Der Baikalsee gliedert sich in drei Becken, die unter Wasser durch Schwellen getrennt sind: das Südbecken bis 1.461 Meter tief, das Mittelbecken mit der tiefsten Stelle von 1.642 Metern und das flachere Nordbecken bis 904 Meter. Die Grenzen liegen beim Selenga-Delta und am Akademikerrücken zwischen Olchon und den Uschkani-Inseln.
In welche Becken gliedert sich der Baikalsee?
Der Baikal besteht aus drei großen Becken, die in einer Reihe von Südwest nach Nordost liegen. Das Südbecken reicht vom Südwestende bei Kultuk bis zum Delta der Selenga, das Mittelbecken von dort bis zur Linie zwischen der Nordspitze von Olchon und den Uschkani-Inseln, das Nordbecken bis zum Nordende bei Nischneangarsk. Jedes Becken ist eine eigene, tiefe Wanne, deren Boden durch untermeerische Schwellen von den Nachbarbecken abgesetzt ist.
Die genauesten Werte stammen aus der digitalen Tiefenkarte des internationalen INTAS-Projekts von 2002, an der das Limnologische Institut in Irkutsk beteiligt war. Sie zeigen, dass die Becken nach Fläche und Tiefe sehr verschieden sind: Das Nordbecken ist das größte, aber flachste; das Mittelbecken ist das tiefste und fasst das meiste Wasser; das Südbecken ist das kleinste, im Mittel aber fast so tief wie das Mittelbecken.
| Becken | Länge (etwa) | Fläche | Volumen | Größte Tiefe | Mittlere Tiefe |
|---|---|---|---|---|---|
| Südbecken | rund 190 km | 7.432 km² | rund 6.340 km³ | 1.461 m | rund 853 m |
| Mittelbecken | rund 190 km | 10.600 km² | rund 9.080 km³ | 1.642 m | rund 857 m |
| Nordbecken | rund 255 km | 13.690 km² | rund 8.190 km³ | 904 m | rund 598 m |
| Ganzer See | rund 636 km | 31.722 km² | rund 23.615 km³ | 1.642 m | rund 744 m |
Die Längen sind Näherungswerte, gemessen entlang der Seeachse zwischen den Beckengrenzen; die Quellen geben dafür keine amtlichen Zahlen an. Die tiefsten Stellen liegen in allen drei Becken näher am steilen Nordwestufer als am flachen Südostufer. Wie diese Tiefen vermessen wurden, beschreibt die Seite zur Tiefe des Baikalsees.
Wo verlaufen die Grenzen zwischen den Becken?
Süd- und Mittelbecken trennt eine untermeerische Schwelle vor dem Delta der Selenga, die sich zum gegenüberliegenden Westufer bei der Mündung der Buguldeika zieht. In russischen Quellen heißt sie Selenga-Rücken, in englischen Arbeiten Buguldeika-Schwelle. Hier schüttet der größte Zufluss des Sees seit Jahrtausenden Sand und Schlamm ins Becken; die Schwelle ist entsprechend breit und flach geböscht. Eine verlässliche Angabe zur geringsten Wassertiefe über dieser Schwelle findet sich in den ausgewerteten Quellen nicht.
Deutlicher ausgeprägt ist die Grenze zwischen Mittel- und Nordbecken, der Akademikerrücken. Entdeckt wurde er bei den Tiefenmessungen, die die Akademie der Wissenschaften ab 1925 unter Gleb Wereschtschagin durchführte. Der Rücken zieht sich rund 100 Kilometer von Olchon nach Nordosten zu den Uschkani-Inseln, seinen höchsten, aus dem Wasser ragenden Gipfeln. Insgesamt erhebt er sich bis zu 1.848 Meter über den angrenzenden Seeboden. Auf seiner Kammlinie liegen mehrere hundert Meter Wasser; die Bohrung BDP-98 des Baikal Drilling Project setzte 1998 auf dem Rücken in 333 Metern Wassertiefe an.

Die Schwellen sind keine zufälligen Erhebungen, sondern Teil der Grabentektonik. Der Akademikerrücken besteht aus gekippten Krustenblöcken, begrenzt von der Olchon-Störung im Südosten und der Uschkani-Störung im Nordwesten. Nach den Ablagerungen am Seeboden war er lange das Nordufer eines kleineren Ur-Baikals: Unter Süd- und Mittelbecken liegen rund 8 Kilometer Sediment, unter dem Nordbecken nur 4 bis 5 Kilometer. Erst als der Graben weiter nach Norden aufriss, entstand das Nordbecken. Mehr zum Bau des Grabens steht auf der Seite über die Baikal-Riftzone.
Wie unterscheiden sich Nord-, Mittel- und Südbecken?
Das Nordbecken ist das kälteste und am dünnsten besiedelte. Sein Eis bricht am spätesten auf, oft erst im Juni, und seine Ufer am Fuß des Baikal- und des Bargusin-Gebirges sind über weite Strecken nur dünn besiedelt. Größere Orte gibt es nur am Nordende mit Sewerobaikalsk an der Baikal-Amur-Magistrale und Nischneangarsk nahe der Mündung der Oberen Angara.
Das Mittelbecken ist das tiefste und landschaftlich gegensätzlichste. Am Westufer liegen die Insel Olchon und das Kleine Meer, die Meerenge zwischen Olchon und dem Festland, die rund 70 Kilometer lang, 5 bis 16 Kilometer breit und im Norden bis rund 210 Meter tief ist. Am Ostufer ragt die Halbinsel Swjatoi Nos in den See, an deren Seiten die beiden größten Buchten des Sees liegen.
Das Südbecken ist am stärksten genutzt und am dichtesten besiedelt. Hier verlässt die Angara den See, hier verlaufen die Transsibirische Eisenbahn und die Circum-Baikal-Bahn am Ufer, hier liegen Sljudjanka, Baikalsk und Listwjanka, und Irkutsk ist nur rund 60 Kilometer entfernt. Das Südbecken friert im Mittel um den 9. Januar zu, gemessen an der Station Listwjanka, und wird im Mai als erstes wieder eisfrei.
Welche großen Buchten hat der Baikalsee?
Die Uferlinie des Baikals ist nur wenig gegliedert. Rund 8 Prozent des Seebodens liegen weniger als 50 Meter tief, der Rest fällt rasch in die Tiefe ab. Die größten Einbuchtungen bilden nach der Großen Sowjetischen Enzyklopädie die Bargusin-, die Tschiwyrkui- und die Proval-Bucht sowie im Norden die kleinen Buchten Ajaja und Frolicha. Die meisten großen Buchten liegen am Ostufer, wo die Hänge flacher sind und Flüsse breite Schwemmebenen aufgeschüttet haben.
| Bucht | Lage | Fläche | Tiefe | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Bargusin-Bucht | Ostufer, Mittelbecken | rund 725 km² | bis 1.284 m | größte und tiefste Bucht, Mündung des Bargusin |
| Tschiwyrkui-Bucht | zwischen Swjatoi Nos und Festland | rund 300 km² | höchstens rund 10 m | früher ein Sor, heute offene Bucht |
| Proval | nordöstlich des Selenga-Deltas | rund 200 km² | meist 0,5–3,5 m, stellenweise 5–6 m | beim Erdbeben 1862 entstanden |
| Possolski Sor | Ostufer, südwestlich des Selenga-Deltas | rund 35,6 km² | bis rund 3,5 m | durch eine Sandnehrung abgetrennt |
| Kultuk-Bucht | Nordteil der Bargusin-Bucht, wo die Sandnehrung an Swjatoi Nos stößt | keine belegte Angabe | flach | im Sommer bis rund 22 °C |
| Kleines Meer | zwischen Olchon und Westufer | rund 70 km lang | bis rund 210 m | Meerenge, gilt teils als Bucht |
Die Bargusin-Bucht ist mit Abstand die größte. Sie greift 29 Kilometer tief ins Ostufer ein, ist an der Öffnung zwischen den Kaps Nischneje Isgolowje und Krestowy knapp 23 Kilometer breit und erreicht in ihrem tiefen, zum offenen See hin abfallenden Teil 1.284 Meter. An ihrem Ostufer erstreckt sich zwischen der Mündung des Bargusin und Swjatoi Nos einer der längsten Sandstrände des Sees. Die Tschiwyrkui-Bucht nördlich davon ist dagegen im inneren Teil flach und meist nicht tiefer als etwa zehn Meter; nur zum Eingang hin fällt der Grund auf über 100 Meter ab. Die Proval-Bucht entstand im Januar 1862, als beim Zagan-Erdbeben eine Steppe von rund 200 Quadratkilometern absank und überflutet wurde. Ihre Lage und die der übrigen Buchten zeigt die Karte des Baikalsees.

Was ist ein Sor?
Ein Sor ist eine flache Bucht des Baikals, die durch Sandbänke oder Nehrungen weitgehend vom offenen See abgetrennt ist. Das Wort kam wohl mit russischen Siedlern des 17. Jahrhunderts aus Westsibirien, wo es eine bei Hochwasser überflutete Niederung bezeichnet. Die Nehrungen heißen am Baikal Karga, die Durchlässe zwischen ihnen Prorwa.
Russische Quellen zählen fünf große Sore: den Possolski Sor, den Sor-Tscherkalowo, die Proval-Bucht, den Angarski Sor am Nordende und den See Arangatui auf der Landbrücke von Swjatoi Nos. Alle liegen am Nord- und Ostufer. Sie sind höchstens rund 10 Meter tief, haben dichte Wasserpflanzenbestände und beherbergen Fische, die im offenen See kaum vorkommen, etwa Plötze, Karausche, Hecht und Barsch.
Sore verändern sich rasch. Der Possolski Sor entstand nach geophysikalischen Untersuchungen erst in den letzten ein bis zwei Jahrtausenden, als dort Land absank; seine beiden Nehrungen bildeten sich vor etwa 500 bis 600 Jahren. Heute ist er durch eine einzige, rund 200 Meter breite Öffnung mit dem See verbunden. Als der Baikal nach dem Bau des Wasserkraftwerks Irkutsk ab 1959 um mehr als einen Meter stieg, wuchs der Sor von 34,0 auf 35,6 Quadratkilometer, und die Nehrungen wurden vorübergehend durchbrochen. Umgekehrt kann ein Sor zur offenen Bucht werden: Die Tschiwyrkui-Bucht war im 19. Jahrhundert noch durch Sandbänke abgetrennt.
Warum sind die Buchten wärmer als der offene See?
Flache Buchten erwärmen sich im Sommer viel stärker, weil die Sonne nur eine dünne Wasserschicht aufheizen muss, die sich kaum mit dem kalten Tiefenwasser mischt. Im offenen See verteilt der Wind die Wärme dagegen über eine mächtige Schicht, unter der Wasser von nur gut 3 Grad liegt.
Entsprechend groß sind die Unterschiede. Die im inneren Teil meist nur bis rund 10 Meter tiefe Tschiwyrkui-Bucht erwärmt sich bis etwa 24 Grad, die kleine Kultuk-Bucht im Norden der Bargusin-Bucht bis etwa 22 Grad. Im Possolski Sor hat das Wasser im Juli und August nach älteren Messungen 19 bis 23 Grad, an der Oberfläche wie am Grund. Der offene See erreicht im August dagegen meist nur bis etwa 16 Grad. Badetemperaturen und Messwerte vergleicht die Seite zur Wassertemperatur im Baikalsee. Im Herbst kehrt sich das Bild um: Die flachen Sore kühlen schnell aus. Der Possolski Sor ist nach älteren Messungen meist schon Ende Oktober zugefroren, Wochen vor dem offenen See.
Welche Bedeutung haben Becken und Buchten für Wasser und Leben?
Die Gliederung in Becken beeinflusst, wie das Wasser zirkuliert. Jedes Becken bildet einen eigenen Tiefenraum, in den im Frühjahr und Frühwinter kaltes, sauerstoffreiches Oberflächenwasser an den Steilhängen absinkt. Nach Messungen mit Spurenstoffen wird das Wasser unterhalb von 250 Metern so jedes Jahr um etwa ein Zehntel erneuert, im Nordbecken etwas schneller. Die Schwellen bremsen den Austausch am Grund zwischen den Becken, verhindern ihn aber nicht, denn sie liegen tief unter der Oberfläche.
Für das Leben im See sind die flachen Buchten wichtig, obwohl sie nur einen kleinen Teil der Fläche ausmachen. Der Possolski Sor dient als natürliche Kinderstube junger Omule; am benachbarten Fluss arbeitet die Fischzuchtanstalt Bolscherechenski, die Omul-Brut aufzieht. Das Selenga-Delta und die Proval-Bucht sind Rast- und Brutgebiete für Wasservögel. In der Tiefe der großen Becken leben dagegen die Arten, die den Baikal berühmt gemacht haben, etwa die durchscheinenden Golomjankas und die Tiefwassergroppen.
Häufige Fragen zu den Becken des Baikalsees
Welches Becken hat die größte Fläche?
Das Nordbecken mit rund 13.690 Quadratkilometern, das sind gut 43 Prozent der Seefläche. Es ist aber auch das flachste der drei Becken, deshalb enthält das kleinere Mittelbecken mehr Wasser.
Ist die Bargusin-Bucht flach?
Nur an ihren Rändern. Ihr Ostteil vor der Bargusin-Mündung ist flach und sandig, zum offenen See hin fällt der Grund jedoch bis 1.284 Meter ab. Damit ist sie die tiefste Bucht des Baikals.
Warum gibt es am Westufer kaum flache Buchten?
Weil dort die große Randstörung des Grabens verläuft. Die Hänge fallen steil in die Tiefe, und es gibt kaum Raum für Schwemmebenen. Flachwasser und Sore bilden sich vor allem am flacheren Ost- und Südufer, wo große Flüsse Sediment anliefern.
Kann eine neue Bucht wie Proval wieder entstehen?
Grundsätzlich ja, denn die Riftzone ist weiter aktiv, und der Possolski Sor ist nach geophysikalischen Befunden auf ähnliche Weise entstanden. Vorhersagen lassen sich solche Absenkungen nicht.
Wie tief sind die Schwellen zwischen den Becken?
Der Akademikerrücken erreicht an den Uschkani-Inseln die Oberfläche, auf seinem Kamm liegen sonst einige hundert Meter Wasser, an der Bohrstelle BDP-98 333 Meter. Für die Schwelle vor dem Selenga-Delta nennen die ausgewerteten Quellen keine genaue Mindesttiefe.
Quellen: Kaigorodowa, Pronin (2013): Egel der Tschiwyrkui-Bucht, The Scientific World Journal (Morphometrie und Tiefen der Bucht); INTAS-Projekt 99-1669 / Limnologisches Institut SB RAS: Morphometric Data of Lake Baikal (2002); Ökologischer Atlas des Baikal-Einzugsgebiets (UNDP-GEF): Bottom contour map; Große Sowjetische Enzyklopädie, 3. Aufl.: Baikal. Weitere: Wikipedia (russisch): Akademitscheski chrebet, Bargusinski saliw, Tschiwyrkuiski saliw, Proval, Possolski sor, Sor, Maloje More; Antipin et al. 2001 (BDP-98). Stand: Oktober 2026.
