Der Baikalsee enthält rund 23.615 Kubikkilometer Süßwasser. Das ist etwa ein Fünftel des flüssigen Süßwassers, das auf der Erdoberfläche in Seen und Flüssen steht; je nach Zählweise liegen die Angaben zwischen 19 und 23 Prozent. Gletschereis und Grundwasser sind darin nicht enthalten. Gemessen an allem Süßwasser der Erde sind es weniger als 0,1 Prozent.
Wie viel Wasser enthält der Baikalsee?
Der Baikalsee fasst rund 23.615 Kubikkilometer Wasser und ist damit der wasserreichste Süßwassersee der Erde. Der Wert stammt aus der digitalen Tiefenkarte, die ein belgisch-spanisch-russisches Team im Projekt INTAS 99-1669 im Jahr 2002 vorgelegt hat; ältere Lehrbücher nennen gerundet 23.000 Kubikkilometer. Mehr Wasser steht nur im Kaspischen Meer, das aber salzhaltig ist.
Anschauliche Vergleiche helfen bei der Größenordnung. Der Bodensee fasst rund 48 Kubikkilometer, der Baikal also knapp das 500-Fache. Die fünf Großen Seen Nordamerikas zusammen kommen auf etwa 22.700 Kubikkilometer und liegen damit knapp unter dem Baikal, obwohl ihre Wasserfläche rund siebeneinhalbmal so groß ist. Verteilt man das Baikalwasser gleichmäßig über die Fläche Deutschlands, stünde es dort rund 66 Meter hoch.
Der Grund für das gewaltige Volumen ist nicht die Fläche, sondern die Tiefe. Mit 31.722 Quadratkilometern ist der See nur der siebtgrößte der Erde, doch er ist im Mittel rund 744 Meter tief. Die INTAS-Daten erlauben auch einen Blick auf die Verteilung: Das mittlere Becken mit der größten Tiefe von 1.642 Metern enthält rund 9.080 Kubikkilometer, das flachere, aber größere Nordbecken rund 8.190 und das Südbecken rund 6.340 Kubikkilometer. Nur etwa zwölf Prozent des Wassers liegen in den obersten 100 Metern. Warum das Becken so tief ist, erklärt die Seite zur Tiefe des Baikalsees; alle Grunddaten stehen gesammelt unter Zahlen und Fakten zum Baikalsee.
| Becken | Fläche | Größte Tiefe | Volumen |
|---|---|---|---|
| Nordbecken | 13.690 km² | 904 m | rund 8.190 km³ |
| Mittleres Becken | 10.600 km² | 1.642 m | rund 9.080 km³ |
| Südbecken | 7.432 km² | 1.461 m | rund 6.340 km³ |
| Ganzer See | 31.722 km² | 1.642 m | rund 23.615 km³ |
Stimmt es, dass der Baikalsee 20 Prozent des Süßwassers der Erde enthält?
Ja, aber nur mit der richtigen Bezugsgröße: Gemeint ist das flüssige Süßwasser an der Erdoberfläche, also in Seen, Flüssen und Sümpfen. Der weitaus größte Teil des irdischen Süßwassers steckt dagegen in Gletschern, Eisschilden und im Grundwasser, und dort sind die Mengen um Größenordnungen größer.
Die oft zitierten Schätzungen des russischen Hydrologen Igor Schiklomanow, die der US Geological Survey verbreitet, machen das deutlich. Danach liegen rund 24 Millionen Kubikkilometer Süßwasser als Eis vor und rund 10,5 Millionen Kubikkilometer als Grundwasser. Alle Süßwasserseen der Erde zusammen enthalten etwa 91.000 Kubikkilometer, Flüsse rund 2.100 und Sümpfe rund 11.500 Kubikkilometer. Setzt man den Baikal ins Verhältnis zu Seen, Flüssen und Sümpfen, ergibt sich ein Anteil von knapp 23 Prozent; ältere oder anders abgegrenzte Bilanzen kommen auf 19 bis 20 Prozent. Am gesamten Süßwasser der Erde hat der See dagegen nur einen Anteil von rund 0,07 Prozent.
Die Aussage „ein Fünftel des Süßwassers der Welt“ ist deshalb verkürzt. Treffend ist: Der Baikal ist der mit Abstand größte Speicher an flüssigem, sofort verfügbarem Oberflächen-Süßwasser. Die UNESCO spricht in ihrer Beschreibung des Welterbes, das der See seit 1996 ist, von rund 20 Prozent der ungefrorenen Süßwasserreserven der Welt; auch das stimmt streng genommen nur, wenn man das Grundwasser nicht mitrechnet.
Woher kommt das Wasser, und wohin fließt es ab?
Gut vier Fünftel des Zuflusses liefern Flüsse, der Rest fällt als Niederschlag auf die Seefläche oder sickert als Grundwasser ein. Verlassen kann das Wasser den See nur auf zwei Wegen: über die Angara, den einzigen Abfluss, und über Verdunstung.
Der Lagebericht des UNDP-GEF-Baikalprojekts beziffert die langjährige Bilanz so: Flüsse bringen rund 57,8 Kubikkilometer pro Jahr, Niederschlag rund 9,3 und Grundwasser rund 3,1 Kubikkilometer. Auf der Ausgabenseite stehen rund 60,9 Kubikkilometer Abfluss durch die Angara und rund 9,3 Kubikkilometer Verdunstung. Die Große Sowjetische Enzyklopädie nennt sehr ähnliche Werte. Rechnerisch verlassen damit im Mittel knapp 2.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde den See über die Angara, die über den Jenissei ins Nordpolarmeer entwässert.
| Posten der Wasserbilanz | km³ pro Jahr | Anteil |
|---|---|---|
| Zufluss aus Flüssen | rund 57,8 | 82 % |
| Niederschlag auf die Seefläche | rund 9,3 | 13 % |
| Grundwasser | rund 3,1 | 4 % |
| Abfluss durch die Angara | rund 60,9 | 87 % |
| Verdunstung | rund 9,3 | 13 % |
Wie viele Flüsse in den See münden, hängt von der Zählweise ab. Die klassische Zahl von 336 ständigen Zuflüssen geht auf Iwan Tscherski im 19. Jahrhundert zurück; wer jedes Bachtal mitzählt, kommt auf deutlich höhere Werte. Unstrittig ist die Hauptrolle der Selenga: Sie kommt aus der Mongolei und bringt allein rund die Hälfte des Flusswassers. Daneben sind die Obere Angara im Norden und der Bargusin am Ostufer die größten Zuflüsse. Die Selenga mündet mit einem breiten Delta aus Seitenarmen, Schilfflächen und Sandbänken.

Aus Volumen und Durchfluss ergibt sich die Erneuerungszeit. Teilt man das Seevolumen durch den Angara-Abfluss allein, erhält man rund 390 Jahre; rechnet man die Verdunstung als Ausgang hinzu, sind es rund 340 Jahre. Das erklärt die Spanne von etwa 330 bis 400 Jahren in der Literatur. Für die Umwelt bedeutet sie: Was heute in den See gelangt, bleibt rechnerisch über Jahrhunderte darin.
Wie ist das Baikalwasser chemisch zusammengesetzt?
Das Wasser ist ausgesprochen mineralarm: In einem Liter sind im Mittel nur rund 96 Milligramm Salze gelöst, ganz überwiegend Hydrogencarbonat und Calcium. Zum Vergleich: Nach dem europäischen Mineralwasserrecht darf sich ein Wasser bereits bis zu einem Trockenrückstand von 500 Milligramm pro Liter „mineralarm“ nennen.
| Inhaltsstoff | mg pro Liter |
|---|---|
| Hydrogencarbonat | 66,5 |
| Calcium | 15,2 |
| Sulfat | 5,2 |
| Natrium | 3,8 |
| Magnesium | 3,1 |
| Kalium | 2,0 |
| Silizium | 1,1 |
| Chlorid | 0,5 |
| Organische Stoffe | 3,2 |
Die Werte sind langjährige Mittel aus der Großen Sowjetischen Enzyklopädie; das Wasser der Zuflüsse ist etwas stärker mineralisiert, hat aber eine ähnliche Zusammensetzung. Der niedrige Salzgehalt spiegelt also im Wesentlichen das ohnehin weiche Wasser der Zuflüsse wider; Schwebstoffe, die die Flüsse mitbringen, setzen sich im tiefen Becken ab. Das Wasser ist leicht alkalisch und sehr arm an Nährstoffen wie Phosphat und Nitrat. Was diese Reinheit für die Klarheit bedeutet und ob man das Wasser trinken kann, behandelt die Seite zu Sichttiefe und Trinkwasser.
Eine Besonderheit unter den sehr tiefen Seen ist der Sauerstoff. Der Baikal ist bis zum Grund belüftet, der Gehalt sinkt auch in über 1.000 Metern Tiefe nicht unter 9 bis 10 Milligramm pro Liter. Im Tanganjikasee, dem zweittiefsten See, ist das Wasser dagegen schon ab etwa 100 bis 250 Metern Tiefe sauerstofffrei. Der Sauerstoff erlaubt Tieren wie Flohkrebsen und Würmern, bis in die größten Tiefen zu leben.
Wie mischt sich der Wasserkörper im Lauf des Jahres?
Zweimal im Jahr, im Frühsommer und im Spätherbst, hat die obere Wasserschicht bis rund 300 Meter Tiefe überall etwa 4 Grad Celsius. Bei dieser Temperatur ist Süßwasser am dichtesten, die Schichtung ist aufgehoben, und Wind kann das Wasser tief durchmischen.
Zwischen diesen beiden Phasen wechseln zwei stabile Zustände. Im Sommer erwärmt sich eine dünne Oberflächenschicht; eine deutliche Sprungschicht in 10 bis 20 Metern Tiefe bildet sich aber nur für etwa sieben Wochen zwischen Ende Juli und Anfang September, und kräftige Winde reißen sie immer wieder auf. Im Winter liegt unter dem Eis kälteres, leichteres Wasser über dem 4 Grad warmen Wasser darunter. Unterhalb von rund 300 Metern ändert sich die Temperatur das ganze Jahr kaum, sie liegt bei 3,1 bis 3,4 Grad Celsius. Die Wassertemperaturen an der Oberfläche und in den Buchten beschreibt die Seite zur Wassertemperatur des Baikalsees.
Wie gelangt Sauerstoff in mehr als 1.000 Meter Tiefe? Nach heutigem Kenntnisstand vor allem durch das Absinken von kaltem, dichtem Oberflächenwasser an den Ufern, das von starken Winden ausgelöst wird. Dieses Wasser rutscht an den steilen Hängen in die Tiefe und ersetzt dort älteres Wasser. Forscher wie Marianne Moore und Kollegen haben 2009 darauf hingewiesen, dass veränderte Windverhältnisse im Klimawandel diese Belüftung schwächen könnten.
Wie nutzt der Mensch das Wasser des Baikalsees?
Der größte Eingriff liegt rund 70 Kilometer flussabwärts: Seit dem Aufstau der Angara durch das Wasserkraftwerk Irkutsk in den Jahren 1956 bis 1958 ist der Baikal hydrologisch Teil eines Stausees. Der Rückstau erreichte den See 1958 und hob seinen Spiegel in den 1960er-Jahren zeitweise um 1,2 bis 1,3 Meter; im langjährigen Mittel liegt der See rund 0,7 bis 1 Meter höher als ohne Damm (Wasserstand und Staudamm).
Seitdem wird der Abfluss technisch geregelt, zunächst vor allem nach dem Bedarf der Stromerzeugung. Höhere und stärker schwankende Pegel beschleunigten die Ufererosion; an der Insel Jarki im Norden wich der Strand um Dutzende bis Hunderte Meter zurück. Eine Regierungsverordnung von 2001 legt deshalb fest, dass der Wasserstand nur zwischen 456 und 457 Metern schwanken darf. Diese Marken beziehen sich auf das russische Pazifik-Höhensystem; die in Steckbriefen übliche Angabe von 455,5 Metern über dem Meer folgt einer anderen Bezugshöhe. In wasserarmen Jahren um 2015 wurde die Untergrenze zeitweise unterschritten.
Mehrere Uferorte nutzen Seewasser als Trinkwasser, und einige Unternehmen füllen Tiefenwasser in Flaschen ab. Pläne für ein großes Abfüllwerk in Kultuk für den Export nach China lösten 2019 Proteste aus; ein Gericht untersagte den Weiterbau im selben Jahr. Mengenmäßig spielt die Entnahme für den See kaum eine Rolle, das Risiko liegt eher bei Abwässern und Bauten in Ufernähe.
Häufige Fragen zum Wasser des Baikalsees
Könnte der Baikalsee die ganze Menschheit mit Wasser versorgen?
Rein rechnerisch enthält er für jeden Menschen rund drei Millionen Liter Wasser. Nutzbar ist aber nur, was jedes Jahr zufließt, also rund 60 bis 70 Kubikkilometer. Würde man mehr entnehmen, sänke der Seespiegel, mit Folgen für Ufer, Laichplätze und die Angara-Kraftwerke.
Ist der Baikalsee ein Stausee?
Natürlich entstanden ist er nicht als Stausee, sondern als Riftsee vor rund 25 bis 30 Millionen Jahren. Seit dem Bau des Kraftwerks Irkutsk in den 1950er-Jahren wird sein Abfluss jedoch über die Angara geregelt, und der Wasserstand liegt im langjährigen Mittel rund 0,7 bis 1 Meter höher als ohne Damm. Hydrologisch gilt er deshalb als Teil des Irkutsker Stausees.
Trocknet der Baikalsee aus?
Nein. Zu- und Abfluss halten sich im langjährigen Mittel die Waage, und der Pegel schwankt nur um Dezimeter bis rund einen Meter. Trockene Jahre im Einzugsgebiet senken den Zufluss zeitweise, dann wird über die Angara weniger Wasser abgegeben. Ein Austrocknen ist bei einem Volumen von über 23.000 Kubikkilometern nicht absehbar.
Warum ist der Baikal kein Salzsee, obwohl er so alt ist?
Ein See wird salzig, wenn Wasser nur verdunstet und nicht abfließt. Der Baikal hat mit der Angara einen kräftigen Abfluss, der gelöste Stoffe stetig fortträgt. Zudem liefern die Gesteine im Einzugsgebiet nur wenig lösliche Salze.
Wie lange bleibt ein Wassertropfen im Baikalsee?
Im Mittel rund 330 bis 400 Jahre, so lange dauert es rechnerisch, bis das gesamte Volumen einmal ausgetauscht ist. Tatsächlich verlässt Wasser aus den oberen Schichten den See schneller, Tiefenwasser dagegen langsamer. Schadstoffe können sich deshalb über lange Zeit anreichern.
Quellen: UNDP-GEF Baikal Project: State of the Environment Report, Kap. 1.5 Wasserstand und Wasserbilanz; INTAS Project 99-1669 / Limnologisches Institut Irkutsk: Morphometrische Daten (2002); Moore et al. (2009): Climate Change and the World’s „Sacred Sea“ – Lake Baikal, BioScience 59; US Geological Survey, Water Science School: „Where is Earth’s Water?“ (nach Shiklomanov 1993); Große Sowjetische Enzyklopädie, 3. Auflage, Artikel „Baikal“. Stand: Oktober 2026.
