Baden kann man im Baikalsee, aber das Wasser ist kalt. Im offenen See erreicht die Oberfläche im August meist 10 bis 16 °C, in flachen Buchten wie der Tschiwyrkui-Bucht 20 bis 24 °C. Unterhalb von rund 300 Metern bleibt es ganzjährig bei 3,1 bis 3,4 °C. Am angenehmsten ist es von Mitte Juli bis Ende August.
Wie warm ist das Wasser im Baikalsee im Jahreslauf?
Kalt, mit einem kurzen Sommerhoch: Von Januar bis Mai liegt die Oberfläche unter dem Eis bei knapp über 0 °C, nach dem Eisaufbruch erwärmt sie sich nur langsam, und erst im August erreicht der offene See an der Oberfläche seine Höchstwerte von meist 10 bis 16 °C. In der Tiefe ändert sich über das Jahr fast nichts.
Messfahrten des Limnologischen Instituts in Irkutsk zeigen den Verlauf an konkreten Zahlen. Zwischen dem 29. Mai und dem 12. Juni 2024 lag die Oberflächentemperatur an den Stationen im offenen See im Mittel bei 2,8 °C, an einigen Stellen bei unter 2 °C. Wärmer war es nur in der flachen Tschiwyrkui-Bucht mit 7,8 °C. Bei einer Rundfahrt vom 16. September bis 1. Oktober 2025 maßen die Forscher im Mittel 12,8 °C, mit Werten zwischen 9,1 °C in der Mitte des Südbeckens und 14,0 °C vor Marituj am Südwestufer.
| Zeitraum | Offener See, Oberfläche | Flache Buchten und Sore | Ab rund 300 m |
|---|---|---|---|
| Januar bis April (Eisdecke) | knapp über 0 °C unter dem Eis, darunter bis rund 4 °C | unter dem Eis knapp über 0 °C | 3,1–3,4 °C |
| Mai bis Anfang Juni | meist 2–5 °C | Ende Mai rund 8–18 °C, je nach Bucht | 3,1–3,4 °C |
| Juni (Frühjahrsdurchmischung) | bis 300 m Tiefe rund 4 °C | deutlich wärmer | 3,1–3,4 °C |
| Juli bis August | meist 10–16 °C, bei Auftrieb kurzzeitig 4 °C | 19–24 °C | 3,1–3,4 °C |
| September | rund 9–14 °C | Anfang September 14–16 °C | 3,1–3,4 °C |
| Oktober bis November (Herbstdurchmischung) | bis 300 m Tiefe rund 4 °C | Zufrieren der Sore ab Ende Oktober | 3,1–3,4 °C |
Die Werte sind gerundete Spannen aus mehreren Quellen. Ältere sowjetische Lehrbücher nennen für den offenen See im August 9 bis 12 °C und an den Ufern bis 20 °C, neuere Übersichten bis rund 16 °C in den Hauptbecken. Die Unterschiede hängen vom Jahr, vom Messort und vom Wind ab; ein warmer Sommer kann einige Grad mehr bringen, eine Woche mit Nordwestwind einige Grad weniger. Über die Jahrzehnte ist das Oberflächenwasser zudem wärmer geworden: Stephanie Hampton und Kollegen ermittelten 2008 einen Anstieg um 1,21 °C seit 1946.
Warum bleibt der Baikalsee so kalt?
Weil die Sonne im kurzen Sommer nur eine dünne Schicht einer riesigen, sehr kalten Wassermasse erwärmen kann. In den obersten 100 Metern liegen nur rund zwölf Prozent des Seevolumens, und selbst diese Schicht wird von Wind und Wellen immer wieder mit kaltem Tiefenwasser durchmischt.
Mehrere Faktoren wirken zusammen. Die Eisdecke hält bis in den Mai, im Norden teils bis in den Juni, und so lange kann sich das Wasser an der Oberfläche kaum erwärmen. Nach dem Eisaufbruch muss sich die oberste Schicht erst auf 4 °C erwärmen; bis dahin sinkt erwärmtes Wasser ab und vermischt sich mit der Tiefe, weil Wasser bei 4 °C am dichtesten ist. Erst danach kann sich eine warme Oberflächenschicht bilden, und auch sie ist nach Untersuchungen, die Moore und Kollegen 2009 zusammengefasst haben, nur für etwa sieben Wochen zwischen Ende Juli und Anfang September stabil.
Dazu kommt der Wind. Kräftiger Nordwestwind schiebt das warme Oberflächenwasser vom Westufer weg, und von unten steigt kaltes Wasser nach. Dieser Auftrieb kann die Oberflächentemperatur am Westufer innerhalb weniger Stunden von 14 bis 16 °C auf rund 4 °C fallen lassen. Wer im Sommer an einem warmen Tag badet und am nächsten Morgen wieder ins Wasser geht, kann deshalb einen völlig anderen See vorfinden. Wie die Winde am See entstehen, beschreibt die Seite zum Klima am Baikalsee.
Wo wird das Wasser im Sommer wärmer?
In flachen, abgeschlossenen Buchten und Lagunen, die vom offenen See durch Sandbänke oder enge Durchlässe getrennt sind. Dort fehlt die kalte Wassermasse darunter, und das Wasser erwärmt sich im Hochsommer auf 20 °C und mehr, an günstigen Stellen bis rund 24 °C.
Die bekannteste warme Bucht ist die Tschiwyrkui-Bucht im Nordosten, zwischen der Halbinsel Swjatoi Nos und dem Festland. Sie ist rund 300 Quadratkilometer groß, aber nirgends tiefer als etwa 10 Meter und erwärmt sich im Sommer bis rund 24 °C; schon Anfang Juni 2024 war sie mit 7,8 °C der wärmste Messpunkt der Institutsfahrt. Ebenfalls warm sind die Sore am Ostufer, flache Lagunen hinter Sandbänken. Im Possolski Sor südwestlich des Selenga-Deltas erreicht das Wasser nach älteren Untersuchungen bereits Ende Mai 14 bis 18 °C an der Oberfläche und im Juli und August 19 bis 23 °C, ehe es ab September rasch abkühlt. Auch der Proval, eine flache Bucht nordöstlich des Selenga-Deltas, die beim Erdbeben von 1862 entstand, ist nur wenige Meter tief.
Weitere Möglichkeiten bietet die Bargusin-Bucht am Ostufer. Sie selbst ist bis über 1.200 Meter tief, doch an ihrem Rand liegt die kleine Kultuk-Bucht an der Nehrung zur Halbinsel Swjatoi Nos, wo sich das Wasser an sonnigen Tagen bis etwa 22 °C erwärmt. Im Kleinen Meer zwischen Olchon und dem Westufer erwärmen sich vor allem die flachen Buchten stärker als das offene Wasser. Welche Inseln und Halbinseln diese Buchten umgeben, zeigt die Seite Inseln im Baikalsee.

Kann man im Baikalsee baden?
Ja, im Juli und August ist ein kurzes Bad an vielen Ufern möglich, in den warmen Buchten auch ein längeres. Im offenen See ist das Wasser aber selbst im Hochsommer so kalt, dass schon wenige Minuten anstrengend sind und längeres Schwimmen ohne Kälteschutz gefährlich werden kann.
Das größte Risiko ist der Kälteschock. Wer in Wasser unter etwa 15 °C springt, reagiert in der ersten Minute oft mit unwillkürlichem Luftschnappen und schneller Atmung; dabei kann Wasser in die Lunge gelangen. Danach lassen Kraft und Koordination in Armen und Beinen spürbar nach, lange bevor der Körper wirklich auskühlt. Deshalb gilt: langsam hineingehen statt springen, ufernah bleiben, nicht allein und nicht weit hinaus schwimmen, und nach dem Bad rasch abtrocknen und anziehen.
Dazu kommen die Bedingungen des Sees. Wind kann innerhalb kurzer Zeit Wellen von mehreren Metern aufbauen, und das Wasser kann über Nacht um zehn Grad kälter werden. Für Kinder, ältere Menschen und alle mit Herz-Kreislauf-Problemen sind die flachen, warmen Buchten die bessere Wahl. Wer eine Reise in die Region erwägt, sollte zuerst die aktuelle Reiselage und Reisewarnung prüfen: Das Auswärtige Amt warnt derzeit vor Reisen nach Russland.
Was machen Eisbader und Langstreckenschwimmer?
Für eine kleine Gemeinschaft ist das kalte Wasser gerade der Reiz. Wie in ganz Russland gibt es auch in Irkutsk und an den Uferorten Winterschwimmer, die sich „Morschi“ nennen, „Walrosse“. Sie baden das ganze Jahr, im Winter in eigens ins Eis geschlagenen Löchern, und tauchen meist nur für Sekunden bis wenige Minuten unter. Viele Menschen gehen zudem einmal im Jahr zum orthodoxen Fest der Taufe Christi im Januar ins Eiswasser.
Längere Strecken im offenen See schwimmen fast nur Erfahrene im Neoprenanzug, mit Begleitboot und bei ruhigem Wetter. Selbst im August verliert ein Schwimmer ohne Anzug in 12 bis 14 °C kaltem Wasser rasch Wärme; Kaltwassertraining über Monate ist hier die Voraussetzung, keine Mutprobe. Das Eisbaden beruht ebenfalls auf langer Gewöhnung und sollte nie allein und nie ohne sichere Ausstiegsmöglichkeit geschehen.
Wie kalt ist es beim Tauchen?
Unter Wasser bleibt es kalt, auch im Sommer: Die warme Oberflächenschicht reicht selbst im Hochsommer selten tiefer als 10 bis 20 Meter, darunter wird es rasch kälter, und ab rund 300 Metern sind es ganzjährig 3,1 bis 3,4 °C. Taucher nutzen deshalb in der Regel Trockenanzüge und eine für kaltes Wasser geeignete Ausrüstung.
Die Kälte hat auch Vorteile: Das Wasser ist klar, und die endemischen Schwämme, Flohkrebse und Groppen am steinigen Grund lassen sich gut beobachten. Im Winter wird unter dem Eis getaucht, wo die Sicht am besten, die Sicherheitsanforderungen aber am höchsten sind. Bedingungen, Ausbildung und Risiken beschreibt die Seite zum Tauchen im Baikalsee.
Häufige Fragen zur Wassertemperatur und zum Baden
Wann ist das Wasser im Baikalsee am wärmsten?
Im August. Dann erreicht die Oberfläche des offenen Sees meist 10 bis 16 °C, in flachen Buchten 20 bis 24 °C. Ab September kühlt das Wasser wieder ab, im Oktober und November hat die obere Schicht bis 300 Meter Tiefe rund 4 °C.
Gibt es am Baikalsee Sandstrände?
Ja, vor allem am Ostufer: An der Bargusin-Bucht zwischen dem Fluss Bargusin und der Halbinsel Swjatoi Nos liegt ein langer Sandstrand, auch an der Tschiwyrkui-Bucht und auf Olchon gibt es sandige Abschnitte. Das Westufer ist überwiegend steinig und steil.
Ist Baden im Baikalsee gefährlich?
Kurzes, ufernahes Baden ist für gesunde Menschen meist unproblematisch, wenn sie langsam ins Wasser gehen. Gefährlich sind Sprünge ins kalte Wasser, weites Hinausschwimmen, plötzlicher Wind mit hohen Wellen und Alkohol. Ein Bad allein und weit vom Ufer entfernt ist nicht ratsam.
Wird der Baikalsee durch den Klimawandel wärmer?
Ja, an der Oberfläche messbar: Langzeitdaten zeigen eine Erwärmung des Oberflächenwassers um 1,21 °C seit 1946. Zum Badesee wird er dadurch nicht, denn das Tiefenwasser bleibt bei gut 3 °C. Folgen hat die Erwärmung vor allem für Eisdecke und Plankton.
Friert das Wasser in der Tiefe im Winter?
Nein. Gefrieren kann nur die Oberfläche, das Eis wird im Mittel 0,5 bis 1,4 Meter dick. Darunter bleibt das Wasser flüssig, und ab rund 300 Metern Tiefe hat es auch im Winter 3,1 bis 3,4 °C.
Quellen: Limnologisches Institut SB RAS: Expedition 29. Mai bis 12. Juni 2024; Limnologisches Institut SB RAS: Expedition 16. September bis 1. Oktober 2025; Moore et al. (2009): Climate Change and the World’s „Sacred Sea“ – Lake Baikal, BioScience 59; Hampton et al. (2008), Global Change Biology 14; Kozhov (1962): Biologie des Baikalsees (Werte Possolski Sor); Große Sowjetische Enzyklopädie, 3. Auflage, Artikel „Baikal“. Stand: Oktober 2026.
