen Leib als nicht verwest. An einigen Festtagen im Jahr ist er für eine große Zahl von Pilgern zugänglich.

Naturwissenschaftlich ist der Zustand des Leibes nicht abschließend geklärt. Ein Moskauer Gerichtsmediziner, der in den Jahren nach 2002 winzige Proben von Haar, Haut und Nägeln untersuchte, berichtete von gut erhaltenen Eiweißstrukturen, stellte aber ebenso fest, dass es sich um einen Toten handele. Er wies darauf hin, dass der Sarg nach 1973 mit Salz gefüllt worden war, das die Haut ausgetrocknet hatte. Seit Januar 2005 lässt die Sangha keine Untersuchungen mehr zu. Für die burjatische Erneuerung seit den 1990er-Jahren ist die Rückkehr Itigelows nach Darstellung von Religionswissenschaftlern in Ulan-Ude zu einem zentralen Symbol geworden.

Welche Bedeutung hat der Datsan heute?

Der Iwolginski-Datsan ist das geistliche und organisatorische Zentrum der Traditionellen Buddhistischen Sangha Russlands, eines Zusammenschlusses buddhistischer Gemeinden vor allem in Burjatien. Hier residiert seit 1995 der 24. Pandito Chambo-Lama, Damba Ajuschejew. Für viele Burjaten verbindet sich mit dem Kloster die Erinnerung daran, dass die buddhistische Tradition die Sowjetzeit an diesem Ort überdauert hat.

Überdachte Galerie mit bemalten Gebetsmühlen an einem verschneiten Weg
Abb. 3Gläubige umrunden die Tempel entlang der Gebetsmühlen. Symbolbild

Der Jahreslauf des Klosters folgt dem Mondkalender. Die größten Gottesdienste sind Sagaalgan im Winter, das Maidari-Fest im Sommer mit dem Umzug der Figur des künftigen Buddha und die Feste zu Ehren des Buddha und Tsongkhapas. Nach Angaben des Klosters ist der Datsan ein Pilgerziel für Buddhisten aus Russland und dem Ausland. Daneben finden täglich Gebete für die Schutzgottheiten statt, und Gläubige bitten Lamas um Gebete für Familie, Gesundheit und Verstorbene. Der Palast Itigelows ist nur mit einer Pilgerkarte zugänglich.

Häufige Fragen zum Iwolginski-Datsan

Wie weit ist der Iwolginski-Datsan von Ulan-Ude entfernt?

Rund 36 Kilometer westlich des Stadtzentrums, im Dorf Werchnjaja Iwolga. Das Kloster liegt im Tal der Iwolga in der Steppe Transbaikaliens; das nächste Ufer des Baikalsees liegt rund 75 Kilometer entfernt.

Warum heißt das Kloster auch Chambyn Chüree?

Chambyn Chüree bedeutet etwa „Kloster des Chambo-Lama“. Der Name verweist darauf, dass hier das Oberhaupt der burjatischen Buddhisten seinen Sitz hat. Der tibetische Name Gandan Daschi Tschoinchorlin bezeichnet die Klostergemeinschaft.

War der Iwolginski-Datsan in der Sowjetzeit geöffnet?

Ja. Er wurde 1945 mit staatlicher Genehmigung gegründet und war bis zum Ende der Sowjetunion neben dem Aginski-Datsan eines von nur zwei zugelassenen buddhistischen Klöstern des Landes.

Ist der Leib Itigelows wissenschaftlich untersucht?

Nur in kleinem Umfang. Mitte der 2000er-Jahre wurden winzige Proben analysiert; die Ergebnisse wurden unterschiedlich gedeutet. Seit 2005 sind weitere Untersuchungen auf Wunsch der Sangha ausgesetzt.

Quellen: Iwolginski-Datsan: Geschichte und Tempel (offizielle Seite); Batomunkujewa 2023: Vorgeschichte der Gründung des Iwolginski-Datsans, Gumanitarny wektor; Amogolonowa 2010: Die Rückkehr des Chambo-Lama Itigelow, Narody i religii Jewrasii; Abajewa 2019: Geistliche und Laien beim Wiederaufbau der Klöster; ergänzend Wikipedia (ru): Иволгинский дацан, Итигэлов, Даши-Доржо. Stand: Oktober 2026.

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