Der tiefste See der Welt ist der Baikalsee in Sibirien mit 1.642 Metern. Auf Platz zwei folgt der Tanganjikasee in Ostafrika mit rund 1.470 Metern, auf Platz drei das salzige Kaspische Meer mit rund 1.025 Metern. Alle drei liegen in tektonischen Becken. Der tiefste See Europas ist der Hornindalsvatnet in Norwegen mit 514 Metern.
Welcher ist der tiefste See der Welt?
Der tiefste See der Welt ist der Baikalsee mit einer größten Tiefe von 1.642 Metern. Er liegt im Süden Sibiriens und übertrifft den Zweitplatzierten, den Tanganjikasee, um rund 170 Meter. Der Wert stammt aus einer Echolotvermessung der sowjetischen Marine aus den 1980er-Jahren, die in einer digitalen Tiefenkarte von 2002 neu ausgewertet wurde; auch Guinness World Records führt den Baikal mit 1.642 Metern.
Noch deutlicher ist der Vorsprung bei der mittleren Tiefe. Der Baikal ist im Durchschnitt rund 744 Meter tief, der Tanganjikasee rund 570 Meter, alle anderen großen Seen liegen weit darunter. Die mittlere Tiefe ist für viele Fragen aussagekräftiger als der tiefste Punkt, weil sie zeigt, wie viel Wasser ein See tatsächlich enthält. Sie lässt sich aber nur angeben, wenn ein See vollständig vermessen ist, deshalb fehlt sie für viele entlegene Seen. Wie die Tiefe des Baikals gemessen wurde und warum ältere Bücher 1.637 Meter nennen, steht auf der Seite über die Tiefe des Baikalsees.
Wie sieht die Rangliste der tiefsten Seen aus?
Die folgende Tabelle ordnet die Seen nach ihrer größten Tiefe. Die oberen Plätze sind gut belegt. Ab Platz vier gehen die Angaben auseinander, vor allem bei den Gletscherseen Patagoniens, die erst in den letzten Jahrzehnten genauer vermessen wurden. Wo Quellen abweichen, nennen wir beide Werte.
| Rang | See | Land | Größte Tiefe | Mittlere Tiefe | Fläche | Entstehung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Baikalsee | Russland | 1.642 m | rund 744 m | 31.722 km² | Grabenbruch |
| 2 | Tanganjikasee | Tansania, DR Kongo, Burundi, Sambia | rund 1.470 m | rund 570 m | rund 32.900 km² | Grabenbruch (Ostafrikanisches Rift) |
| 3 | Kaspisches Meer (Salzsee) | Kasachstan, Russland, Aserbaidschan, Iran, Turkmenistan | rund 1.025 m | rund 180–210 m | rund 386.000 km² | Rest eines Meeresbeckens |
| 4 | O’Higgins/San Martín | Chile, Argentinien | 799 m (2004: 836 m) | k. A. | rund 1.010 km² | Gletschersee |
| 5 | Viedmasee | Argentinien | rund 750 m (unsicher) | k. A. | rund 1.190 km² | Gletschersee |
| 6 | Lago Argentino | Argentinien | 719 m (andere Angabe 500 m) | rund 155 m | rund 1.415 km² | Gletschersee |
| 7 | Malawisee | Malawi, Mosambik, Tansania | 704–706 m | rund 290 m | rund 29.600 km² | Grabenbruch (Ostafrikanisches Rift) |
| 8 | Issyk-Kul | Kirgisistan | 668 m | rund 270–280 m | rund 6.240 km² | tektonisches Becken, leicht salzig |
| 9 | Großer Sklavensee | Kanada | 614 m | rund 41 m | rund 27.000 km² | glazial überprägt |
| 10 | Crater Lake | USA | 594 m | rund 350 m | rund 53 km² | Caldera eines Vulkans |
| 11 | Matanosee | Indonesien | 590 m | rund 240 m | rund 164 km² | tektonischer Graben |
| 12 | General Carrera/Buenos Aires | Chile, Argentinien | 586–590 m | k. A. | rund 1.850 km² | Gletschersee |
Zwei Beispiele zeigen, warum Ranglisten verschiedener Quellen nicht übereinstimmen. Für den Lago O’Higgins/San Martín wurde 2004 nahe dem O’Higgins-Gletscher eine Tiefe von 836 Metern gemessen; eine neuere Vermessung, 2023 im Journal of Glaciology veröffentlicht, kommt auf 799 Meter. Für den Lago Argentino nennen englischsprachige Übersichten 719 Meter, deutschsprachige 500 Meter. Solche Unterschiede gehen auf einzelne Lotungen, Messungen nahe kalbenden Gletschern und schwankende Wasserstände zurück. Für die Spitze der Liste ändern sie nichts.
Ist das Kaspische Meer ein See, und wo bleibt der Wostoksee?
Das Kaspische Meer gilt geografisch als größter See der Erde, weil es keine Verbindung zum Ozean hat. Mit rund 386.000 Quadratkilometern ist es über zwölfmal so groß wie der Baikal, und mit gut 78.000 Kubikkilometern enthält es gut dreimal so viel Wasser. Es ist aber kein Süßwassersee: Sein Wasser enthält rund 1,2 Prozent Salz, etwa ein Drittel des Meerwassers. Geologisch ist sein Südteil ein Rest der früheren Paratethys, eines Meeresarms, und wird teils von ozeanischer Kruste unterlagert. Deshalb führen manche Listen das Kaspische Meer gar nicht oder nur in Klammern. Rechtlich haben die fünf Anrainerstaaten seinen Status nach jahrzehntelangen Verhandlungen 2018 in einem eigenen Übereinkommen geregelt.
Ein Sonderfall anderer Art ist der Wostoksee in der Antarktis. Er liegt rund 4.000 Meter unter dem Eisschild, ist etwa 250 Kilometer lang und rund 12.500 Quadratkilometer groß. Seine Wassertiefe wird je nach Messung auf 500 bis 900 Meter geschätzt. Wenn man nur die Wassersäule zählt, gehört er damit zu den tiefsten Seen; seine Oberfläche ist aber nicht frei, und genaue Werte fehlen. Die meisten Ranglisten führen subglaziale Seen deshalb gesondert. Unter dem Eis der Antarktis sind zahlreiche solcher Seen bekannt, der Wostoksee ist der größte.

Warum sind die tiefsten Seen meist Grabenseen?
Die drei tiefsten Seen liegen in tektonischen Becken, weil nur die Bewegung der Erdkruste Senken von weit über 1.000 Metern Tiefe schaffen und offen halten kann. In einem Grabenbruch zieht die Kruste auseinander, ein Block in der Mitte sinkt ab und bildet eine lange, schmale Wanne. Solange der Boden schneller absinkt, als Flüsse Sediment einschwemmen, bleibt der See tief. Beim Baikal liegt unter dem Wasser noch ein über 7 Kilometer mächtiges Sedimentpaket; der Graben selbst ist also viel tiefer als der See.
Nach demselben Prinzip sind der Tanganjika- und der Malawisee im Ostafrikanischen Grabensystem entstanden, ebenso der kleinere Matanosee auf Sulawesi. Der Issyk-Kul füllt ein tektonisches Becken im Tienschan. Diese Seen sind zugleich die ältesten: Tektonische Becken können Millionen Jahre bestehen, während Seen anderer Herkunft meist in Jahrtausenden verlanden. Der Baikal ist mit 25 bis 30 Millionen Jahren der älteste, der Tanganjikasee in seinem ältesten Teil 9 bis 12 Millionen Jahre alt. Mehr dazu steht unter Alter und Entstehung des Baikalsees.
Auf den folgenden Plätzen dominieren Gletscherseen. Eiszeitliche Gletscher haben in Patagonien, Norwegen und Kanada tiefe Tröge ausgeschürft, die sich nach dem Abschmelzen mit Wasser füllten. Diese Seen erreichen 500 bis 800 Meter, sind aber meist schmal und klein und mit rund 10.000 bis 20.000 Jahren geologisch jung. Einen eigenen Typ bildet der Crater Lake in Oregon: Er füllt die Caldera des Vulkans Mount Mazama, die nach einem gewaltigen Ausbruch vor rund 7.700 Jahren einstürzte. Gemessen an der mittleren Tiefe ist er einer der tiefsten Seen der Welt, obwohl er nur rund 53 Quadratkilometer groß ist.
Welche sind die tiefsten Seen Europas und Deutschlands?
Der tiefste See Europas ist der Hornindalsvatnet in Westnorwegen mit amtlich gemessenen 514 Metern. Er liegt in einem von Gletschern ausgeschürften Tal, ist nur rund 51 Quadratkilometer groß und im Mittel rund 240 Meter tief. Seine tiefste Stelle wurde 2006 mit einem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug erkundet. Weitere sehr tiefe Seen Europas liegen ebenfalls in Norwegen, etwa der Salvatnet und der Tinnsjå, sowie am Alpensüdrand, wo der Comer See über 400 Meter erreicht.
Der tiefste See Deutschlands ist der Bodensee, den sich Deutschland mit Österreich und der Schweiz teilt. Seine tiefste Stelle zwischen Fischbach und Uttwil misst 251 Meter, die mittlere Tiefe rund 90 Meter. Der Bodensee ist damit gut sechseinhalbmal flacher als der Baikal; der Baikal enthält mit rund 23.615 Kubikkilometern knapp 500-mal so viel Wasser wie der Bodensee mit rund 48 Kubikkilometern.
Wie verändert der Blick auf das Volumen die Rangliste?
Nach Wassermenge bleibt der Baikal bei den Süßwasserseen auf Platz eins. Mit rund 23.615 Kubikkilometern enthält er mehr Wasser als die fünf Großen Seen Nordamerikas zusammen. Es folgt der Tanganjikasee mit rund 18.900 Kubikkilometern, dann der Obere See mit rund 12.000 Kubikkilometern und der Malawisee mit rund 8.600 Kubikkilometern. Nimmt man Salzseen hinzu, steht das Kaspische Meer mit gut 78.000 Kubikkilometern weit vorn.
Nach Fläche sieht die Liste ganz anders aus. Hier führt das Kaspische Meer vor dem Oberen See, der mit rund 82.000 Quadratkilometern der flächengrößte Süßwassersee ist, aber nur 406 Meter tief. Der Baikal steht nach Fläche erst auf Platz sieben. Welche Rolle die Bezugsgröße bei solchen Vergleichen spielt, erklärt die Seite Zahlen und Fakten zum Baikalsee.
| Süßwassersee | Volumen | Fläche | Größte Tiefe |
|---|---|---|---|
| Baikalsee | rund 23.615 km³ | 31.722 km² | 1.642 m |
| Tanganjikasee | rund 18.900 km³ | rund 32.900 km² | rund 1.470 m |
| Oberer See | rund 12.000 km³ | rund 82.100 km² | 406 m |
| Malawisee | rund 8.600 km³ | rund 29.600 km² | 704–706 m |
Was zeigt der Vergleich der tiefsten Seen?
Der Vergleich zeigt vor allem, wie außergewöhnlich der Baikal ist. Er ist nicht nur der tiefste See, sondern auch derjenige, bei dem große Fläche und große Tiefe zusammenkommen. Gletscherseen erreichen ähnliche Tiefen wie die mittleren Ränge, bleiben aber klein. Der Tanganjikasee kommt dem Baikal in Fläche und Tiefe am nächsten, unterscheidet sich aber in einem wesentlichen Punkt: Sein Tiefenwasser ist dauerhaft geschichtet und in den unteren Schichten ohne Sauerstoff, dafür reich an Schwefelwasserstoff, während der Baikal bis zum Grund belüftet ist und deshalb in allen Tiefen Leben trägt.
Außerdem zeigt die Liste, dass Rekordzahlen Messergebnisse sind. Bei entlegenen Seen beruhen sie oft auf wenigen Lotungen; mit neuen Vermessungen verschieben sich Plätze. Für den Baikal ist das nicht zu erwarten, sein Grund ist dicht vermessen. Bei den Patagonischen Seen dagegen dürften sich die Angaben noch ändern.
Häufige Fragen zu den tiefsten Seen der Welt
Ist der Baikalsee tiefer als der Marianengraben?
Nein, bei Weitem nicht. Der Marianengraben im Pazifik reicht rund 11.000 Meter unter den Meeresspiegel, gut sechsmal so tief wie der Baikal. Der Baikal ist aber der tiefste Ort auf den Kontinenten, der von Wasser bedeckt ist.
Welcher ist der tiefste See Afrikas?
Der Tanganjikasee mit rund 1.470 Metern, zugleich der zweittiefste See der Welt. Er liegt im westlichen Arm des Ostafrikanischen Grabens zwischen Tansania, der Demokratischen Republik Kongo, Burundi und Sambia.
Welcher ist der tiefste See Asiens nach dem Baikal?
Nach dem Baikal folgt das Kaspische Meer mit rund 1.025 Metern, wenn man es als See zählt. Unter den Süßwasserseen kommen danach der Issyk-Kul in Kirgisistan, der allerdings leicht salzig ist, und der Matanosee in Indonesien.
Ist der Crater Lake tiefer als der Bodensee?
Ja, mehr als doppelt so tief. Der Crater Lake erreicht 594 Meter, der Bodensee 251 Meter. Dafür ist der Bodensee mit rund 536 Quadratkilometern zehnmal so groß.
Werden die Ranglisten noch neu geordnet?
An der Spitze kaum: Baikal und Tanganjikasee sind gut vermessen. Bei Gletscherseen in Patagonien und Kanada sowie bei Seen unter dem antarktischen Eis können neue Messungen die Plätze dahinter noch verschieben.
Quellen: Guinness World Records: Deepest lake; FAO, Lake Tanganyika Research: General information; U.S. EPA: Lake Superior. Weitere: Limnologisches Institut Irkutsk, ILEC World Lake Database, Journal of Glaciology 2023, Wikipedia (Listen der tiefsten Seen, Bodensee). Stand: Oktober 2026.
