Am Baikal dauerte der Russische Bürgerkrieg von Dezember 1917 bis November 1922. Im Sommer 1918 vertrieben die Tschechoslowakische Legion und sibirische Truppen die Roten aus Irkutsk und von der Uferbahn. Im Februar 1920 wurde Admiral Koltschak in Irkutsk erschossen, und die Reste seiner Armee zogen über das Eis des Sees nach Osten.
Wie erreichte der Bürgerkrieg den Baikal?
Zuerst als Straßenkampf in Irkutsk, dann mit der Erhebung der Tschechoslowakischen Legion. Im Dezember 1917, wenige Wochen nach der Oktoberrevolution, kämpften in Irkutsk neun Tage lang Rotgardisten gegen Kosaken, Offiziersschüler und Fähnriche. Nach russischen Darstellungen starben über 300 Menschen, rund 700 wurden verwundet. Danach herrschten die Sowjets in der Stadt und in den Dörfern am See, gestützt auf Arbeiterwehren, Bergleute aus Tscheremchowo und Gruppen ehemaliger Kriegsgefangener.
Die Legion bestand aus tschechischen und slowakischen Soldaten, meist ehemaligen Kriegsgefangenen und Überläufern aus der österreichisch-ungarischen Armee, die über Wladiwostok an die Westfront gebracht werden sollten. Ihre Züge standen im Frühjahr 1918 über die ganze Transsibirische Eisenbahn verteilt. Als die Sowjetregierung sie entwaffnen wollte, kam es vom 25. bis 27. Mai an mehreren Stationen zu Gefechten, darunter in Irkutsk. Zusammen mit der antibolschewistischen Sibirischen Armee übernahm die Legion in wenigen Wochen die Bahn. Am 11. Juli 1918 räumten die Roten Irkutsk ohne Kampf; wie die Stadt diese Jahre erlebte, beschreibt die Seite über Irkutsk an der Angara.
Warum wurde 1918 um die Tunnel der Uferbahn gekämpft?
Weil die einzige Bahnverbindung nach Osten durch 38 Tunnel am Steilufer führte. Wer sie sprengte, konnte den Vormarsch für Wochen aufhalten. Die Roten zogen sich im Juli 1918 auf drei Wegen an den See zurück: zu Schiff über Listwjanka, auf der Straße nach Kultuk und mit der Bahn. In der Nacht auf den 16. Juli griffen rund 200 weiße Soldaten die Station Baikal an. Im Gefecht explodierte ein roter Zug mit rund vier Tonnen Dynamit, der für die Sprengung der Tunnel bereitstand. Die Tunnel der Circum-Baikal-Bahn blieben dadurch weitgehend erhalten; die Roten wichen mit dem Eisbrecher „Baikal“ über den See aus.
Am Südende fiel die Entscheidung über die Höhen. Weiße Infanterie und ein tschechisches Bataillon erschienen am 14. Juli in den Bergen über Kultuk und hielten ihre Stellung gegen mehrere Gegenangriffe. Am 19. Juli gaben die Roten Kultuk auf, am 20. Juli fiel Sljudjanka. Beim Rückzug sprengten sie Brücken und den Kirkidai-Tunnel Nr. 39 östlich von Sljudjanka; bis zum 10. August ruhte der Bahnverkehr. Die Geschichte dieser Strecke und ihrer Bauwerke erzählt die Seite über die Circum-Baikal-Bahn.

Am Südufer zwischen Utulik und Murino entwickelte sich danach die schwerste Schlacht dieser Kampagne. Nach Angaben der weißen Seite verloren die Roten Anfang August rund 700 Tote und 2.500 Gefangene, die Weißen rund 70 Tote und 200 Verwundete; unabhängige Zahlen gibt es nicht. Am 16. August landeten weiße und tschechische Truppen mit Dampfern beim Kloster von Possolsk, in der Nacht darauf brannte der Eisbrecher „Baikal“ vor Mysowaja nach Beschuss aus. Am 20. August zogen die Weißen in Werchneudinsk ein, dem heutigen Ulan-Ude. Die rote Front in Transbaikalien brach zusammen.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| Dezember 1917 | Neuntägige Kämpfe in Irkutsk, Sowjetmacht |
| 25.–27. Mai 1918 | Gefechte zwischen Legion und Roten, auch in Irkutsk |
| 11. Juli 1918 | Die Roten räumen Irkutsk |
| 16.–20. Juli 1918 | Station Baikal, Kultuk und Sljudjanka fallen |
| 16.–20. August 1918 | Landung bei Possolsk, Einzug in Werchneudinsk |
| 18. November 1918 | Koltschak wird in Omsk „Oberster Regent“ |
| 24. Dezember 1919 | Aufstand des Politzentrums in Irkutsk beginnt |
| 7. Februar 1920 | Erschießung Koltschaks |
| 11. Februar 1920 | Beginn des Marsches über das Eis |
| 6. April 1920 | Fernöstliche Republik in Werchneudinsk ausgerufen |
| 15. November 1922 | Anschluss der Republik an Sowjetrussland |
Welche Rolle spielte die Regierung Koltschak am See?
Sie regierte das Gebiet aus der Ferne, gestützt auf die Bahn. Am 18. November 1918 übernahm der Admiral Alexander Koltschak nach einem Umsturz in Omsk als „Oberster Regent“ die Führung der weißen Regierung. Die Strecke zwischen Nowonikolajewsk und Irkutsk erklärte die Legion im Januar 1919 zu ihrem Operationsgebiet; ihre Soldaten bewachten Brücken und Tunnel und kämpften gegen Partisanen, waren aber zunehmend kriegsmüde. Östlich des Sees herrschte faktisch der Kosakenataman Grigori Semjonow, gestützt auf japanische Truppen.
Im Herbst 1919 brach die Front im Ural zusammen. Am 14. November fiel Omsk, und die Regierung wich nach Irkutsk aus, wo ihr Ministerrat im Gebäude der Russisch-Asiatischen Bank tagte. Koltschaks eigener Zug kam hinter den Zügen der Legion nur langsam voran und blieb ab dem 27. Dezember in Nischneudinsk stehen, wo die alliierten Vertreter ihn zum Verzicht drängten. Was in diesen Wochen mit der Goldreserve geschah, die er mitführte, beschreibt die Seite über das Zarengold.
Wie endete Koltschak in Irkutsk?
Mit seiner Übergabe an die Gegner und der Erschießung ohne Gerichtsverfahren. In Irkutsk hatten Sozialrevolutionäre und Menschewiki am 12. November 1919 das Politzentrum gegründet, ein Bündnis, das in Ostsibirien einen demokratischen Pufferstaat schaffen wollte. Am 24. Dezember erhoben sich seine Anhänger in der Vorstadt Glaskowo, am 5. Januar 1920 übernahm das Politzentrum die Macht. Die Bolschewiki drohten, die Tunnel am Baikal zu sprengen, falls Koltschak nicht ausgeliefert werde. Am 15. Januar übergab die Legion den Admiral und seinen Ministerpräsidenten Viktor Pepeljajew in Irkutsk dem Politzentrum.
Die Macht des Bündnisses hielt nur gut zwei Wochen. Am 21. Januar gab es sie an das bolschewistische Militärrevolutionäre Komitee ab; am selben Tag begannen die Verhöre Koltschaks vor einer Untersuchungskommission. Als sich weiße Truppen der Stadt näherten, beschloss das Komitee die Erschießung. Im Morgengrauen des 7. Februar 1920 wurden Koltschak und Pepeljajew nach der verbreiteten Darstellung am Ufer der Uschakowka beim Snamenski-Kloster erschossen und in ein Eisloch geworfen. Am selben Tag vereinbarten Rote Armee und Legion bei Kuitun ihren Abzug; die letzten tschechoslowakischen Züge verließen Irkutsk in der Nacht zum 2. März.
Wie zogen die Weißen im Februar 1920 über das Eis?
In mehreren Kolonnen von Westen nach Osten, nachdem der Weg über Irkutsk versperrt war. Nach Koltschaks Tod verzichtete General Sergei Woizechowski auf einen Sturm auf die Stadt. Seine Truppen umgingen Irkutsk und sammelten sich in Bolschoje Goloustnoje am Westufer. Am 11. Februar ging die Ischewsker Division als erste auf das Eis, nachdem einheimische Führer sich geweigert hatten. In den folgenden Tagen überquerten die Einheiten rund 45 Werst bis zur Bahnstation Mysowaja am Ostufer, nach russischen Darstellungen meist in etwa zwölf Stunden je Abteilung.
Insgesamt sollen 30.000 bis 35.000 Menschen den See überquert haben, Soldaten ebenso wie Frauen, Kinder und Verwundete. Auf dem blanken Eis stürzten viele Pferde, Geschütze wurden von Hand gezogen. Wie viele Menschen dabei umkamen, ist nicht belegt; Berichte über Erfrorene gibt es, verlässliche Zahlen nicht. Eine nördliche Kolonne zog über den Baikalrücken nach Ongurjon, überquerte den See zum Ostufer und erreichte über Ust-Bargusin am 14. März Tschita. Den Namen „Großer Sibirischer Eismarsch“ trägt der gesamte Rückzug von Omsk bis Tschita.
Was war die Fernöstliche Republik?
Ein formal unabhängiger Pufferstaat östlich des Baikals, den die Bolschewiki 1920 schufen, um einen Krieg mit Japan zu vermeiden. Japan hatte seit 1918 große Truppenverbände im Fernen Osten stehen. Am 6. April 1920 rief ein Kongress in Werchneudinsk die Republik aus, Sowjetrussland erkannte sie im Mai an. Bei Verhandlungen an der Station Gongota sagte Japan von Mai bis Juli 1920 den Abzug aus Transbaikalien zu. Danach eroberte die Volksrevolutionäre Armee der Republik im Oktober Tschita, das neue Hauptstadt wurde.
Im April 1921 entstand innerhalb der Republik ein Burjat-Mongolisches Autonomes Gebiet, ein Vorläufer der späteren Burjatischen Republik. Japan zog seine letzten Truppen erst im Oktober 1922 aus Wladiwostok ab. Am 15. November 1922 beschloss die Volksversammlung der Fernöstlichen Republik ihre Auflösung, und die Republik wurde Teil Sowjetrusslands. Damit endete der Bürgerkrieg im Osten.
Wie wird heute an den Bürgerkrieg erinnert?
Mit Denkmälern beider Seiten und mit anhaltendem Streit über die Bewertung. An der Circum-Baikal-Bahn liegen Massengräber aus der Zeit von Revolution und Bürgerkrieg. In Irkutsk tragen viele Straßen im Zentrum noch die Namen, die ihnen 1920 gegeben wurden. Seit dem 4. November 2004 steht beim Snamenski-Kloster ein Denkmal für Koltschak, ein Werk des Bildhauers Wjatscheslaw Klykow; am vermuteten Ort der Versenkung erinnert ein Kreuz an ihn. 2006 wurde im Irkutsker Gefängnis eine Ausstellung in seiner früheren Zelle eröffnet.
Juristisch bleibt die Frage offen. 1999 lehnte ein Militärgericht die Rehabilitierung Koltschaks ab, 2001 bestätigte das Militärkollegium des Obersten Gerichts diese Entscheidung; das Verfassungsgericht beanstandete 2000 und 2004 Verfahrensfehler, sodass der Fall formal nicht abgeschlossen ist. Historiker bewerten ihn je nach Standpunkt sehr unterschiedlich, als Polarforscher und Patrioten oder als Verantwortlichen für Gewalt gegen Zivilisten. Die Einordnung in die übrige Geschichte der Region bietet die Zeitleiste der Geschichte des Baikalsees.
Häufige Fragen zum Bürgerkrieg am Baikal
Wo wurde Admiral Koltschak erschossen?
In Irkutsk, nach der verbreiteten Darstellung am Ufer der Uschakowka nahe dem Snamenski-Kloster, wo sie in die Angara mündet. Sein Leichnam wurde in ein Eisloch geworfen und nie gefunden. Das Datum ist der 7. Februar 1920; der Beschluss des Revolutionskomitees trägt nach manchen Angaben das Datum des Vortags.
Liegt der Goldzug Koltschaks im Baikal?
Dafür gibt es keinen Beleg. Der Zug mit der Goldreserve wurde am 1. März 1920 in Irkutsk an die Sowjetmacht übergeben. Die Legenden vom versunkenen Gold knüpfen an die Uferbahn und an den Eismarsch an, passen aber nicht zu den dokumentierten Abläufen.
Wer war die Tschechoslowakische Legion?
Ein Korps aus tschechischen und slowakischen Soldaten, das im Ersten Weltkrieg auf russischer Seite gegen Österreich-Ungarn gekämpft hatte. Nach der Revolution sollte es über Wladiwostok nach Frankreich gebracht werden. Seine Erhebung im Mai 1918 gab den Weißen in Sibirien die Kontrolle über die Bahn.
Warum hieß die Hauptstadt der Fernöstlichen Republik zuerst Werchneudinsk?
Weil die heutige Hauptstadt Burjatiens bis 1934 so hieß; erst dann wurde sie in Ulan-Ude umbenannt. Werchneudinsk war von April bis Oktober 1920 Sitz der Republik, danach Tschita.
Wie viele Menschen starben im Bürgerkrieg am Baikal?
Eine Gesamtzahl für die Region ist nicht belegt. Für einzelne Ereignisse gibt es Angaben, etwa über 300 Tote bei den Kämpfen in Irkutsk im Dezember 1917. Die Verluste der Kämpfe am Südufer 1918 sind nur aus Berichten einer Seite überliefert, für den Marsch über das Eis fehlen Zahlen ganz.
Quellen: Bersnewa, I. W. (2008): Der politische Fehlgriff der gemäßigten Sozialisten, Via in tempore 8 (Politzentrum, Aufstand in Irkutsk); Chatschaturow, R. L. (2020): Die Untersuchung im Fall Admiral Koltschak, Juristischer Bote der Universität Samara; Kokoulin, W. G. (2003): Die Gründung der Fernöstlichen Republik, Rossija i ATR; Wikipedia (russisch): Kämpfe an der Baikalfront 1918; Wikipedia (russisch): Großer Sibirischer Eismarsch. Weitere: Wikipedia (russisch): Aufstand des Tschechoslowakischen Korps, Koltschak, Fernöstliche Republik, Irkutsk, Circum-Baikal-Bahn. Stand: Oktober 2026.
