Blatt Baikal · 51°28′–55°47′ N · 103°43′–109°58′ OWissens- und Reiseportal · Stand Oktober 2026

Forschungsblatt · Orte & Olchon

Inseln im Baikalsee: Olchon, Uschkani, Ogoi und mehr

Von der Steppeninsel Olchon bis zur schmalen Sandinsel Jarki im Norden

Bereich
Orte & Olchon
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· 9 Min. Lesezeit
Kleine Felsinsel mit windgebeugten Lärchen im ruhigen Wasser, dahinter braune Steppenhügel
Abb. 1Eine kleine Felsinsel im Kleinen Meer. Symbolbild
Kurz gesagt

Im Baikalsee liegen je nach Zählweise 22 bis 30 Inseln, meist werden 27 genannt. Die größte ist Olchon mit rund 730 Quadratkilometern. Alle übrigen sind klein: Felsinseln im Kleinen Meer und in der Tschiwyrkui-Bucht, die vier Uschkani-Inseln mitten im See und flache Sandinseln wie Jarki im Norden. Viele sind Brutplätze von Möwen oder Liegeplätze der Baikalrobbe.

Wie viele Inseln hat der Baikalsee?

Am häufigsten wird die Zahl 27 genannt, ältere und andere Quellen kommen auf 22 bis 30 Inseln. Die Unterschiede entstehen, weil nicht festgelegt ist, ab welcher Größe ein Felsen als Insel zählt, und weil Sandinseln im Norden bei steigendem Wasser in mehrere Teile zerfallen. Russische Darstellungen zählen zwölf größere Inseln und rechnen die übrigen zu einer Reihe kleiner Eilande.

Verteilt sind die Inseln sehr ungleich. Die meisten liegen im Kleinen Meer zwischen Olchon und dem Westufer, eine Gruppe von vier Inseln liegt im Zentrum des Sees, eine weitere in der Tschiwyrkui-Bucht im Nordosten, und am Nordende trennen Sandinseln das Delta der Oberen Angara vom See. Im Südbecken fehlen Inseln fast ganz. Dort ragt nur ein kleiner Fels aus dem Wasser: Schaman-Kamen am Abfluss der Angara, der einzige über Wasser liegende Teil der Felsschwelle, über die der See in den Fluss übergeht.

InselLageGrößeBesonderheit
OlchonWestufer, Mittelbeckenrund 730 km², rund 72 km langeinzige ständig bewohnte Insel
Bolschoi UschkaniMittelbecken, vor Swjatoi Nosrund 9,4 km², rund 215 m über dem Seehöchster Teil des Akademikerrückens
Tonki, Krugly, Dolgineben Bolschoi Uschkanije rund 0,1–0,2 km²Liegeplätze der Baikalrobbe
OgoiKleines Meerrund 2,9 km lang, bis 0,6 km breitgrößte Insel des Kleinen Meeres, Stupa von 2005
Schochoi, Oltrek, Chubin u. a.Kleines Meerkleine FelsinselnNaturdenkmäler mit Möwenkolonien
BaklaniTschiwyrkui-Buchtgrößte der Inseln in der BuchtLärchenwald bis ans Wasser
Bolschoi KyltygeiTschiwyrkui-Buchtbis rund 60 m über dem SeeVogelkolonien, Lärchenwald
JarkiNordende, vor Nischneangarskrund 11 km lang, rund 1,8 km²Sandinsel, schrumpft seit dem Aufstau

Wie sind die Inseln des Baikalsees entstanden?

Die Inseln des Baikals gehören zu zwei grundverschiedenen Typen: Felsinseln aus sehr altem Gestein, die das Rift aus dem Wasser gehoben hat, und junge Sandinseln, die Flüsse angeschwemmt haben. Der Baikal liegt in einem Grabenbruch, in dem die Erdkruste seit 25 bis 30 Millionen Jahren auseinanderweicht. Dabei sind nicht nur die Becken abgesunken, sondern einzelne Krustenblöcke stehen geblieben oder wurden gehoben. Wo ihre Oberkante über den Seespiegel reicht, entstehen Inseln.

Das deutlichste Beispiel ist der Akademikerrücken, eine rund 100 Kilometer lange Schwelle am Seegrund, die das mittlere vom nördlichen Becken trennt. Sie zieht von Olchon nach Nordosten und erhebt sich nach russischen Angaben bis zu 1.848 Meter über den Grund des Sees. Olchon bildet ihren südwestlichen Rand, die Uschkani-Inseln sind ihre höchsten Gipfel. Beide bestehen aus Gesteinen der Erdfrühzeit: Olchon aus archaischen Gneisen, Marmoren, Quarziten und Graniten, die Uschkani-Inseln vor allem aus kristallinem Kalkstein und Marmor.

Auch die Felsinseln in den Buchten sind Reste alten Grundgebirges. In der Tschiwyrkui-Bucht bestehen Inseln wie Baklani aus alten kristallinen Gesteinen. Der Geologe G. L. Dmitrijew sah in ihnen einen Hinweis, dass der Grund des früheren Sundes zwischen Swjatoi Nos und dem Ostufer stark gegliedert war. Swjatoi Nos selbst zeigt, dass sich die Inselwelt verändert: Das Massiv war vor einigen Jahrtausenden eine Insel, bis Flusssand und Sturmwälle den Sund füllten, wie die Seite über die Halbinsel Swjatoi Nos erklärt.

Den Gegentyp bilden die Sandinseln am Nordende. Sie sind Nehrungen aus Material, das die Flüsse Obere Angara und Kitschera in den See tragen und Wellen zu langen Wällen formen. Solche Inseln sind jung, niedrig und empfindlich gegenüber jeder Änderung des Wasserstands.

Was macht Olchon zur Ausnahme?

Olchon ist die einzige große und die einzige ständig bewohnte Insel des Sees. Sie ist rund 72 Kilometer lang, je nach Quelle 10 bis über 20 Kilometer breit, und erreicht mit dem Berg Schima rund 1.275 Meter, gut 800 Meter über dem Seespiegel. Rund 1.700 Menschen leben auf ihr, die meisten im Hauptort Chuschir. Mit 730 Quadratkilometern ist Olchon fast achtzigmal so groß wie Bolschoi Uschkani, die zweitgrößte Insel des Sees. Landschaft, Siedlungen und Geschichte der Insel beschreibt die Seite über Olchon, die größte Insel im Baikalsee.

Welche Inseln liegen im Kleinen Meer und in der Tschiwyrkui-Bucht?

Im Kleinen Meer liegt die größte Zahl kleiner Inseln des Sees. Die größte ist Ogoi, knapp drei Kilometer lang, mit einem buddhistischen Stupa von 2005 auf ihrem höchsten Punkt. Daneben stehen zahlreiche steile, turmartige Felsinseln. Neun von ihnen, darunter Schochoi, Oltrek, Chubin und Bolschoi Tainik, sind als zoologische Naturdenkmäler des Pribaikalski-Nationalparks geschützt, weil auf ihnen große Möwenkolonien brüten. Buchten, Inseln und Wasser dieses Seeteils behandelt die Seite über das Kleine Meer zwischen Olchon und Festland.

In der Tschiwyrkui-Bucht zwischen Swjatoi Nos und dem Ostufer zählt die Parkverwaltung sieben Inseln: Baklani, Bolschoi Kyltygei, Maly Kyltygei, die Insel Jelena, Okunewy Kameschek, Bely Kamen und Kopjoschka. Andere Darstellungen nennen fünf, weil sie die kleinsten Felsen nicht mitzählen. Baklani, die größte, ist von einem Lärchenwald bedeckt, der vom Grat bis ans Wasser reicht. Bolschoi Kyltygei ragt rund 60 Meter über den See; auf ihm wachsen Lärchen und ein weißer Mohn, den die Parkverwaltung als rätselhaften Endemiten des Baikals bezeichnet. Auf Maly Kyltygei, einem kahlen Felsen, nisten Kormorane und Möwen an Simsen und senkrechten Wänden.

Weil die Pflanzen- und Tierwelt dieser kleinen Inseln besonders verletzlich ist, hat die Parkverwaltung das Betreten ohne Genehmigung und ohne Begleitung durch Mitarbeiter des Parks untersagt.

Warum sind die Uschkani-Inseln so bekannt?

Die Uschkani-Inseln tragen die größten Liegeplätze der Baikalrobbe im ganzen See. Die Gruppe aus vier Inseln liegt mitten im Mittelbecken, rund acht Kilometer nordwestlich von Swjatoi Nos. Bolschoi Uschkani misst rund 9,4 Quadratkilometer, die ganze Gruppe rund 9,8, und die Hauptinsel ragt rund 215 Meter über den Seespiegel. Die drei kleinen Inseln heißen Tonki, Krugly und Dolgi. Im Sommer liegen auf den Felsen rund um die Inseln nach Angaben der Parkverwaltung Hunderte Robben, in manchen Jahren bis zu 3.000. Der größte einzelne Liegeplatz liegt am Westufer von Tonki.

Der Name erinnert an die Robben. „Uschkan“ ist ein altes sibirisches Wort für Hase. Russische Siedler nannten die Baikalrobben im 17. Jahrhundert nach dem Vorbild der „Meereshasen“ am Weißen Meer Hasen, und auf der Karte von Semjon Remesow erscheinen die Inseln als „Haseninseln“. Später ersetzte das sibirische Wort die ältere Form. Lage, Geologie, Tierwelt und Schutz der Inselgruppe beschreibt die Seite über die Uschkani-Inseln.

Warum schrumpft die Sandinsel Jarki?

Jarki schrumpft, weil der Seespiegel seit dem Bau des Irkutsker Staudamms höher steht und Wellen den lockeren Sand abtragen. Die Insel liegt am Nordende des Sees südöstlich von Nischneangarsk und ist eine angeschwemmte Sandnehrung aus dem Material von Kitschera und Oberer Angara. Sie ist rund elf Kilometer lang, aber nur 20 bis 100 Meter breit, und wird vom Festland durch die bis 150 Meter breite Mündung der Kitschera getrennt. Auf ihr wachsen vor allem niedrige Birken und Zwergkiefern.

Lange, flache Sandinsel mit Dünen, Gras und Treibholz zwischen offenem Wasser
Abb. 2Eine flache Sandinsel im Norden. Symbolbild

Östlich von Jarki setzt sich eine Kette weiterer Sandinseln fort, getrennt durch Mündungsarme der Oberen Angara; ein Teil davon heißt Insel Millionny. Zusammen ziehen sich diese Inseln über mehr als 17 Kilometer und trennen das Delta vom offenen See ab. Dahinter liegt die flache Lagune Angarski Sor. Als der Damm an der Angara den Baikal ab 1958 anhob, im langjährigen Mittel um rund 0,7 bis 1 Meter und in den 1960er-Jahren zeitweise um 1,2 bis 1,3 Meter (Wasserstand und Staudamm), begann die Brandung an den Inseln zu nagen. Nach russischen Angaben ging die Fläche von Jarki von 3,7 auf 1,8 Quadratkilometer zurück, das Ufer wich um 100 bis 350 Meter zurück, und von der Ostseite löste sich ein weiteres Stück als eigene kleine Insel. Der Name leitet sich von „Jar“ ab, einem russischen Wort für einen Uferhang.

Wie verändern sich die Inseln im Jahreslauf?

Im Frühjahr und Sommer werden viele kleine Inseln zu Brutplätzen. Auf den Felsinseln im Kleinen Meer und in der Tschiwyrkui-Bucht brüten Möwen in großer Zahl, auf Maly Kyltygei auch Kormorane. Der Große Kormoran war am Baikal durch menschliche Verfolgung verschwunden und ist nach Angaben der Parkverwaltung inzwischen zurückgekehrt. Ebenfalls im Sommer, wenn das Eis verschwunden ist, sammeln sich die Baikalrobben auf den Uferfelsen der Uschkani-Inseln, um auf den Steinen zu ruhen.

Die abgelegenen Inseln zeigen auch, wie unterschiedlich der Mensch das Ufer belastet. Das Limnologische Institut in Irkutsk beobachtet seit etwa 2010 eine Massenvermehrung fädiger Grünalgen der Gattung Spirogyra in fast der gesamten Uferzone des Sees, am stärksten nahe den Siedlungen. Ausgenommen sind nach einem Bericht des Instituts von 2025 die Uschkani-Inseln.

Im Winter frieren die Inseln im Eis fest. An den Felsufern von Ogoi, der Uschkani-Inseln und anderer Inseln bilden sich Spritzeiskrusten, Eiszapfen und kleine Grotten, die vom Eis aus zugänglich werden. Im Kleinen Meer liegen Ogoi und ihre Nachbarinseln dann mitten in einer geschlossenen Eisfläche.

Häufige Fragen zur Inselwelt des Baikalsees

Wie heißt die größte Insel im Baikalsee?

Die größte Insel ist Olchon mit rund 730 Quadratkilometern. Sie ist damit fast achtzigmal so groß wie die größte Uschkani-Insel. Weltweit gehört Olchon zu den größten Inseln in einem See, die Angaben zur genauen Rangfolge unterscheiden sich je nach Liste.

Wohnen Menschen auf den kleinen Inseln?

Ständig bewohnt ist nur Olchon. Auf Bolschoi Uschkani bestand eine kleine Siedlung, die 2023 als Ortschaft aufgehoben wurde. Die übrigen Inseln sind unbewohnt, und die meisten stehen als Teil von Nationalparks unter Schutz.

Was ist der Akademikerrücken?

Der Akademikerrücken ist eine rund 100 Kilometer lange Schwelle am Seegrund zwischen Olchon und den Uschkani-Inseln. Er trennt das mittlere vom nördlichen Becken und erhebt sich bis 1.848 Meter über den Grund. Seine höchsten Teile ragen als Uschkani-Inseln aus dem Wasser.

Gibt es im Süden des Baikalsees Inseln?

Kaum. Das Südbecken ist fast inselfrei. Bekannt ist nur der kleine Fels Schaman-Kamen am Abfluss der Angara, der als einziger Teil der Felsschwelle am Ausfluss aus dem Wasser ragt.

Warum ist Swjatoi Nos keine Insel mehr?

Ein flacher Sund trennte das Bergmassiv einst vom Ostufer. Die Flüsse Bargusin und Maly Tschiwyrkui trugen so viel Sand und Schlamm heran, dass er zuwuchs. Heute verbindet eine sumpfige Landenge mit über 200 Strandwällen die Halbinsel mit dem Festland.

Quellen: Sapowednoje Podlemorje: Sabaikalski-Nationalpark (Uschkani-Inseln, Swjatoi Nos); Sapowednoje Podlemorje: Sehenswürdigkeiten (Inseln der Tschiwyrkui-Bucht, Uschkani-Inseln); Limnologisches Institut Irkutsk: On the question – if Spirogyra disappeared? (2025); Priroda Baikala: Insel Jarki; G. L. Dmitrijew: Sedimentation auf der Landenge von Swjatoi Nos; Große Sowjetische Enzyklopädie: Olchon; Wikipedia: Olchon; Wikipedia (russisch): Байкал, Ушканьи острова, Ярки (остров, Байкал), Огой, Прибайкальский национальный парк. Stand: Oktober 2026.

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