Blatt Baikal · 51°28′–55°47′ N · 103°43′–109°58′ OWissens- und Reiseportal · Stand Oktober 2026

Forschungsblatt · Eis

Baikal-Eismarathon: Laufen auf dem zugefrorenen See

42 Kilometer über das Südbecken, von Ufer zu Ufer

Bereich
Eis
Stand
· 8 Min. Lesezeit
Zwei Reihen kleiner orangefarbener Markierungsfähnchen führen über schneefreies Eis bis zum Horizont
Abb. 1Eine markierte Strecke über das Eis. Symbolbild
Kurz gesagt

Der Baikal-Eismarathon ist ein Lauf über den zugefrorenen Südteil des Sees, zwischen Tanchoi am Südostufer und Listwjanka am Nordwestufer. Die Strecke misst 42,195 Kilometer, die Luftlinie rund 38. Er fand seit 2005 achtzehnmal statt, meist Ende Februar oder Anfang März. Zuletzt lief er am 27. Februar 2022.

Was ist der Baikal-Eismarathon und seit wann gibt es ihn?

Der Baikal-Eismarathon ist ein Langstreckenlauf, der ganz auf dem Eis des Sees stattfindet, quer über das Südbecken von einem Ufer zum anderen. Er wurde erstmals 2005 ausgetragen: Ein Bericht von Radio Free Europe zählte den Lauf von 2013 als neunte offizielle Austragung, ein Bericht von 2019 sprach vom fünfzehnten Lauf. Bis 2022 fand er nach Angaben seines Organisators achtzehnmal statt.

Begründer und seither Leiter ist der Irkutsker Alexei Nikiforow, der seine Laufbahn nach eigener Darstellung in der sowjetischen Reiseorganisation Intourist begann und am Baikal zahlreiche Natur- und Abenteuerprojekte angestoßen hat. Der Lauf trägt das Motto „Für den Erhalt reinen Wassers“ und versteht sich als Hinweis auf den Schutz des Sees. Er gehörte zum Programm der „Simniada“, eines Festivals der Wintersportarten am Baikal, das die Tourismusagentur der Oblast Irkutsk als Aushängeschild der Wintersaison bezeichnet und das 2025 zum 22. Mal stattfand.

Wo verläuft die Strecke über das Eis?

Die Strecke führt durch das Südbecken zwischen Tanchoi am Südostufer in Burjatien und Listwjanka am Nordwestufer in der Oblast Irkutsk, am Ausfluss der Angara. Die Luftlinie zwischen beiden Ufern beträgt nach Angaben Nikiforows rund 38 Kilometer, die Laufstrecke 42,195 Kilometer. Die gut vier Kilometer Unterschied dienen dazu, gefährliche Stellen zu umgehen, der Kurs biegt deshalb je nach Eislage nach links oder rechts aus. Über dem Südbecken ist der See hier über einen Kilometer tief. Den Zielort beschreibt die Seite über Listwjanka am Ausfluss der Angara.

Reihe schlichter Holzstangen in regelmäßigen Abständen auf dunklem, schneefreiem Eis bis zum Horizont
Abb. 2Markierungen auf dem Eis bei tiefer Sonne. Symbolbild

Die Trasse wird jedes Jahr neu festgelegt. Nach einem Bericht des Magazins Techinsider stützt sie sich auf Satellitendaten zu Rissen im Eis und wird erst am Tag vor dem Lauf bestätigt. 2019 verlief sie wegen des Wetters und des Eiszustands deutlich weiter westlich als im Jahr zuvor. Markiert wurde die Strecke 2013 mit kniehohen roten Fähnchen. Etwa alle fünf Kilometer stehen Versorgungspunkte mit Tee und Imbiss, die mit Luftkissenbooten auf das Eis gebracht werden. Der Halbmarathon endet nach 21 Kilometern mitten auf dem See.

Welche Bedingungen herrschen auf dem Eis?

Gelaufen wird auf einer Eisdecke, die im März meist rund anderthalb Meter dick ist, bei Frost, Wind und wechselndem Untergrund. Glattes, blank gefegtes Eis wechselt mit Schneefeldern und Buckeln, an denen Schollen zusammengefroren sind. Die Läufer tragen Laufschuhe mit Spikes oder Spike-Überzügen, Sturmhauben und Klebeband auf der Haut gegen Erfrierungen. Wie die Eisdecke im Lauf des Winters wächst und wann sie am dicksten ist, beschreibt die Seite zur Eissaison und Eisdicke.

Die Temperaturen schwanken stark. Beim Lauf 2013 zeigte das Thermometer am Start minus 11 Grad, 2017 war es mit rund minus 11 Grad ebenfalls vergleichsweise mild. 2018 dagegen musste der Lauf nach 21 Kilometern abgebrochen werden: Bei minus 31 Grad und Böen bis 108 Kilometer pro Stunde wurde nur der Halbmarathon gewertet, an dem 153 Läufer teilnahmen. Hinzu kommt die Weite. Die flache, kaum gegliederte Fläche macht es schwer einzuschätzen, wie weit man schon gelaufen ist.

Die größte Unbekannte ist das Eis selbst. Durch das Südbecken ziehen sich große Dauerrisse, die sogenannten Hauptspalten, die sich mit der Temperatur öffnen und schließen. Vor dem Lauf 2022 war eine solche Spalte zwischen Bolschije Koty und Kap Kadilny nach den Eisbeobachtungen der Organisatoren stellenweise zwei Meter breit. Nikiforow berichtete 2025 in einem Interview der Nowaja Gaseta, wie bei einem Lauf an einer Spalte unmittelbar nach den letzten Läufern Wasser aufstieg und wie das Eis bei einer anderen Austragung kurz nachdem alle die Strecke verlassen hatten, auf der Trasse 15 bis 20 Meter auseinanderwich.

Wie wird die Sicherheit auf dem Eis organisiert?

Die Sicherheit beruht vor allem auf der Wahl der Trasse und auf Beschränkungen beim Teilnehmerfeld. Nach den Regeln von 2022 wurde der Lauf in Abstimmung mit dem regionalen Katastrophenschutz- und Rettungsdienst der Oblast Irkutsk ausgerichtet. Nikiforow beschreibt, dass er die Strecke vor dem Start über Wochen selbst abging, mit hinzugezogenen Fachleuten Risse und Bewegungen des Eises beobachtete und den Läufern seine Beobachtungen vorab zuschickte. 2015 etwa fror das Südbecken erst am 6. Februar zu, am 12. Februar war das Eis 15 Zentimeter dick; in der letzten Nacht vor dem Start ging er nach eigener Aussage noch zweimal hinaus, um Bewegungen des Eises zu prüfen.

Zugelassen waren 2022 nur Volljährige, die in den drei Jahren zuvor einen Marathon unter 4:05 Stunden oder einen Halbmarathon unter 2:10 Stunden gelaufen waren; wer langsamer war, musste vorab ein mehrtägiges Training vor Ort absolvieren. Für den Marathon gelten sechs, für den Halbmarathon vier Stunden Zeitlimit. Die Zahl der Starter wird begrenzt: 2019 gingen 130 Läufer aus 24 Ländern an den Start, obwohl dreimal so viele Anmeldungen eingegangen waren. Eine Freigabe wie bei den offiziellen Eisstraßen auf dem Baikalsee, für die eine Kommission die Eisdicke prüft, ist für den Lauf in den ausgewerteten Quellen nicht beschrieben.

Wie viele Läufer nehmen teil und wer war am schnellsten?

Am Start standen meist zwischen gut hundert und rund zweihundert Läuferinnen und Läufer. Das Kulturmagazin Kulturaustausch des Instituts für Auslandsbeziehungen nennt rund 140 Teilnehmer aus bis zu fünfzig Ländern als üblich. Für 2016 berichtete der russische Sender Westi von Läufern aus rund fünfzig Ländern, für 2017 der US-Sender PBS von 200 Anmeldungen aus 32 Ländern, 2019 waren es 130 aus 24 Ländern.

Die schnellste bekannte Zeit liegt bei 2:53:26 Stunden. Sie lief 2017 nach dem Bericht von PBS ein Läufer aus Polen. Schon 2013 hatte Radio Free Europe von einem Irkutsker Läufer mit einer Zeit von 2 Stunden 53 Minuten berichtet. Für viele Teilnehmer steht die Zeit allerdings nicht im Vordergrund, sondern das Ankommen.

JahrEreignisQuelle
2005erste Austragungabgeleitet aus Zählung 2013 und 2019
20139. Lauf, rund 140 Läufer, minus 11 °CRadio Free Europe
2017200 Anmeldungen aus 32 Ländern, Bestzeit 2:53:26 hPBS NewsHour
201814. Lauf, Abbruch nach 21 km bei minus 31 °CSnob
201915. Lauf, 130 Läufer aus 24 LändernSnob
27.02.2022bislang letzte, 18. AustragungNowaja Gaseta
2023–2025kein LaufNowaja Gaseta, Kulturaustausch

Findet der Eismarathon derzeit statt?

Seit 2022 ist kein Lauf mehr belegt. Die bislang letzte Austragung fand am 27. Februar 2022 statt. Für 2024 lagen nach dem Bericht von Kulturaustausch nur fünf Anmeldungen aus dem Ausland vor, der Lauf entfiel. Im Januar 2025 berichtete die Nowaja Gaseta, dass er zum dritten Mal in Folge nicht stattfinde. Die Internetseite des Laufs nannte im Oktober 2026 weiterhin den 27. Februar 2022 als Termin. Eine Austragung 2026 ließ sich aus den ausgewerteten Quellen nicht belegen.

Unabhängig vom Lauf gilt: Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in die Russische Föderation (Stand 21. Oktober 2026). Was das für eine Reise an den Baikal bedeutet, erklärt die Seite zur aktuellen Reiselage. Was beim Aufenthalt auf dem Eis zu beachten ist, beschreibt die Seite Winter auf dem Eis.

Welche anderen Wettbewerbe gibt es auf dem Eis?

Der Marathon ist nicht der einzige Wettbewerb auf dem gefrorenen See. Viele davon gehören zum Programm der Simniada, die 2025 elf Veranstaltungen umfasste. Die folgende Übersicht nennt nur Wettbewerbe, die in Berichten regionaler und überregionaler Medien beschrieben sind.

WettbewerbArtBelegte Angaben
„Ledowy schtorm“ (Eissturm)Etappenrennen auf Ski, Schlittschuhen oder Fahrradrund 200 km in drei Tagen, 2025 zum 14. Mal, 84 Teilnehmer, Start im Kleinen Meer
Swirsker RennenEisschnelllauf über 100 bis 2.000 m2025 Auftakt der Simniada
EisgolfGolf auf Eis und Schneeseit 2004, jeweils im März
EissegelnRennen mit Eisseglern auf KufenBaikal-Pokal seit 1990, im Frühjahr
„Baikalskaja milja“Beschleunigungsrennen für Autos und Motorrädererstmals im März 2019
EisangelnMannschaftswettbewerbjährlich im März, nach Medienangaben über tausend Teilnehmer

Häufige Fragen zum Baikal-Eismarathon

Wie dick ist das Eis unter der Laufstrecke?

Ein Fernsehbericht vom Lauf 2016 nannte rund anderthalb Meter Eis unter den Füßen der Läufer. Die Dicke schwankt aber von Winter zu Winter und entlang der Strecke, vor allem an Rissen und Pressungen.

Warum ist der Lauf länger als die Entfernung zwischen den Ufern?

Die Ufer liegen in Luftlinie rund 38 Kilometer auseinander. Die Marathondistanz ist mit 42,195 Kilometern länger, und die Trasse nutzt den Unterschied, um Risse, Pressungen und unsichere Stellen zu umgehen.

Gibt es auch eine kürzere Distanz?

Ja. Neben dem Marathon wurde ein Halbmarathon über 21 Kilometer angeboten, der mitten auf dem See endet. 2018 wurde wegen Kälte und Sturm nur diese Distanz gewertet.

Wie kalt kann es beim Lauf werden?

Die belegten Starttemperaturen reichen von rund minus 11 Grad bis minus 31 Grad im Jahr 2018. Gefährlicher als die Temperatur allein ist der Wind, der die gefühlte Kälte stark erhöht.

Wer kann teilnehmen?

Nach den zuletzt veröffentlichten Regeln nur Erwachsene, die eine schnelle Marathon- oder Halbmarathonzeit aus den Vorjahren nachweisen. Die Zahl der Startplätze ist begrenzt. Ob und wann wieder ein Lauf stattfindet, ist offen (Stand Oktober 2026).

Quellen: Nowaja Gaseta, 18.01.2025: Interview mit Alexei Nikiforow; Kulturaustausch (ifa), 01/2024: Icy marathon on Lake Baikal; Radio Free Europe/Radio Liberty (2013): Running across Lake Baikal; PBS NewsHour, 13.03.2017; Techinsider: Wettbewerbe auf dem Eis des Baikals; Irkutsk Segodnja, 06.02.2025: Simniada; Auswärtiges Amt: Russische Föderation, Reise- und Sicherheitshinweise. Weitere: Snob (05.03.2019), Westi (07.03.2016). Stand: Oktober 2026.

Baikalsee.info

Sieben Stationen

  1. Der SeeTiefe · Wasser
  2. EisKlareis · Eishügel
  3. Natur & TiereNerpa · Omul
  4. Orte & OlchonOlchon · Irkutsk
  5. Kultur & GeschichteBurjaten · Transsib
  6. Wissenschaft & UmweltForschung · Umwelt
  7. ReiseReisezeit · Lage

Reiselage Das Auswärtige Amt warnt derzeit vor Reisen nach Russland. Aktueller Stand: auswaertiges-amt.de