Der Baikalsee ist an seiner tiefsten Stelle 1.642 Meter tief, im Mittel rund 744 Meter. Der tiefste Punkt liegt im Mittelbecken östlich der Insel Olchon, 1.186,5 Meter unter dem Meeresspiegel. Gemessen hat ihn die sowjetische Marine in den 1980er-Jahren; seit der digitalen Tiefenkarte von 2002 gilt der Wert als gesichert.
Wie tief ist der Baikalsee genau?
Die größte gemessene Tiefe des Baikalsees beträgt 1.642 Meter. Damit ist er der tiefste See der Erde, mit deutlichem Abstand vor dem Tanganjikasee in Ostafrika. Der Wert stammt aus der Echolotvermessung der sowjetischen Marine und ist in der digitalen Tiefenkarte des internationalen INTAS-Projekts von 2002 festgehalten. Das Limnologische Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften in Irkutsk bezeichnet ihn heute als unstrittig und empfiehlt, nur noch diesen Wert zu verwenden.
Die mittlere Tiefe liegt bei rund 744 Metern. Sie ist kein Messwert, sondern das Ergebnis einer Rechnung: Volumen geteilt durch Fläche, also 23.615 Kubikkilometer geteilt durch 31.722 Quadratkilometer. Ältere Werke nennen bis zu 758 Meter, weil sie mit älteren Volumen- und Flächenangaben rechnen. Einen so großen Mittelwert erreicht kein anderer großer See; der Tanganjikasee kommt auf rund 570 Meter, der Obere See in Nordamerika auf knapp 150 Meter.
Weil der Wasserspiegel 455,5 Meter über dem Meeresspiegel liegt, reicht der Seegrund an der tiefsten Stelle 1.186,5 Meter unter das Meeresniveau. Geografen sprechen von einer Kryptodepression, einer Senke, deren Boden unter dem Meeresspiegel liegt, obwohl die Oberfläche darüber liegt. Der Baikal ist die tiefste dieser Art auf den Kontinenten. Die Tiefenverteilung zeigt, wie steil das Becken ist: Rund ein Viertel der Seefläche, knapp 8.500 Quadratkilometer, liegt über Wasser, das tiefer als 1.000 Meter ist. Tiefer als 1.600 Meter sind immerhin noch rund 1.100 Quadratkilometer.
Wo liegt die tiefste Stelle des Baikalsees?
Die tiefste Stelle liegt im Mittelbecken, östlich der Insel Olchon, bei 53° 14′ 59″ Nord und 108° 05′ 11″ Ost. Das Limnologische Institut beschreibt sie als genau gegenüber dem Kap Ischimei an der Ostküste von Olchon. Vom Westufer des Sees ist sie nur gut ein Drittel der Seebreite entfernt, denn die Tiefen liegen nicht in der Mitte, sondern nahe dem steilen Nordwesthang.
Diese Lage ist kein Zufall. Der Baikalgraben ist asymmetrisch gebaut: Am Westrand verläuft der große Hauptbruch, an dem der Grabenboden am stärksten abgesunken ist. Die Hänge im Nordwesten fallen unter Wasser mit 40 bis 60 Grad ab, an einzelnen Stellen noch steiler. Die Südost- und Osthänge sind fünf- bis sechsmal flacher. Wer von Olchon aus nach Osten auf das offene Wasser blickt, sieht über die tiefste Stelle hinweg, ohne dass die Oberfläche etwas davon verrät.

Warum ist der Baikalsee so tief?
Der Baikalsee ist so tief, weil er in einem aktiven Grabenbruch liegt, der sich bis heute weitet und absenkt. Zwischen der Eurasischen Platte im Westen und der Amurplatte im Osten zieht die Erdkruste auseinander, nach GPS-Messungen um rund 4 Millimeter pro Jahr. Ein Krustenblock in der Mitte sinkt dabei ab und bildet die Wanne, die der See füllt.
Die Wassertiefe ist nur der obere Teil dieser Wanne. Unter dem Seeboden liegt ein Paket aus Sedimenten, das nach Messungen des U.S. Geological Survey über 7 Kilometer mächtig ist. Die Grabensohle aus Festgestein liegt damit etwa 8 bis 11 Kilometer unter der Wasseroberfläche. Würde man die Sedimente entfernen, wäre der Graben mehrere Kilometer tiefer, als der See heute ist.
Dass der See trotz der Flüsse, die ständig Material einschwemmen, nicht längst verlandet ist, hat zwei Gründe. Erstens senkt sich das Becken schneller ab, als es aufgefüllt wird; nach seismischen Untersuchungen war die Absenkung im Mittel- und Südbecken in den letzten rund 650.000 Jahren besonders rasch. Zweitens haben die großen Eisschilde der Eiszeiten den Baikal nie überfahren. Anders als bei Fjordseen in Norwegen oder Patagonien ist seine Tiefe nicht von Gletschern ausgehobelt, sondern tektonisch entstanden. Wie der Graben entstand und wie alt er ist, erklärt die Seite über Alter und Entstehung des Baikalsees.
Wie hat man die Tiefe des Baikalsees gemessen?
Die Tiefe des Baikalsees wurde in mehr als zwei Jahrhunderten immer genauer bestimmt, und mit fast jeder Messreihe wurde der See tiefer. Die ersten belegten Lotungen nahmen 1798 E. Kopylow und S. Smetanin vor: 28 Messungen zwischen dem Ausfluss der Angara und der Mündung der Selenga, die tiefste ergab 1.238 Meter.
Von 1868 bis 1876 erforschten die nach Sibirien verbannten polnischen Naturforscher Benedykt Dybowski und Wiktor Godlewski den Süden des Sees und vermaßen ihn in elf Querprofilen, und zwar vom Eis aus. Beim Bau der Transsibirischen Eisenbahn erstellte eine hydrografische Expedition unter Fjodor Drischenko Lotsenkarten und 1908 einen Atlas des Sees, der vor allem die Ufergewässer genau abbildete. Ab 1925 untersuchte die Akademie der Wissenschaften unter Gleb Wereschtschagin den See systematisch; dabei wurden der Bereich der größten Tiefen und der Akademikerrücken entdeckt. Ein 1931 genannter Wert von 1.741 Metern ließ sich später nicht bestätigen.
| Jahr | Messung | Größte Tiefe |
|---|---|---|
| 1798 | Lotungen von Kopylow und Smetanin | 1.238 m |
| 1931 | Angabe aus der Akademie-Expedition, nicht bestätigt | 1.741 m |
| 1962 | Atlas der Oblast Irkutsk | 1.620 m |
| 1979 bis Mitte der 1980er | Echolotvermessung der sowjetischen Marine, Karte 1992, freigegeben 1999 | 1.642 m |
| 1991 | Tauchgang eines Pisces-Tauchboots, Atlas des Baikalsees 1993 | 1.637 m |
| 2002 | Digitale Tiefenkarte des INTAS-Projekts | 1.642 m |
1962 verzeichnete der Atlas der Oblast Irkutsk 1.620 Meter. Den entscheidenden Schritt machte die Hauptverwaltung für Navigation und Ozeanografie des sowjetischen Verteidigungsministeriums: Zwischen 1979 und Mitte der 1980er-Jahre fuhr sie den ganzen See mit Echoloten ab, in Ufernähe in Abständen von 100 bis 250 Metern, über den Tiefen alle 1.000 Meter. Dabei wurden 1.642 Meter gemessen. Einer verbreiteten Darstellung zufolge stieß der Marinehydrograf Leonid Kolotilo 1983 auf diese Stelle. Die daraus erstellte Karte erschien 1992, aber nur für den Dienstgebrauch. Als ein Tauchboot 1991 mit 1.637 Metern einen vermeintlich neuen Rekord meldete, kannte allein das Militär den tieferen Wert. Freigegeben wurden die Daten erst 1999.
Im selben Jahr begann ein europäisch-russisches Team im Rahmen des INTAS-Projekts 99-1669, die Marinedaten zu digitalisieren, mit weiteren Messungen zu ergänzen und um einen wichtigen Fehler zu bereinigen: Echolote rechnen mit einer festen Schallgeschwindigkeit, die im kalten Süßwasser des Baikals nicht stimmt. Beteiligt waren unter anderem die Universitäten Gent und Barcelona, das Limnologische Institut Irkutsk und der hydrografische Dienst der Marine in Sankt Petersburg. 2002 lag die neue Karte vor, 2006 erschien sie in der Fachzeitschrift Doklady Earth Sciences. Sie bestätigte 1.642 Meter und lieferte erstmals verlässliche Werte für Volumen und Fläche. Mehr zu allen Werten steht unter Zahlen und Fakten zum Baikalsee.
Wie tief sind die drei Becken?
Der Baikal gliedert sich in drei Becken, die unter Wasser durch Schwellen getrennt sind. Das Mittelbecken ist mit 1.642 Metern das tiefste, das Südbecken erreicht 1.461 Meter, das Nordbecken 904 Meter. Zwischen Nord- und Mittelbecken hebt sich der Akademikerrücken bis auf etwa 300 Meter unter die Oberfläche, zwischen Süd- und Mittelbecken liegt eine Schwelle vor dem Delta der Selenga.
| Becken | Größte Tiefe | Fläche | Volumen | Mittlere Tiefe |
|---|---|---|---|---|
| Nordbecken | 904 m | rund 13.690 km² | rund 8.190 km³ | rund 600 m |
| Mittelbecken | 1.642 m | rund 10.600 km² | rund 9.080 km³ | rund 860 m |
| Südbecken | 1.461 m | rund 7.430 km² | rund 6.340 km³ | rund 850 m |
Auffällig ist der Unterschied zwischen größter und mittlerer Tiefe. Das Südbecken ist zwar 180 Meter flacher als das Mittelbecken, im Mittel aber fast genauso tief, weil seine Hänge steil abfallen und der Boden breit ist. Das Nordbecken ist das größte nach Fläche, aber das flachste. Nach den seismischen Daten ist es auch jünger: Dort begann die Absenkung deutlich später als im Mittelbecken.
Was lebt in der Tiefe des Baikalsees?
Im Baikal gibt es Leben bis zum Grund, weil das Wasser auch in 1.600 Metern Tiefe sauerstoffreich ist. Das unterscheidet ihn von anderen sehr tiefen Seen wie dem Tanganjikasee, dessen Tiefenwasser sauerstofffrei ist. Ursache sind Kaltwasservorstöße: Im Frühjahr und im Frühwinter sinkt an steilen Ufern kaltes Oberflächenwasser ab und strömt in die Tiefe. Nach Messungen mit Tritium und Helium wird das Wasser unterhalb von 250 Metern so jedes Jahr um etwa ein Zehntel erneuert, im Nordbecken etwas schneller.
Davon profitiert eine eigene Tiefenfauna. Die beiden Golomjanka-Arten, durchscheinende Ölfische ohne Schwimmblase, leben meist in 100 bis 500 Metern Tiefe, kommen aber bis in Grundnähe vor; zusammen mit einigen Tiefwassergroppen sind sie die am tiefsten lebenden Süßwasserfische der Erde. Flohkrebse besiedeln alle Tiefen, einige der großen Arten erreichen 7 Zentimeter Länge. Am Seeboden selbst gibt es Schlammvulkane, Methanquellen und Gashydrate, also in eisartigen Kristallen gebundenes Methan; Gashydrate sind aus keinem anderen Süßwassersee nachgewiesen.
Wer ist zum Grund des Baikalsees getaucht?
Bemannte Tauchboote haben den Grund des Baikals mehrfach erreicht. 1990 und 1991 tauchten Pisces-Tauchboote im Mittelbecken, wobei 1.637 Meter gemessen wurden. Im Sommer 2008 begann eine zweijährige Expedition mit den russischen Tauchbooten Mir-1 und Mir-2, geleitet von der Russischen Akademie der Wissenschaften. Ende Juli 2008 erreichten beide Boote den Grund in rund 1.580 Metern Tiefe; der ursprünglich gemeldete Rekord für Süßwasser bestätigte sich damit nicht. Bis 2010 folgten zahlreiche weitere Tauchgänge, bei denen Forscher geologische und biologische Untersuchungen am Seegrund durchführten. Die größten Tiefen anderer Seen vergleicht die Seite die tiefsten Seen der Welt.
Häufige Fragen zur Tiefe des Baikalsees
Warum steht in manchen Büchern 1.637 Meter?
Weil dieser Wert 1991 bei einem Tauchgang gemessen und 1993 im Atlas des Baikalsees veröffentlicht wurde. Die tiefere Messung der Marine war damals noch geheim. Seit die Daten 1999 freigegeben und 2002 neu ausgewertet wurden, gilt 1.642 Meter.
Ist die Angabe 1.462 Meter richtig?
Nein. Sie ist ein Zahlendreher aus 1.642 und taucht auf einigen Webseiten auf. Ein Wert von 1.461 Metern existiert zwar, er bezeichnet aber die größte Tiefe des Südbeckens, nicht die des ganzen Sees.
Wie viel Wasser liegt über der tiefsten Stelle?
Über der tiefsten Stelle stehen 1.642 Meter Wasser, das entspricht etwa der fünffachen Höhe des Eiffelturms. Unten herrscht ein Druck von rund 160 bar, und das Wasser hat das ganze Jahr über nur gut 3 °C.
Wird der Baikalsee noch tiefer?
Der Graben senkt sich weiter ab, doch die Flüsse schwemmen gleichzeitig Sediment ein. Ob der See dadurch messbar tiefer wird, lässt sich auf menschlichen Zeitskalen nicht feststellen. Über geologische Zeiträume hat die Absenkung die Auffüllung bisher übertroffen.
Kann man bis zum Grund tauchen?
Nur mit Tauchbooten. Sporttaucher bleiben auch im Baikal in der Regel oberhalb von 40 Metern, wo das Wasser ganzjährig nur wenige Grad warm ist. Die tiefsten Bereiche sind bisher nur von wenigen Forschungstauchbooten besucht worden.
Quellen: Limnologisches Institut Irkutsk: More on the maximum depth of Lake Baikal (2026); INTAS-Projekt 99-1669: Morphometric Data of Lake Baikal (Universität Gent, archiviert); Ökologischer Atlas des Baikal-Einzugsgebiets: Bottom contour map. Weitere: Guinness World Records, U.S. Geological Survey, Colman et al. 2003, Hohmann et al. 1998, Wikipedia. Stand: Oktober 2026.
