Blatt Baikal · 51°28′–55°47′ N · 103°43′–109°58′ OWissens- und Reiseportal · Stand Oktober 2026

Forschungsblatt · Der See

Klima am Baikalsee: Jahreszeiten, Wind und Temperaturen

Kontinentalklima, vom See gemildert, mit eigenen Winden und sehr verschiedenen Ufern

Bereich
Der See
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Granitufer mit gelben Lärchen und dunklen Zirbelkiefern, klares ruhiges Wasser, ferne Berge mit erstem Schnee
Abb. 1Herbst am Ufer: Ende September färben sich die Lärchen gelb. Symbolbild
Kurz gesagt

Am Baikalsee herrscht ein ausgeprägtes Kontinentalklima mit langen, kalten, trockenen und sonnigen Wintern und kurzen Sommern. Die riesige Wassermasse mildert es am Ufer: Die Winter sind dort einige Grad weniger streng, die Sommer kühler als im Hinterland. In Irkutsk liegt das Januarmittel bei rund −18 °C, das Julimittel bei 19 °C.

Welches Klima herrscht am Baikalsee?

Der Baikalsee liegt mitten in Asien, mehr als 1.500 Kilometer vom nächsten Meer entfernt, und hat deshalb ein ausgesprochen kontinentales Klima: große Unterschiede zwischen Sommer und Winter, wenig Niederschlag im Winter und viel Sonne. Unmittelbar am Ufer wirkt der See jedoch wie ein Meer im Kleinen und schwächt die Extreme ab.

Das Winterwetter bestimmt das Sibirische Hochdruckgebiet, ein gewaltiges Kältehoch mit Zentrum über der nordwestlichen Mongolei. Es baut sich im September und Oktober auf, erreicht im Januar seine größte Stärke und löst sich im April und Mai wieder auf. Unter seinem Einfluss ist die Luft trocken und klar, Wind ist selten, und in Senken und Tälern kühlt sie in langen Nächten stark ab. Im Sommer schwächt sich die Westströmung ab; Tiefdruckgebiete aus der Mongolei und Zentralasien bringen dann den meisten Regen des Jahres. Wie sich dieses Klima in den Großraum Ostsibirien einfügt, beschreibt die Seite über den Baikalsee in Sibirien.

Die mildernde Wirkung des Sees ist deutlich messbar. Nach dem Umweltbericht des UNDP-GEF-Baikalprojekts sind die Wintermonate am Südufer im Mittel rund 5 Grad wärmer und die Sommermonate um ebenso viel kühler als im Inneren des Landes. Der Grund ist die Wärmespeicherung: Das Wasser gibt im Herbst und Frühwinter die im Sommer aufgenommene Wärme langsam ab und kühlt im Frühjahr seinerseits die Luft, solange es noch kalt ist. Russische Übersichten nennen eine Verspätung des Frühlings am Ufer um 10 bis 15 Tage gegenüber dem Umland und einen entsprechend langen Herbst.

Wie warm und wie nass ist es im Jahreslauf?

Am wärmsten ist der Juli, am kältesten der Januar; der meiste Niederschlag fällt zwischen Juni und August, in Irkutsk mehr als die Hälfte der Jahresmenge. Die folgende Tabelle zeigt langjährige Monatsmittel für Irkutsk, rund 60 Kilometer vom Südwestufer entfernt an der Angara, und für Nischneangarsk direkt am Nordufer.

MonatIrkutsk °CIrkutsk mmNischneangarsk °CNischneangarsk mm
Januar−17,614−20,916
Februar−14,19−18,913
März−5,512−11,312
April3,621−1,421
Mai10,4366,027
Juni16,46913,341
Juli19,010617,560
August16,49616,162
September9,5538,943
Oktober2,021−0,234
November−7,620−10,619
Dezember−15,419−17,112
Jahr1,4477−1,6358

Zwei Muster fallen auf. Erstens hinkt das Nordufer im Frühjahr deutlich hinterher: Im Mai ist es in Nischneangarsk über 4 Grad kühler als in Irkutsk, im August dagegen fast gleich warm. Der kalte See bremst im Frühjahr die Erwärmung der Uferluft, im Spätsommer ist dieser Effekt deutlich schwächer. Zweitens regnet und schneit es am Nordufer im Oktober mehr als in Irkutsk; vermutlich liefert der noch offene, relativ warme See Feuchtigkeit, während die Luft schon kalt ist. Die Extreme sind beträchtlich: In Irkutsk wurden −49,7 °C (1915) und 37,2 °C (ebenfalls 1915) gemessen, für die Uferzone nennt der UNDP-GEF-Bericht Extreme von −46 °C und 34 °C.

Wie stark die Landschaft das Klima formt, zeigt eine Übersicht aus demselben Bericht. Sie vergleicht typische Werte verschiedener Geländeformen im Baikalbecken.

GeländeformJanuar °CJuli °CNiederschlag mm/Jahr
Ufer des Baikalsees−18 bis −2210 bis 14400–600
Senken und Becken−26 bis −3016 bis 19200–400
Weite Täler und Ebenen−22 bis −2717 bis 19200–400
Mittelgebirge−22 bis −2812 bis 15600–800
Hochgebirge−20 bis −258 bis 11900–1.200

Die Uferzone hat damit die mildesten Winter, aber auch die kühlsten Sommer aller tiefer gelegenen Landschaften. Die Temperaturen des Wassers selbst und die Frage, wann man baden kann, behandelt die Seite zur Wassertemperatur im Baikalsee.

Wie verlaufen die vier Jahreszeiten am See?

Der Winter ist lang, kalt, trocken und sonnig; der Frühling kommt spät und ist windig; der Sommer ist kurz und in der zweiten Hälfte regnerisch; der Herbst ist mild, aber die stürmischste Zeit des Jahres. Diese Abfolge beschreibt der UNDP-GEF-Bericht für das ganze Becken.

Der Winter reicht von November bis März. Unter dem Sibirischen Hoch ist es oft windstill und wolkenarm, die trockene Luft lässt die Kälte erträglicher wirken, als die Zahlen vermuten lassen. Am Ufer und in den Ebenen liegt im Mittel nur 30 bis 40 Zentimeter Schnee, auf dem Eis fegt der Wind ihn häufig fort. Gerade Februar und März sind besonders sonnig: Dann scheint die Sonne 60 bis 80 Prozent der astronomisch möglichen Zeit. Der See friert nicht auf einmal zu, sondern Bucht für Bucht und Becken für Becken; wann welcher Teil zugefroren ist, beschreibt die Seite zur Eissaison am Baikalsee.

Der Frühling setzt am See spät ein. Auf den windstillen Winter folgt eine trockene, windige Zeit, in der es bis in die erste Junidekade nachts frieren kann. Das Eis bricht im Mai auf, im Norden teils erst im Juni, und das noch eiskalte Wasser hält die Ufer kühl.

Der Sommer ist kurz. Im Juni ist es meist trocken und sonnig, im Juli und August fällt der meiste Regen des Jahres. Mittags kann es warm werden, Morgen und Abende bleiben kühl. Für die Sonnenscheindauer nennt der Bericht am Ufer rund 1.500 Stunden im Jahr im Norden und bis zu 2.600 Stunden im Süden, mit den Höchstwerten von 240 bis 280 Stunden im Mai und Juni.

Der Herbst bleibt lange mild, weil der See die Sommerwärme abgibt. Zugleich ist er die Zeit der Stürme: Von Oktober bis Dezember, bevor der See zufriert, treten die stärksten Winde auf. November und Dezember sind die trübsten Monate, die Sonne scheint dann nur 25 bis 30 Prozent der möglichen Zeit.

Welche Winde wehen am Baikalsee?

Am See wehen eigene, mit Namen bezeichnete Winde. Die Längswinde folgen der Achse des Sees von Nordost nach Südwest, die Querwinde fallen von den Randgebirgen herab. Am gefährlichsten ist die Sarma, ein Fallwind am Westufer, der im Herbst Orkanstärke erreichen kann.

Die Große Sowjetische Enzyklopädie und russische Lehrbücher zur Baikalkunde beschreiben die wichtigsten Winde so:

  • Werchowik (auch Bargusin): Längswind aus Nordost, meist bei klarem, sonnigem Wetter; er erreicht über der Seemitte im Sommer bis etwa 8 Meter pro Sekunde, kann bis zu zweieinhalb Tage anhalten und baut im mittleren und südlichen See kräftigen Seegang auf. Wo er sich mit der Luft aus dem Bargusin-Tal verbindet, heißt er Bargusin.
  • Kultuk: Längswind aus Südwest, benannt nach dem Ort am Südende; fast immer mit schlechtem Wetter verbunden, im Herbst 8 bis 10 Meter pro Sekunde.
  • Gornaja und Sarma: Querwinde aus Nordwest, die von den Bergen am Westufer auf den See stürzen. Die Sarma, benannt nach einem Flusstal gegenüber von Olchon, ist deren heftigste Form und erreicht im Herbst und Frühwinter 30 bis 40 Meter pro Sekunde.
  • Schelonnik: seltener Querwind aus Südost, vor allem im Herbst, böig und mit Wellengang am Westufer.
Sturmwellen brechen an dunklen Felsklippen, tiefe Wolken, Wind im trockenen Gras
Abb. 2Im Herbst bringen Stürme wie die Sarma hohe Wellen. Symbolbild

Die Sarma entsteht, wenn kalte Luft von der Hochfläche westlich des Sees über die Primorski-Kette strömt und durch das sich verengende Tal des Flusses Sarma wie durch eine Düse zum Kleinen Meer hinabfällt. Sie setzt oft schlagartig ein. Schiffe und Fischer suchen dann Schutz in Buchten, denn der Wind wirft schnell steile Wellen auf. Normalerweise sind die Wellen auf dem Baikal 1 bis 3 Meter hoch, bei Stürmen erreichen sie 4 bis 5 Meter und mehr.

Neben diesen großräumigen Winden gibt es im Sommer eine regelmäßige Brise: Tagsüber weht der Wind vom kühlen See zum wärmeren Land, abends und nachts strömt Luft aus den Tälern auf den See hinaus und kann dann recht kräftig werden. Je nach Uferabschnitt zählt man im Jahr zwischen knapp 20 und fast 150 Sturmtage, gehäuft im Frühjahr und Herbst.

Warum unterscheiden sich die Ufer so stark?

Weil die Gebirge rund um den See den Niederschlag ungleich verteilen. Wo feuchte Luft auf einen Hang trifft und aufsteigt, regnet und schneit es viel; wo sie über einen Kamm hinweg absinkt, bleibt es trocken. Die Spanne reicht deshalb von rund 200 Millimetern im Jahr auf Olchon bis über 1.000 Millimeter an den Gebirgshängen im Süden.

Am trockensten sind die Insel Olchon und das gegenüberliegende Westufer am Kleinen Meer. Sie liegen im Regenschatten der Primorski-Kette, über die die vorherrschenden Nordwestwinde absinken und sich dabei erwärmen und abtrocknen. Der UNDP-GEF-Bericht nennt für die Steppen am Westufer und die Inseln nur 200 bis 250 Millimeter im Jahr. Deshalb wächst dort Steppe statt Taiga, und Olchon gilt als einer der sonnigsten Orte am See; russische Übersichten nennen für die Insel im Mittel nur rund 48 Tage ohne Sonne im Jahr.

Ganz anders das Südufer: Die Hänge des Chamar-Daban fangen die Luft auf, die mit Nordwestwind über den See kommt und dabei Feuchtigkeit aufgenommen hat. Für das Südostufer nennen Moore und Kollegen 600 bis 800 Millimeter im Jahr, an den Luvhängen der Gebirge fallen bis zu 1.400 Millimeter. Der Norden ist insgesamt kälter, die Eisdecke hält dort am längsten. Für Reisende sind diese Unterschiede wichtig, weil das Wetter am selben Tag am Südufer und auf Olchon völlig verschieden sein kann; Grundwissen zur Reiseplanung bündelt der Bereich Reise an den Baikalsee.

Wie verändert der Klimawandel das Wetter am See?

Die Region erwärmt sich schneller als der globale Durchschnitt. Nach Daten, die Marianne Moore und Kollegen 2009 zusammengefasst haben, stieg die mittlere Lufttemperatur im 20. Jahrhundert um rund 1,2 Grad, im Winter sogar um etwa 2 Grad, im Sommer um 0,8 Grad.

Auch der See reagiert. Eine Auswertung von Messungen der Universität Irkutsk durch Stephanie Hampton und Kollegen ergab 2008 eine Erwärmung des Oberflächenwassers um 1,21 Grad seit 1946. Die eisfreie Zeit hat sich zwischen 1869 und 2000 um rund 18 Tage verlängert, vor allem weil der See später zufriert, und im Südbecken wurde das Eis zwischen 1949 und 2000 im Mittel um 12 Zentimeter dünner. Für das Ende des 21. Jahrhunderts erwarten Klimamodelle ein wärmeres und feuchteres Klima, besonders im Winter. Mehr Regen statt Schnee im Frühjahr könnte die Klarheit des Eises verändern, von der die Algenblüte unter dem Eis und damit das ganze Nahrungsnetz abhängt. Wie sich Windmuster entwickeln, lässt sich nach Einschätzung der Forscher noch nicht vorhersagen.

Häufige Fragen zum Klima am Baikalsee

Wie kalt wird es am Baikalsee im Winter?

Im Januar liegen die Monatsmittel am Ufer meist zwischen −18 und −22 °C, im Hinterland und in Senken deutlich tiefer. In kalten Nächten können die Temperaturen unter −40 °C fallen; in Irkutsk wurde 1915 ein Tiefstwert von −49,7 °C gemessen. Wegen der trockenen Luft und der oft windstillen Tage wirkt die Kälte milder als in feuchten Klimaten.

Wann ist es am Baikalsee am sonnigsten?

Am sonnigsten sind der Spätwinter und das Frühjahr: Im Februar und März scheint die Sonne 60 bis 80 Prozent der möglichen Zeit, die meisten Sonnenstunden gibt es im Mai und Juni. Am trübsten sind November und Dezember. Olchon und das Westufer am Kleinen Meer zählen zu den sonnenreichsten Gegenden.

Regnet es am Baikalsee viel?

Insgesamt eher wenig: In Irkutsk fallen rund 480 Millimeter im Jahr, in Nischneangarsk rund 360 und auf Olchon nur 200 bis 250 Millimeter. Ausnahmen sind die Gebirgshänge am Südufer mit weit mehr Niederschlag. Der meiste Regen fällt im Juli und August.

Warum ist es am Ufer im Sommer so kühl?

Der See bleibt im Sommer kalt und kühlt die Luft darüber. Am Ufer liegen die Julimittel deshalb meist nur bei 10 bis 14 °C, während es in Tälern im Hinterland 16 bis 19 °C sind. Schon wenige Kilometer landeinwärts kann es deutlich wärmer sein.

Wie hoch werden die Wellen auf dem Baikalsee?

Meist 1 bis 3 Meter, bei Herbststürmen 4 bis 5 Meter und mehr. Gefährlich ist weniger die Höhe als die Plötzlichkeit, mit der Fallwinde wie die Sarma einsetzen. Kleine Boote sollten bei Sturmwarnung im Hafen bleiben.

Quellen: UNDP-GEF Baikal Project: State of the Environment Report, Kap. 1.4 Klimabedingungen; Moore et al. (2009): Climate Change and the World’s „Sacred Sea“ – Lake Baikal, BioScience 59; Pogoda i klimat: Klimatabellen Irkutsk und Nischneangarsk (Station 30433); Hampton et al. (2008), Global Change Biology 14; Große Sowjetische Enzyklopädie, 3. Auflage, Artikel „Baikal“. Stand: Oktober 2026.

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